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Chronik Niederösterreich
09/28/2012

Giftmorde: Justiz wird aktiv

Nach dem KURIER-Bericht über einen dritten Todesfall werden mit Verspätung Zeugen befragt und Akten überprüft.

Nach der KURIER-Berichterstattung über einen dritten mysteriösen Todesfall kommt nun endlich Bewegung in den Giftkrimi um die polnische Pflegerin Bogumila W., die zwei Pensionisten mit Arsen ermordet haben soll.

Hatte die Staatsanwaltschaft Krems am Donnerstag noch jeglichen Handlungsbedarf verneint, kam am Freitag die Kehrtwende: Vom KURIER-Bericht aufgescheucht, lässt man mit monatelanger Verspätung die Krankengeschichte einer von Bogumila W. gepflegten Frau von einem Gerichtsmediziner überprüfen. Immerhin war die in Maria Enzersdorf lebende 87-Jährige vor ihrem Tod mit blutigem Durchfall ins Krankenhaus eingeliefert worden, ein Symptom für Arsen-Vergiftung. Sollte aus der Krankenakte nicht zweifelsfrei eine natürliche Todesursache ableitbar sein, steht die dritte Exhumierung bevor.

Weder die seit März in U-Haft sitzende und leugnende 51-jährige Pflegerin, noch die Verwandten der 2006 ver­storbenen Frau M. sind bisher eingehend befragt worden. Bogumila W. hatte lediglich erzählt, dass M. ihre erste Pflegeperson gewesen sei und sie die alte Dame drei Monate betreut habe. Für 800 Euro im Monat zuzüglich Kost und Logis.

Schmuck fehlt

Wie der KURIER in Erfahrung bringen konnte, soll nach dem Tod von M. aus deren Haus Schmuck verschwunden sein. Die Staatsanwaltschaft Krems ging bisher davon aus, dass Bogumila W. nicht vom Tod der 87-Jährigen profitiert habe. "Sie können nicht bei jedem, zu dem die Frau Kontakt gehabt hat, davon ausgehen, dass sie einen Mord gemacht hat", erklärte Behördensprecher Franz Hütter gegenüber der APA. Am Freitag wurden die Verwandten von M. nun doch von der Polizei befragt.

Auch bei den anderen beiden Todesfällen aus den Jahren 2010 und 2011, dem 68-jährigen Wiener Herbert Ableidinger und dem 62-jährigen Niederösterreicher Alois F., war die Kremser Justiz erst unter medialem Druck aktiv geworden. Gerichts­mediziner Christian Reiter hatte nach den Exhumierungen in beiden Fällen hohe Arsen-Dosen nachweisen können. Wobei er feststellte, dass man Ableidingers Tod hätte verhindern können, wäre die Vergiftung während eines Spitals­aufenthaltes des Mannes erkannt worden. Sein Krankheitsbild lasse sich zwanglos mit einer chro­nischen Arsenvergiftung in Einklang bringen. Auch Alois F. muss monatelang mit Arsen vergiftet worden sein.

Mit diesem Wissen aus­gestattet, hätte es für die Ermittlungsbehörde eigentlich zwingend sein müssen, auch andere Todesfälle im Umfeld von Bogumila W. längst zu untersuchen. Zwischen 2006, dem Tod der Frau in Maria Enzersdorf, und 2010, jenem von Ableidinger, hatte die Pflegerin mindestens eine wei­tere Person betreut. Sie selbst spricht von einer Frau in der Johnstraße in Wien, die sie gepflegt habe. Ob diese noch lebt, ist unbekannt.

Der 28-jährige Sohn der Polin hat sie ihren eigenen Angaben nach mehrmals in Österreich besucht und die Pflegepersonen auch mit Nahrungsmitteln aus Polen versorgt. Bisher wurde er aber ausschließlich zum Verbleib des Vermögens der Verstorbenen befragt.

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