Chronik | Niederösterreich
28.03.2018

Gemeinde verliert zwei Mediziner

Trotz einjähriger Suche gibt es keine Kandidaten für Arztstelle in Hohenau

„Ab 1. April haben wir keine ärztliche Versorgung mehr im Ort“, poltert Robert Freitag. Für den Bürgermeister von Hohenau/March (2700 Einwohner) , Bezirk Gänserndorf, ist das Worst-Case-Szenario eingetreten. Trotz einjähriger Suche konnten keine Nachfolger für zwei Kassenstellen gefunden werden. Das Hausärzte-Ehepaar Elisabeth und Josef Straka geht nach knapp 40 Jahren in Pension. Seit einem Jahr hätte man sich um Ärzte bemüht, sagt Freitag. Er schaltete Inserate im In- und Ausland, bat Bekannte, sich umzuhören. Er sagte Unterstützung bei der Schaffung von Ordinations-Räumlichkeiten und Wohnraum zu. Vergebens. „Die Rahmenbedingungen passen nicht“, sagt Freitag. „Es ist ein strukturelles Problem. Der Landarzt ist zu lange nicht honoriert worden.“

Ähnlich sieht das Ärztin Elisabeth Straka. Die Politik müsse sich etwas einfallen lassen. „Solche Situationen sind in Zukunft öfter zu erwarten“ Es sei eine große Verantwortung, Bürokratie und Auflagen würden immer mehr. Dennoch glaubt sie, dass Hohenau einem Arzt mit Interesse an Sport und Natur viel bieten kann. Die vom Land propagierte „Landarzt-Garantie“ sehen beide skeptisch. „Wer wartet die Geräte, wer bezahlt die Angestellten?“, fragt sich die Ärztin. Freitag glaubt, dass es auch an den Spitälern zu wenig Mediziner gibt. Im Spital Mistelbach etwa sei keiner abkömmlich. Immerhin: Laut Straka würde schon ein neuer Arzt reichen. Gemeinsam mit ihrem Mann hatte sie im Quartal knapp 1400 GKK-Patienten versorgt.

Wie Hohenau/March geht es Großweikersdorf, Bezirk Tulln, und Spitz/Donau. Freitag drängt auf andere Rahmenbedingungen, sonst verschärfe sich das Problem. Nicht nur, dass in seinem Arztsprengel nun 50 Prozent der Ärzte fehlen, gehe in drei Jahren bereits der nächste Mediziner in Pension.