Chronik | Niederösterreich
25.06.2018

Erneut Tiere erschossen und vergiftet: Zistersdorf als "Hotspot"

Im Bezirk Gänserdorf. BirdLife und WWF fordern unabhängige Kontrollorgane.

Im Bezirk Gänserndorf sind zuletzt erneut tote Tiere gefunden worden. Eine geschützte Rohrweihe und eine Katze seien erschossen, ein Steinmarder vergiftet worden, berichteten BirdLife und WWF am Montag. Das Gebiet um Zistersdorf stelle nach wie vor einen "Hotspot illegaler Greifvogelverfolgung" dar, teilten die Organisationen in einer Aussendung mit. Sie forderten ein unabhängiges Kontrollorgan.

Mit verbotenem Pestizid vergiftet

Seit Anfang 2016 wurden den Angaben zufolge nachweislich 36 Vögel umgebracht. Ein weiteres Dutzend sei unter mysteriösen Umständen zu Tode gekommen oder spurlos verschwunden. Die meisten Tiere wurden demnach mit dem seit Jahren verbotenen Pestizid Carbofuran vergiftet. "Trotz Anzeigen, Polizeiermittlungen und Aufklärungsarbeit geht das Morden streng geschützter Tiere munter weiter", sagte Matthias Schmidt von BirdLife Österreich. Dabei handle es sich meist um Zufallsfunde, die von aufmerksamen Passanten und engagierten Naturbeobachtern gemeldet werden. "Die Dunkelziffer dürfte um ein Vielfaches höher sein", so Schmidt.

Nachdem Passanten im Februar mehrere Tiere tot entdeckt hatten, liegen nun laut Aussendung die Untersuchungsergebnisse vor. Eine Rohrweihe und eine Hauskatze wurden erschossen, ein Steinmarder starb an Vergiftung.

Vermuten, dass die Täter aus den Reihen der Jägerschaft kommen.

Matthias Schmidt von BirdLife Österreich

Trotz Gesprächen mit Naturschutz- und Jagdbehörden sowie der Politik haben sich laut Schmidt bisher "die gesetzten Schritte leider als wirkungslos erwiesen": "Die lokalen Jagdaufsichtsorgane geben sich zumeist unwissend und die Kooperationsbereitschaft ist oft nur gering. Vielmehr müssen wir - aufgrund unserer Erfahrungen der Vergangenheit - vermuten, dass die Täter aus den Reihen der Jägerschaft kommen."

WWF fordert unabhängige Kontrollen

Das Jagdaufsichtssystem sei in solchen "Problemgebieten oft ungeeignet", wie die Vergangenheit gezeigt habe. "Die Hemmschwelle, Hinweise zu illegal getöteten Greifvögeln zu geben, ist noch sehr hoch", sagte Christina Wolf-Petre vom WWF. "Daher wären unabhängige Kontrollen dringend notwendig, etwa über befugte Naturwacheorgane oder über eine externe übergeordnete Jagdaufsicht." Empfohlen wurde der Einsatz von Giftspürhunden, der in den angrenzenden Nachbarländern etabliert und äußerst erfolgreich sei. "Im Rahmen unseres PannonEagle LIFE Projekts haben wir die Möglichkeit, Giftspürhunde anzufordern und so die polizeilichen Ermittlungen zu unterstützen", sagte Wolf-Petre.

"Egal aus welchen Reihen die Täter kommen, es wird Zeit, ihnen das Handwerk zu legen", forderte der Leiter der NÖ Umweltanwaltschaft, Thomas Hansmann: "Es müssen neue, effektivere Wege beschritten werden, um einen rechtskonformen Zustand herzustellen. Eine externe Jagdaufsicht ist unumgänglich und sollte so bald wie möglich umgesetzt werden."