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Chronik Niederösterreich
12/05/2011

Fall Kührer: "Haben kein Einschussloch"

Drei Monate nach dem Skelettfund steht die Todesursache nicht fest. Die Ermittler arbeiten weiter unter Hochdruck.

Bleibt der mysteriöse Kriminalfall Julia Kührer ewig ein Rätsel? Ein Durchbruch ist selbst drei Monate nach dem Auffinden des Skeletts der vor fünf Jahren verschwundenen 16-Jährigen im Weinviertel, NÖ, noch nicht gelungen. Der Schlüssel zur Klärung der Frage liegt bei der Gerichtsmedizin.

Nach dem Fund am 30. Juni im einem Erdkeller in Dietmannsdorf (Bezirk Hollabrunn) galt der 50-jährige Grundbesitzer Michael K. sofort als dringend tatverdächtig. Er betrieb zum Zeitpunkt von Julias Verschwinden im Juni 2006 eine Videothek nur wenige Meter von deren Elternhaus entfernt. Doch K. wurde schon nach wenigen Tagen wieder freigelassen. Bis heute gibt es nur Indizien aber keine handfesten Beweise, dass der 50-Jährige etwas mit dem Tod des Mädchens zu tun hat. Es ist noch nicht einmal bewiesen, dass Julia Kührer tatsächlich ermordet wurde. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Korneuburg, Karl Schober, bringt es auf den Punkt: "Es ist unendlich schwer, nach so langer Zeit noch die Todesursache festzustellen." Denn am Skelett wurden bisher keine klassischen Hinweise auf eine Bluttat gefunden.

"Wir haben kein Einschussloch oder Ähnliches", präzisiert Schober. Die einzig ersichtliche Verletzung ist ein Schädelbruch und der stammt von einem herabgefallenen Ziegelstein im Erdkeller, als das Mädchen bereits tot war.

Die Hoffnung nicht aufgegeben hat der für die forensische Untersuchung zuständige Gerichtsmediziner Wolfgang Denk. Es ist für ihn nicht der erste Fall, wo nur ein Skelett vorhanden ist. Parallel laufen toxikologische Tests. Immer, wenn der Chemiker ein Ergebnis anliefert, könnte daraus die Notwendigkeit neuer Untersuchungen entstehen. Prognosen über die Dauer der Untersuchung traut sich Denk nicht zu.

Zeugen

Parallel dazu arbeitet die Kriminalpolizei mit Hochdruck weiter. K. hatte behauptet, Julia nur oberflächlich gekannt zu haben. Die Ermittler konnten aber Zeugen finden, die seine Behauptungen infrage stellen. Demnach habe der Verdächtige dem Mädchen wiederholt nachgestellt, wogegen sich dieses aber gewehrt haben soll. Doch das alleine ist für eine Anklage zu wenig. Daher arbeiten die Tatortspezialisten des nö. Landeskriminalamtes mit Hochdruck.

Es wäre nicht das erste Mal, dass ein gefundenes Haar ein wichtiger Puzzlestein in einem Kriminalfall ist. In akribischer Kleinarbeit haben die Kriminalisten auf der Suche nach Kührers Spuren nicht nur das Anwesen in Dietmannsdorf auf den Kopf gestellt, sondern alle drei Fahrzeuge, die der Tatverdächtige vor fünf Jahren fuhr, aufgestöbert und erkennungsdienstlich behandelt. Ein Wagen war bereits in Litauen, ein weiterer in Polen. Aus den Autos wurden Spuren sichergestellt. Allerdings wurde erst ein Bruchteil davon von der Staatsanwaltschaft zur Auswertung freigegeben. "Wir müssen Prioritäten setzen und können nicht alles auf einmal untersuchen lassen", sagt Schober. Bei einem Richtpreis von 250 Euro pro DNA-Abgleich kommen schon die ersten 100 Spuren auf immerhin 25.000 Euro. Und es sind weit mehr Spuren vorhanden.

Wieso die Zurückhaltung der Staatsanwaltschaft? Weil selbst im Wagen aufgefundene DNA-Spuren nicht schlüssig die Mordversion erhärten. Denn laut Zeugenaussagen hat sich der Verdächtige wiederholt angeboten, Jugendliche mit seinem Auto zu Veranstaltungen zu chauffieren. Auch Kührer soll dabei gewesen sein. Ob daher aus den zahllosen DNA-Spuren und Zeugenaussagen eine Mordanklage entstehen kann, steht und fällt daher mit der Frage, ob Gerichtsmediziner Denk die Todesursache nachweisen kann.

Die Lösung des Falles liegt in weiter Ferne. Julias Eltern Brigitte und Anton Kührer warten geduldig, versuchen nach vorne zu schauen. Trotzdem: Sie wollen ihr Kind noch in diesem Jahr beerdigen (zwei Termine wurden bereits kolportiert). Der Abschied soll im engsten Familienkreis stattfinden.

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