Chronik | Niederösterreich
08.06.2018

Mistelbach: Schütze wurde in Nervenklinik gebracht

Experten sollen nun die Psyche des 18-Jährigen durchleuchten und Gutachten erstellen.

Von der Zelle in eine Klinik: Mario S. wird wohl noch einige Zeit in einer Psychiatrie in Niederösterreich verbringen müssen. „Ich glaube, dass er dort gut aufgehoben ist“, sagt sein Anwalt Werner Tomanek.

S. soll im Mai vor dem Bundesschulzentrum Mistelbach mit einer Schrotflinte auf einen Schüler geschossen haben. Der junge Mann ging blutend zu Boden und musste später in einem Krankenhaus behandelt werden. Der Schütze, ein 18-jähriger Soldat, warf die Waffe weg und lief davon. Stunden später stellte er sich der Polizei.

Der ermittelnde Staatsanwalt geht davon aus, dass der mutmaßliche Täter noch viel Schlimmeres anrichten hätte wollen. Es gäbe Hinweise darauf, dass S. einen Amoklauf geplant habe. Nur eine Hemmung an der Waffe habe dies verhindert, wird betont.

Gutachten

Die Frage nach dem Warum ist nach wie vor unklar. Im Landesklinikum Mauer soll nun die Psyche des Schützen durchleuchtet werden. „Mein Mandant macht mir noch einen sehr kindlichen Eindruck. Er verhält sich nicht wie ein 18-Jähriger“, erzählt Tomanek. Jetzt sollen psychiatrische Gutachten erstellt werden, ein Ballistiker die Tatwaffe unter die Lupe nehmen. Genau hier will Tomanek auch ansetzen, denn er glaubt nicht an einen geplanten Amoklauf. „Wer ein Sturmgewehr im Spind stehen hat, der kauft sich nicht für einen Amoklauf eine einläufige Schrotflinte.“

Aus der Sicht Tomaneks sei das Attentat vor der Schule „ein Hilferuf eines jungen Mannes gewesen, dessen Welt aus den Fugen geraten ist. Freilich war es ein völlig falsches Signal“, sagt er.

Wie berichtet, hatte Mario S. 25 Patronen bei sich und war mit einem Trenchcoat bekleidet. So wie jene beiden Burschen, die 1999 an der an der Columbine High School ein Blutbad angerichtet hatten.

Johannes Weichhart