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Chronik Niederösterreich
01/14/2020

Klosterneuburg verliert Rehazentrum Weißer Hof

Das Rehabilitationszentrum soll noch bis 2026 bestehen und dann nach Wien-Meidling übersiedeln.

von Kevin Kada

Hermann Maier und Norbert Hofer – zwei der berühmtesten Patienten des Weißen Hofs in Klosterneuburg. Erst 2016 feierte das renommierte Rehabilitationszentrum seinen 30. Geburtstag. Bekannt wurde es vor allem durch seine Arbeit mit Querschnittsgelähmten und Trauma-Patienten nach Unfällen.

Geht es nach Plänen der AUVA, könnte dieser runde Geburtstag aber der letzte gewesen sein. Denn wie aus der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage des SPÖ-Nationalratsabgeordneten Rudolf Silvan hervorgeht, wird das Rehazentrum nur noch bis 2026 in Klosterneuburg bestehen bleiben.

Übersiedlung nach Wien

Laut der ehemaligen Gesundheitsministerin Brigitte Zarfl, die ihre Infos selbst von der AUVA bekommen hat, soll der Standort in das Meidlinger Unfallkrankenhaus in Wien übersiedeln. Auch dort betreibt die Versicherung ein Rehabilitationszentrum.

Laut AUVA wird außerdem derzeit bereits über eine mögliche Nachnutzung des Weißen Hofs mit dem Land Niederösterreich gesprochen. „Im Zentrum unserer Tätigkeit steht immer die bestmögliche Versorgung von Patientinnen und Patienten. Ganz in diesem Sinne erfolgen laufend Gespräche betreffend der Nachnutzung“, heißt es seitens der AUVA in der Anfragebeantwortung.

 

"Keine Gespräche" laut Land Niederösterreich

Beim Land Niederösterreich will man nichts von Gesprächen über eine eventuelle Nachnutzung wissen. Das ergab eine KURIER-Nachfrage bei jenen Landesräten, die für die verschiedenen Gesundheitsbereiche zuständig sind.

SPÖ-Mandatar Rudolf Silvan verknüpft diese Reaktion beim Land mit der Befürchtung, die er seit Langem hat: „Man will die AUVA langsam aber sicher im Erdboden versinken lassen. Man tut so, als ob man sie nicht braucht, damit man die geplanten Einsparungen von 500 Millionen Euro aus der Ära Türkis-Blau machen kann.“

Silvan, der selbst zehn Jahre lang Vorsitzender der AUVA-Landesgeschäftsstellen Wien, Niederösterreich und Burgenland war, erzählt von einem Beschluss aus dem Vorjahr, der die Effizienz der Reha-Zentren und Unfallkrankenhäuser hätte steigern sollen: „Der Plan war, dass man alle Akut-Fälle im UKH Meidling belässt und dann zur weiterführenden Reha in den Weißen Hof schickt. Da war aber nie die Rede davon, diese Einrichtung zu schließen.“

Kampf um den Erhalt

Die drohende Schließung des Reha-Zentrums ruft nun die örtliche Politik auf den Plan. Klosterneuburgs SPÖ-Parteivorsitzender Andreas Mohl, will sich dagegen wehren: „Wir werden alles daran setzen, dass der Weiße Hof in Klosterneuburg erhalten bleibt. Nicht nur für die Patienten und auch die Betriebe aus der Umgebung, sondern vor allem für die rund 350 Bediensteten. “

Für Klosterneuburgs Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager (ÖVP) ist allerdings das letzte Wort noch nicht gesprochen: „Wir warten einmal ab, wie die neue Bundesregierung mit der Einrichtung umgehen wird. Es gab schon so viele Gerüchte. Ich glaube es erst, wenn es passiert. Denn bisher gab es mit uns noch keine Gespräche rund um eine Nachnutzung.“

Rudolf Silvan will nun eine weitere parlamentarische Anfrage an den neuen zuständigen Minister Rudolf Anschober von den Grünen stellen. „Damit sich die neue Bundesregierung auch gleich mit diesem Thema beschäftigt“, sagt Silvan.