Chronik | Niederösterreich
05.12.2011

Flughafen-Gutachten verärgert Anrainer

Lärmgeplagte Bürger finden kein gutes Haar am Umwelt-Verträglichkeits-Gutachten für die dritte Flughafen-Piste.

Mit allen Teilgutachten umfasst das Konvolut schlanke 2300 Seiten. Am Umweltverträglichkeitsgutachten für die umstrittene dritte Piste des Flughafens Schwechat waren 36 Sachverständige aus dem In- und Ausland beteiligt. Sie kommen zum Ergebnis: Das Bauvorhaben ist umwelttauglich - vorausgesetzt, eine Reihe von Auflagen (Abwasserentsorgung, Luftgüte) werden eingehalten.

Noch bis 25. August liegt das Gutachten zur Einsichtnahme auf. Danach können die Verfahrensbeteiligten (z. B. Anrainer) in einer mündlichen Verhandlung Stellung beziehen.
Doch schon im Vorfeld üben Vertreter von Bürgerinitiativen massive Kritik am Gutachten: "Die für die Auflage der Gutachten gewählte Ferienzeit ist sicher kein Zufall", sagt die Rechtsvertreterin der Bürgerinitiative (BI) gegen Fluglärm Wien West, Susanne Heger. "Einwendungen zum Schutz der Umwelt und der Gesundheit der Bevölkerung sind wohl unerwünscht." Johannes Scheuringer von der nö. Umweltbehörde weist das zurück: "Die Frist ist um zwei Wochen länger als die gesetzlich vorgeschriebene Mindestfrist. In acht Wochen kann sich wohl jeder mit dem Gutachten befassen."

Hegers Vorwürfe gehen aber noch weiter: Das Genehmigungsverfahren baue auf bisherige Bewilligungen für die Ausbauten am Flughafen - etwa für den Skylink - auf, die illegalerweise ohne Umweltverträglichkeitsprüfung abgewickelt wurden. "Das EU-Vertragsverletzungsverfahren dazu ist noch nicht ausgestanden, und bei der Staatsanwaltschaft Wien laufen in diesem Zusammenhang strafrechtliche Untersuchungen wegen Amtsmissbrauchs."

Auch dies ist für Scheuringer kein Argument: "Die Bewilligungen sind rechtskräftig." Seitens des Flughafens Wien betont man ebenfalls, sämtliche Ausbaumaßnahmen gesetzeskonform durchgeführt zu haben.

Schwachstellen

Auch Johann Hinteregger von der BI Laaerberg ortet im Gutachten etliche Schwachstellen. "Bei der Lärmberechnung ist die Situation bei uns am Laaerberg nicht ausreichend berücksichtigt worden."

Dabei soll laut Gutachten zumindest für Wien die dritte Piste eine Entlastung hinsichtlich Fluglärm bringen, vor allem wenn es verstärkt zu sogenannten gekurvten Anflügen kommt. "Uns in Schwechat bringt das allerdings nichts. Das Problem wird nur verlagert", sagt Brigitte Krenn von der Plattform gegen eine dritte Piste. Sie erwartet eine deutliche Verschärfung: "Derzeit sind pro Stunde maximal 72 Starts und Landungen möglich, mit der dritten Piste werden es 104 sein."

Wichtig wäre es daher, eine Deckelung der Flugbewegungen festzulegen. Und auch der zu erwartende Anstieg der Straßenverkehrsbelastung sei zu wenig berücksichtigt. So dürfte der tägliche Schnitt an Fahrzeugen auf der A 4 von heute 89.000 bis 2025 auf 120.000 anwachsen. Wenn man schon einen Flughafen habe, solle man sich überlegen, wie man die Leute dazu bringt, auf Öffis umzusteigen.

Liesing

Unmut herrscht auch in Wien-Liesing: "Die vom Flughafen Wien ursprünglich eingereichten prognostizierten Starts über Liesing wurden, nach der öffentlichen Auflage im Sommer 2008, still und heimlich auf das Dreifache erhöht, ohne die betroffenen Gebiete zu informieren", sagt ein Sprecher der dortigen BI.

Die eingereichte dritte Piste, parallel zur bestehenden Piste 11/29, bedeute daher eine dramatische Konzentration der Abflugbewegungen über dicht bewohnten Gebieten im südlichen Wien und NÖ. Und weiter: "Es ist absolut inakzeptabel, dass An- und Abflugrouten nicht Bestandteil des UVP-Verfahrens sind, obwohl gerade diese Ursache für zu erwartende Umweltbelastungen sind."

Die Behörden rechnen jedenfalls damit, dass es bis Anfang 2012 einen Bescheid geben könnte.