Chronik | Niederösterreich
26.04.2018

Heimskandal wird zu einem Finanzkrimi

Horrende Rechnung der Sonderkommission sorgt bei Regierungsmitgliedern für Rätselraten. 38.000 Euro für 20 Anrufe.

Der Alleingang von Niederösterreichs SPÖ-Chef Franz Schnabl bei der Schließung von drei Kinder- und Jugendheimen könnte sich für die Partei zum Boomerang entwickeln.

Ohne davor Beschlüsse einzuholen, hatte Schnabl wegen angeblicher Missstände in den Heimen der Therapeutischen Gemeinschaft (TG) eine Sonderkommission eingesetzt. Nun holen den Parteichef die horrenden Kosten für diese Kommission ein.

Wie vom KURIER berichtet wollte sich Schnabl in der jüngsten Regierungssitzung die Kosten für die Soko mit einem Beschluss der Mandatare legitimieren lassen. Der Versuch scheiterte. Die Gesamtrechnung von 245.000 Euro dürfte bei den Regierungsmitgliedern von ÖVP- und FPÖ für großes Staunen gesorgt haben. Sie wollen genaue Aufklärung und Unterlagen darüber, für welche Leistungen Familienanwältin Simone Metz mehr als 115.000 Euro netto für die Kommissionsleitung in Rechnung gestellt hat. Knapp über 70.000 Euro macht die Gage für die externen Kommissionsmitglieder aus.

Dazu kommen 20.000 Euro an Kosten für die Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft. Für Insider völlig unverständlich, hätte man doch gleich den gesamten Kommissionsbericht der Staatsanwaltschaft übermittelt können und sich 20.000 Euro erspart.

Callcenter

Zu guter Letzt wurde bei einem Callcenter eine Hotline für Betroffene eingerichtet. Etwas mehr als 20 Anrufe sind dort eingegangen. Die Kosten für die Hotline schlagen sich mit mehr als 38.000 Euro zu Buche – fast 1900 Euro pro Telefonat.

Angesichts dieser Zahlen keimt bei den gekündigten Mitarbeitern der geschlossenen TG-Heime großer Ärger auf. „Die Telefonate mit angeblich schwer traumatisierten Kindern haben Callcenter-Mitarbeiter ohne jeglicher psychologischer Schulung durchgeführt“, so die Betreuer. Dem KURIER liegt der Mitschnitt eines solchen Telefonats vor. Der Mitarbeiter an der Hotline arbeitet dabei hörbar einen Katalog an standardisierten Fragen ab.

Die Heime mussten schließlich Konkurs anmelden. Betreiber Hermann Radler wehrt sich mit Einsprüchen gegen die behördliche Schließung der Häuser in Ebenfurth, Jaidhof und Sitzendorf.

Was den fehlenden Regierungsbeschluss betrifft, sollen die geforderten Unterlagen nun nachgereicht werden. Eventuell wird mit der Kommission noch über einen Rabatt verhandelt. Bis 170.000 Euro darf Schnabl als Ressortverantwortlicher alleine entscheiden.