Chronik | Niederösterreich
05.12.2011

Hoch-Genuss

Dinner in the Sky: Bis Sonntag speisen in der Wiener Krieau 462 Menschen an einem drei Tonnen schweren Tisch in 50 Meter Höhe.

Manfred Roth, der Mann im blauen Overall, lehnt an der Haupttribüne des Wiener Trabrennvereins und beobachtet das geschäftige Treiben. "Also ich wundere mich über diese Einfälle. Das ist gerade so, als ob unsere Gesellschaft immer mehr verblöden tät'. Normal kann das nimmer sein." Sagt's, steigt in sein fünf Tonnen schweres Arbeitsgerät und zieht an 16 Stahlseilen die nächste Partie in die Luft. Freitag Nachmittag lässt sich Roth, der seit 1969 dem Beruf des Kranführers nachgeht, ablösen. "Wir haben um ein Uhr nachts mit dem Aufbau begonnen. Den ganzen Tag drück' ich das nicht durch."

Den ganzen Tag würden das die Gäste wohl auch nicht durchdrücken, in 50 Metern Höhe zu tafeln. WC gibt's nämlich keines bei "Dinner in the Sky". Deshalb werden bis einschließlich Sonntag täglich sieben Partien á 22 Personen für eine Stunde in die Sicherheitssitze geschnallt.

Die 462 Plätze am Tisch, der drei Tonnen wiegt, waren flugs ausgebucht, weiß Martina Peeters von der Agentur Mydays. Also, warum dann nur drei Tage? "Wir veranstalten Dinner in the Sky deshalb so selten, damit das Außergewöhnliche daran erhalten bleibt." Selten heißt: In fünf deutschen Städten und jetzt zum ersten Mal in Wien, wo das zweigängige Menü von CCB-Catering kredenzt wird: Geschmorte Rindswangerl mit Eierschwammerl, Rosmarinpolenta mit Taleggio und Dreierlei von der Wiesener Erdbeere - Strudel, mariniertes Ragout mit grünem Pfeffer und Panna Cotta. Mit antialkoholischen Getränken darf man sich gratis Mut antrinken. Kostenpunkt für das Spektakel: 99 Euro/Person.

Ursprünglich hätte Kranführer Roth seiner Arbeit an der Ringstraße nachgehen sollen. Unmöglich - statische Probleme, heißt es. Offiziell. Also wichen die Veranstalter in die Krieau aus. "Wir sind froh darüber", sagt Michael Brok, der sich um das Catering im Trabrennverein kümmert, "wir wollen das verstaubte Image ablegen und an rennfreien Tagen Event-Location sein."

Im Grunde ist der Ausflug mit Reiseleiter Roth wie Busfahren. So lang man nicht nach unten schaut und den um 360 Grad drehbaren Sitz schleunigst wieder dem Teller zuwendet, den man nicht aus den Augen lassen sollte. Einem jungen Mann wird schlecht. Binnen 40 Sekunden steht er auf dem Boden. Und rauf geht's. Wie schön der Prater doch ist! Und Wien!

"Wir erfüllen Menschen Träume, von denen sie nicht wussten, dass sie sie haben", sagt Martina Peeters. Wie Dinner in the Sky. Oder ein Flug in die Schwerelosigkeit auf etwa 105.000 Meter Höhe - mit dem Rocketplane XP.
Haben Sie 210.000 Euro auf der hohen Kante?