Nach 30 Jahren wieder an der Sonne

Seit Dienstag genießen die Ex-Versuchsschimpansen vom Affenhaus Gänserndorf im Außengehege ein Stück Freiheit.

Frische Luft und Sonnenstrahlen genießen ab sofort jene 38 ehemaligen Labor-Schimpansen, die seit fast zehn Jahren auf dem Areal des ehemaligen Safariparks Gänserndorf in zwei sogenannten Affenhäusern untergebracht sind. Sie erhielten mehrere tausend Quadratmeter große Außengehege. Die weltberühmte Schimpansen-Verhaltensforscherin Jane Goodall (mi.), Landeshauptmann Erwin Pröll, Gesundheitsminister Alois Stöger (re.) und Michael Aufhauser (li.), der Chef von Gut Aiderbichl, eröffneten am Dienstag die erste dieser elf Außenanlagen. Die Kosten dafür betragen drei Millionen Euro. Jahrzehntelang waren die Affen in kleinen Käfigen gehalten worden – ohne soziale Kontakte. Die ehemaligen Versuchstiere sind mit HIV oder Hepatitis B oder C infiziert. Zum Körperkontakt zwischen den Pflegern und den Tieren kam es daher nie. Vier Pflegerinnen versuchen nun mit Erfolg, die Affen nach und nach zu resozialisieren. Das heißt, dass die Tiere, die jahrelang von der Umwelt abgeschottet leben mussten, lernen, was für Affen in der freien Wildbahn selbstverständlich ist: spielen, klettern und mit Artgenossen zusammenleben. Die zwei der Pflegerinnen begleiten die Schimpansen bereits seit 19 Jahren. Schädelbasisbruch in der Kindheit, geboren 1981, Herkunft Belgien, von 1982 bis 1999 Laborversuchsaffe in Österreich: Das ist der Lebenslauf des Schimpansen Babby Boy. Er ist geistig zurückgeblieben und tut sich schwer beim Klettern. Nur eines der vielen Schicksale im ehemaligen Safaripark Gänserndorf. Die Affen waren im Babyalter von der Firma Immuno gekauft worden. Ziel war die Entwicklung von „gp 160“, einem Serum gegen die Immunschwächekrankheit Aids. 1997 erwarb der US-Pharmakonzern Baxter das Unternehmen und damit auch die Schimpansen. Die Forschung brachte keine verwertbaren Ergebnisse und wurde eingestellt. Und: Baxter wollte mit der Käfighaltung nicht in Verbindung gebracht werden. Der Pharmariese errichtete nach Verhandlungen mit dem Safaripark Gänserndorf zwei Affenhäuser auf dem Areal der Stadtgemeinde Gänserndorf. 2004 ging der Safaripark Gänserndorf pleite – die Affen wurden zur Konkursmasse. Lange Verhandlungen zwischen Bund, Land und Baxter folgten. 

Im Bild: Das geräumige Außengehege Im Dezember 2009 unterzeichneten Michael Aufhauser und Dieter Ehrengruber vom Tierasyl Gut Aiderbichl Stiftung Österreich im Wiener Gesundheitsministerium einen Vertrag mit dem Land Niederösterreich, dem Bund,  Baxter und der Stadtgemeinde Gänserndorf. "Wir wollen diesen Tieren, für ihre Opfer, die sie für die Menschheit erbrachten, jetzt einfach danken. Sie feiern heute ihren zweiten Geburtstag", sagte Michael Aufhauser.
(kurier / Angelina Koidl, Lukas Schwaighofer, Franz Eder) Erstellt am
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