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Die TV-Konfrontation
02/24/2013

Letzter Härtetest für Spitzenkandidaten

Das direkte Duell Erwin Pröll gegen Frank Stronach findet nicht statt. Am Sonntag fordern die Spitzenkandidaten der anderen Parteien den Landeshauptmann im ORF heraus.

von Michael Jäger

Die sogenannte Elefantenrunde im ORF eine Woche vor der Landtagswahl gilt als der letzte große Stimmungstest. Nur dieses eine Mal prallen die Spitzenkandidaten der Parteien – Josef Leitner (SPÖ), Barbara Rosenkranz (FPÖ) und Madeleine Petrovic (Grüne) – auf ÖVP-Landeshauptmann Erwin Pröll (heute Sonntag, ORF 2, von 11 bis 12 Uhr). Einzig Listenchef Frank Stronach gab dem ORF einen Korb.

Politik-Experten halten diese TV-Konfrontation zwar nicht für wahlentscheidend. Aber je nachdem wer sich besser schlägt, der nimmt den größeren Schwung in die letzte Wahlkampfwoche mit.

Der KURIER sprach mit ORF-NÖ-Chefredakteurin Christiane Teschl über die turbulenten Vorbereitungen und welche Themen sie zur Sprache bringen will.

KURIER: Die Elefantenrunde liefert nicht Quoten wie „Wetten, dass ..?“, ist aber in jedem Wahlkampf ein Highlight. Warum?
Teschl:
Weil das für die Leute interessant ist, sich ein Bild in der Gegenüberstellung zu machen. Die Botschaften bekommen sie zwar auch in Interviews und Inseraten mit. Aber wie die Kandidaten untereinander agieren, ist dabei schön zu sehen. In diesen Gesprächen entwickeln sich auch oft neue Themen, die bisher nicht auf dem Tapet waren. Und wir hoffen, dass das auch dieses Mal passiert.

Heiße Themen gab es zuletzt genug. Die Veranlagung, die Landesschulden, das Match Erwin Pröll gegen Frank Stronach. Was sprechen Sie fix an?
Das werde ich sehr kurzfristig entscheiden, weil sich bis zum letzten Moment immer noch etwas ändern kann. Was ich auf jeden Fall ansprechen will, ist die Stimmung und der Stil im Wahlkampf, weil es heuer besonders aufsehenerregend erscheint. An den Veranlagungen wird man nicht vorbeikommen.

Frank Stronach hat dem ORF einen Korb gegeben. Wird das, so wie das Duell mit Erwin Pröll, zur Sprache kommen?
Natürlich werden wir thematisieren, dass wir Frank Stronach eingeladen haben und dass er abgesagt hat. Das muss ich erklären, weil die Leute ihn ja nicht sehen. Und eventuell lese ich auch sein Absage-Mail vor. Es ist schon zu erwarten, dass der eine oder andere Kandidat in Seitenhieben darauf eingeht.

Für Sie ist das die erste derartige Elefantenrunde. Gibt es da eine spezielle Vorbereitung?
Erstens gibt es die Generalprobe, natürlich ohne handelnde Personen. Das ist eine gute Möglichkeit, mich mit dem Setting vertraut zu machen. Und natürlich muss ich bei der Geschichte vor allem auf die Zeit schauen. Wir haben nur 55 Minuten. Bei so vielen Diskutanten kann die Zeit schnell vorbei sein.

Da kommt es auf die Zeitdisziplin an. Wie schauen Sie darauf?
Wir werden dieses Mal mit Zeitrechnung arbeiten. Da läuft die Uhr mit. Es geht mir dabei nicht unbedingt um sekundengenaue Ausgewogenheit. Aber wir wollen zwischendurch schauen, wer hat noch Aufholbedarf.

Sind Sie streng, wenn jemand bei der Zeit über die Stränge schlägt?
Wenn das Gespräch zivilisiert abläuft, muss ich nicht streng sein. Wenn es, wie in vielen solcher Runden, zu einem Durcheinanderreden kommt, dann muss ich streng sein.

Wird es einen Landeshauptmann-Bonus geben. Hat Erwin Pröll mehr Zeit?
Vorweg bekommt er keinen. Wenn das Rennen so ausschaut wie im Wahlkampf, alle gegen einen, und er ununterbrochen angegriffen wird, dann wird er die Möglichkeit haben, sich zu verteidigen. Da kann dann ein Zeitbonus entstehen.

Bekommen die Spitzenkandidaten vorab die Themen?
Nein.

Die TV-Konfrontation findet im Landhaus-Schiff statt. Welchen Aufwand betreiben Sie?
Wir bauen kein Studio auf. Ich stelle einen Tisch und ein paar Sesseln rein. Kameras und Ton bringen wir mit.

Was macht der ORF-NÖ am Wahltag (3. März) anders?
Weil Kärnten gleichzeitig wählt, sind wir bereits ab 15.55 Uhr ein wichtiger Bestandteil einer Sonder-ZiB.

Solo-Auftritt

Den Neo-Politiker Frank Stronach zieht es ins Privat-Fernsehen. Statt an der „Elefantenrunde“ im ORF teilzunehmen und sich der Diskussion zu stellen, hat er angekündigt, bei PULS 4 die heutige Diskussionsrunde der Spitzenkandidaten live zu kommentieren.

Das sorgte doch für Verwunderung. Denn Stronach hatte Landeshauptmann Erwin Pröll ursprünglich zum TV-Duell aufgefordert. Er war auch zur ORF-Runde eingeladen, zog sich dann aber zurück, da er eine Konfrontation mit dem Landeshauptmann alleine wollte.

Jetzt sieht das Programm so aus: Stronach wird in einem Live-Interview ab 11.55 Uhr auf Puls 4 die Aussagen seiner Konkurrenten bewerten. Ab 20.15 Uhr wird die Doku „Die große Frank Stronach Story“ gesendet. Der Redakteurssprecherrat des Privatsenders betonte nach laut gewordener Kritik die Unabhängigkeit der Nachrichtensendungen. Im Rahmen der Wahlberichterstattung richte man sich nach dem Interesse der Österreicher.

60.000 Wähler geben Ausschlag

Für die ÖVP geht es am 3. März in Niederösterreich um viel: Das zeigt ein Blick auf die Ausgangslage vor dem Urnengang.

Die Volkspartei hat am meisten zu verlieren. Sie regiert seit März 2003 mit absoluter Mehrheit. Erwin Pröll und seine Mannschaft konnten ihr Ergebnis von 53,3 Prozent im Wahljahr 2008 noch einmal auf 54,4 Prozent der Wählerstimmen verbessern. Dazu kommt der Faktor, dass die ÖVP seit dem Jahr 1945 nur zwei Perioden lang keine absolute Mehrheit innehatte (1993 bis 2003, siehe Grafik). Ein Verlust der Absoluten würde den Ergebnisknick von 1988 übertreffen. Damals gingen glatte sieben Prozent verloren, die Schwarzen behielten dennoch ein Mandat Überhang im Landtag – stellten 29 von 56 Abgeordneten.

Gemäß der Wahlarithmetik müsste die ÖVP auf 48 Prozent oder darunter abstürzen, damit die Absolute tatsächlich weg ist. Das wäre – gemessen am Wahlausgang von 2008 – ein Minus von rund 60.000 Stimmen. Zum Vergleich: Das entspricht fast der Gesamtstimmenanzahl, die die Grünen im Jahr 2008 erreichen konnten.

Alles spricht vom Match Pröll-Stronach. Das Team Stronach muss am 3. März eine Hürde von vier Prozent der gültigen Stimmen nehmen, um in den Landtag zu kommen. Auf Basis der Daten von 2008, müssten somit rund 40.500 Niederösterreicher „FRANK“ ihr Vertrauen schenken. Damit wäre das Team Stronach mit zwei Mandaten im Landtag.

Um viel geht es am 3. März auch für die SPÖ. Die Sozialdemokraten verloren 2008 mehr als acht Prozent und vier Abgeordnete, sie bewegen sich auf historischem Tiefstand. Ein weiteres Minus würde die mitgliederstärkste SPÖ-Organisation Österreichs in eine tiefe Krise stürzen. Die Parteispitze rechnet jedoch fest mit einem Plus von rund 2 Prozent.

Es geht um so viel mehr

Was war das doch für eine Harmonie vor fünf Jahren. Es schien, als hätte die SPÖ ihre Gegner vor der Landtagswahl 2008 mit dem Geist ihrer „Politik mit Herz“ angesteckt. Die Wähler haben den roten Wohlfühl-Wahlkampf letzten Endes nicht goutiert. Im Gegenteil: Die SPÖ stürzte in ein Allzeit-Tief. Davon konnten die Freiheitlichen profitieren. Die ÖVP hat ihre Führung weiter ausgebaut. Die Grünen haben ihren Klubstatus gehalten.

Doch 2008 ist lange her. Die SPÖ hat längst auf Frontalangriff geschaltet, ein Austro-Kanadier zusätzlich die politischen Karten neu gemischt. Und die ÖVP muss angesichts ihrer acht Mitbewerber mehr denn je um ihre absolute Mehrheit bangen.

Doch für mehr als 1,4 Millionen Wahlberechtigte in Niederösterreich sollte es in einer Woche nicht um Milliardäre aus Übersee oder um bloßes Parteikalkül gehen. Es geht um viel mehr. Es geht um die Zukunft unseres Bundeslandes.

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