Mia Pikisch im Schanigarten des Casita

© Katharina Zach

Chronik | Niederösterreich
06/15/2019

Mödlinger Gastronomen wollen City beleben: Ärger über Auflagen

Kein Spaß im Schanigarten: Das Casita darf seinen Gastgarten an Sonn- und Feiertagen derzeit nicht betreiben.

Ein wunderschönes Holzdeck unter Schirmen und Zierpflanzen, ein Glas Wein. Der Schanigarten der Tapas-Bar Casita im Herzen der Mödlinger Fußgängerzone vermittelt Urlaubsfeeling pur. Wenn diesen Sonntag die Sonne vom Himmel strahlt, bleibt er jedoch geschlossen – so wie an jedem anderen Sonn- und Feiertag. So will es die Behörde.

Grund sind Konflikte mit Anrainern. Ständig setze es Anzeigen. Unzählige Verfahren habe man bereits geführt, erzählen Geschäftsführerin Mia Pikisch und ihr Mann Mario. Dass andere Lokale wenige Meter weiter einen Schanigarten führen dürfen, ist unerheblich. „Mehr als ein Siebtel unseres Jahresumsatzes fehlt dadurch“, sagt die Chefin.

Grundsätzlich erlaubt die Gastgartenverordnung der Stadt Mödling, Schanigärten bis 24 Uhr offen zu halten. Im Rahmen der Betriebsanlagengenehmigung kann die Behörde jedoch kürzere Öffnungszeiten vorschreiben – etwa aus Lärmschutzgründen. Im Rahmen eines solchen Verfahrens wurde nach Anrainerbeschwerden eine Umgebungslärm-Messung durchgeführt. Diese ergab, dass der Schanigarten in der aktuellen Größe zu laut sei – zumindest im Vergleich zur Geräuschkulisse der Fußgängerzone.

Mit Filz gegen Lärm

Wie laut dieser tatsächlich ist, wird laut Pikisch gar nicht erhoben. Kurios: Das Casita könnte nur den Antrag stellen, die aktuellen Öffnungszeiten – die sind von 8 bis 24 Uhr – auf 9 bis 22 Uhr zu reduzieren. Weil die Gesamtlärmemission über die Woche gleich bliebe, könnte es dann möglich sein, sieben Tag aufzusperren.

Dass in der Fußgängerzone etwa am 1. Mai direkt vor dem Lokal der Maibaum aufgestellt wurde, ist egal. Sogar mit Filzgleitern musste Pikisch ihre Sessel nach Beschwerden ausstatten.

Das Casita ist nicht das einzige betroffene Lokal. Ein weiterer Wirt wurde am vergangenen Wochenende um 19.30 Uhr angezeigt, als ein Saxofonspieler im Schanigarten in der Fußgängerzone musizierte. „Ich habe das Gefühl, dass die Toleranzgrenze der Menschen abnimmt“, meint Mario Pikisch.

Die Streitigkeiten zwischen Wirten und Anrainern geben der Diskussion um die Belebung der Innenstadt neue Nahrung. Zuletzt wurde von einem Gastronomen eine Petition gestartet, der mehr Angebote für junge Menschen in der Stadt fordert. „Dass Schanigärten unter Druck sind, ist faktisch“, sagt Gert Zaunbauer, Obmann des Stadtmarketing Mödling. „Jeder hat gern die Wirtschaft vor der Haustüre, aber stören darf sie nicht.“

Bitte leise tratschen

Viele Gastronomen würden Gäste bitten, leise zu sein, oder auch früher zusperren, um Probleme zu vermeiden. Eine Entwicklung, die einer lebendigen Gastroszene freilich entgegensteht.

Beim Stadtmarketing wird überlegt, einen Chill-Out-Freitag zu testen, bei dem die Fußgängerzone zwischen 17 und 21 Uhr beschallt wird.

Gastronomen können sich dann mit Angeboten anhängen. Pikisch und Zaunbauer verstehen auch die Anrainer. „Doch die Alternative ist, dass wir zusperren“, sagt die Chefin. Laut dem Wohnrechtsexperten Christopher Maurer von der Arbeiterkammer NÖ müssen sich Anrainer nur mit dem Lärm abfinden, der ortsüblich ist. „Wenn ich mir eine Wohnung in einer Fußgängerzone mit Lokalen nehme, muss ich damit rechnen, dass Betrieb ist.“ Allerdings: Vermeidbarer ortsunüblichen Lärm müssen sie nicht hinnehmen. Doch was gilt wo als ortsüblich?

Mario Pulker, Obmann des Fachverbandes Gastronomie in der Wirtschaftskammer Österreich fürchtet, dass sich die Konflikte im Fall eines Rauchverbots in der Gastronomie verschärfen. Es brauche daher eine Gesetzesänderung.