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Chronik | Niederösterreich
06/20/2019

Kinderbetreuung in Wr. Neustadt: 183 Knirpse auf der Warteliste

Der Zuzug birgt Herausforderungen. Weil Betreuungsplätze fehlen, greift die Stadt Familien finanziell unter die Arme.

Die Liste ist lang: Für 183 Zweieinhalbjährige fehlen derzeit in Wiener Neustadt Betreuungsplätze. Ihre Eltern müssen auf private Betreiber ausweichen. Die politisch Verantwortlichen wollen diesen Familien nun mit einer speziellen Förderung helfen.

100 Euro pro Monat soll es für Betroffene geben, teilen Bürgermeister Klaus Schneeberger (ÖVP) und Vizebürgermeister Christian Stocker (ÖVP) mit. Sofern der Gemeinderat am 14. Juni zustimmt.

Starker Zuzug

Hintergrund für den Betreuungsplatz-Engpass ist der starke Zuzug. Die Stadt wächst pro Jahr um 500 Personen. 2.425 Kinder im Alter bis vier Jahre lebten mit Stichtag 1. Jänner in Wiener Neustadt.

Aktuell gibt es 17 Kindergärten mit 65 Gruppen sowie eine eingruppige Tagesbetreuungseinrichtung. Schon bald sollen vier weitere Projekte Platz für 120 Kinder schaffen. Laut der Stadt ist es nicht ausgeschlossen, dass es weitere Betreuungsplätze braucht.

Zahlreiche Anmeldungen

Die Situation ist mit den Anmeldungen für das Kindergartenjahr 2019/20 virulent geworden. 555 Zweieinhalbjährige wurden von ihren Eltern in den Kindergärten angemeldet. Von diesen konnten 140 kein Platz angeboten werden.

Einen Anspruch auf einen Kindergartenplatz gibt es in Niederösterreich erst ab einem Alter von drei Jahren. Zudem erfolgten schließlich 39 Nachmeldungen und vier Zuzüge, womit die Warteliste auf 183 Kinder anwuchs.

Privat kostet

Die Eltern dieser Kleinen stehen nun vor der Wahl, sich privat zu organisieren oder auf private Träger auszuweichen. Diese kosten jedoch rund 300 Euro pro Monat – ohne Essen.

Mit der Förderung in der Höhe von 100 Euro soll ein Teil der Kosten abgegolten werden. Das Geld soll solange ausbezahlt werden bis das Kind einen Platz in einem Landeskindergarten oder einer Einrichtung der Stadt erhält. 70.000 Euro werden für die Förderungen aus dem Budget 2019 bereitgestellt.

„Herausforderungen“

„Das Wachstum der Stadt und der Zuzug neuer Bürgerinnen und Bürger stellen uns vor immer neue Herausforderungen – so auch im Bereich der Kinderbetreuung“, sagt Stadtchef Schneeberger.

„Um die Zeit bis zur Errichtung neuer Einrichtungen zu überbrücken, haben wir uns nun zu diesem Schritt entschlossen, der die jungen Familien entlasten und unterstützen soll.“ Das sei auch ein wichtiger Beitrag zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie – vor allem für Alleinerziehende.

Auch Vize Stocker betont, dass ein fehlender Kindergartenplatz Eltern vor große Probleme stelle.

Auf private Einrichtung zurückzugreifen, könnten sich viele Familien aufgrund ihrer finanziellen Situation nicht so einfach leisten. „Zum Glück haben wir unsere Stadtfinanzen so weit in Ordnung gebracht, dass wir mittlerweile derartige Schritte setzen können.“

Auch das Land investiert

Nicht nur Wiener Neustadt, auch das Land baut seine Kinderbetreuungsplätze aus. Im Herbst werden niederösterreichweit 50 Kindergartengruppen sowie 40 Krippen eröffnet. Derzeit gibt es in 1058 Landeskindergärten rund 3000 Gruppen.