Chronik | Niederösterreich
25.04.2018

Entminungsdienst sprengt in Allensteig 18 Tonnen Kriegsmaterial

Verteidigungsminister Kunasek beobachtet die Sprengung vom sicheren Bunker aus.

Insgesamt 18 Tonnen Kriegsmaterial werden noch bis Donnerstag vom Entminungsdienst (EMD) des Bundesheeres am Truppenübungsplatz Allentsteig im Waldviertel gesprengt. Sichergestellt wurden die Granaten, Panzerfäuste und Fliegerbomben großteils im Vorjahr in ganz Österreich. Allein seit 1. Jänner wurden 183 Funde von Kriegsrelikten gemeldet.

Am Mittwoch um 13.15 Uhr kurbelte der Sprengmeister in einem Bunker, 540 Meter vom Sprengplatz Riegers entfernt, an der Zündmaschine, baute damit die erforderliche Spannung auf und löste mehrere Detonationen aus. Zuerst wurde eine 500 Kilogramm schwere US-Fliegerbombe mit 220 Kilo TNT aus dem Zweiten Weltkrieg gesprengt, anschließend flogen drei Trichter mit je einer Tonne Handgranaten in die Luft. Journalisten, sprengstoffkundige Polizisten und Verteidigungsminister Mario Kunasek (FPÖ) beobachteten die Detonationen vom sicheren Bunker aus.

 

Zahlreiche Trümmer wurden in die Luft geschleudert und kamen in einem Umkreis von bis zu 1.000 Metern zu liegen. Am Detonationsort blieben bis zu fünf Meter tiefe Löcher, die Druckwelle war noch im Bunker deutlich spürbar. Die freiliegende Bombe wurde "ohne weitere Manipulationen im Originalzustand" gesprengt, erläuterte Wolfgang Korner, Leiter des EMD. Für die drei Tonnen Kriegsrelikte, die vergraben wurden, wurden je 100 Kilogramm Zusatzsprengstoff benötigt, damit "das ordentlich durchzündet". Das Eingraben sorgt für "eine gewisse Schalldämpfung", erklärte Korner.

"Ich bin beeindruckt von der Professionalität der Mitarbeiter des Entminungsdienstes und der Wirkung der Detonationen", sagte Kunasek, der das erste Mal bei einer Sprengung dabei war. Er betonte einmal mehr, dass weiter ins Bundesheer investiert wird, dass man "den positiven Kurs weiter fortsetzten wird".

Bereits seit 1945 wird in Allentsteig Kriegsmaterial vernichtet, die Tiere haben sich laut den Experten mittlerweile daran gewöhnt. So komme es beispielsweise vor, dass schon wenige Minuten nach der Detonation wieder Hasen am Sprengplatz hoppeln, sagte Werner Tobisch, stellvertretender Leiter des EMD. Ungefähr 30 Tonnen werden jährlich vernichtet. Zweimal im Jahr wird in Allentsteig gesprengt - "das ist die sicherste Methode", erläuterte Tobisch.

 

Kriegsrelikte werden häufig bei Bauarbeiten gefunden, doch auch Seen und Flüsse sowie Waldgebiete, Städte und alpines Gelände zählen zu den Einsatzräumen des Entminungsdienstes. Auch kommt es vor, "dass einen Meter neben einem Wanderweg mitten in Wien eine Handgranate gefunden wird", sagte Tobisch. "Es können überall Granaten und Blindgänger auftauchen", betonte der Experte. Seit 1945 existiert der Entminungsdienst (EMD), seit 1. Jänner 2013 gehört er zum Verteidigungsministerium. Seit der Eingliederung wurden 5.555 Funde gemeldet.

Munition, die handhabunsicher ist, wird von den Experten direkt am Fundort vernichtet. 31 Mal musste der Entminungsdienst im Vorjahr Kriegsrelikte an Ort und Stelle sprengen. Munition, die transport-und lagerfähig ist, wird in einem Lager im südlichen Niederösterreich zwischendeponiert, bevor sie in Allentsteig gesprengt wird. 1.067 Fund- und Wahrnehmungsmeldungen gab es allein im Vorjahr, Kriegsmaterial im Gesamtgewicht von 30 Tonnen wurde vernichtet. Die Bergung von aufgefundenen Kriegsrelikten erfolgt kostenlos.

Wie viel Kriegsmaterial noch in Österreich vorhanden ist, "lässt sich nicht seriös sagen", meinte Tobisch. Ein Ende des Einsatzes des Entminungsdienstes sei jedenfalls nicht absehbar, sagte Korner. Er sei jedenfalls immer "glücklich, wenn es vorbei, die Sprengung ohne Probleme erfolgt ist".