Chronik | Niederösterreich
05.12.2011

Einjähriges Mädchen von Rottweiler getötet

Furchtbarer Zwischenfall: Der siebenjährige Hund der Familie fiel die kleine Tochter Hannah an.

Es ist eine menschliche Tragödie, kaum in Worte zu fassen. Lange Zeit versuchte das junge Ehepaar, sein Familienglück mit einem Kind perfekt zu machen. Am 25. Oktober 2008 ging der Traum in Erfüllung: Tochter Hannah erblickte im Landesklinikum Horn das Licht der Welt. 19 Tage nach ihrem ersten Geburtstag hörte das Herz des Mädchens ebendort zu schlagen auf. Hannah starb Freitagvormittag im Schockraum des Spitals, nachdem sie vom familieneigenen Hund attackiert und massiv verletzt worden war.

Nach dem Dienst

Es war gegen 8 Uhr in der Früh, als Hannahs 38-jähriger Vater seinen Polizeidienst beendet hatte. Wie immer machte sich der erfahrene Diensthundeführer auf den Weg nach Hause. Doch dieser Morgen endete im Vorraum des hübschen Einfamilienhauses in Staningersdorf im Bezirk Horn in einem Drama: Als der junge Vater die Haustür öffnete, kam ihm seine kleine Tochter mit wackeligen Babyschritten an der Hand der 58-jährigen Oma entgegen. Auch der sieben Jahre alte Rottweiler "Odin" wollte das Herrchen begrüßen. Ein fatales Zusammentreffen: Der Hund soll ohne Vorwarnung auf die Einjährige losgegangen sein und sich in ihren Körper verbissen haben.

Warum, ist völlig unklar. "Vielleicht ein Ausbruch von Eifersucht auf das ,neue' Familienmitglied?", spekuliert ein Nachbar. Experten des Landeskriminalamtes Niederösterreich versuchen zu rekonstruieren, was sich genau abgespielt hat.
Fix ist nur, dass es Hannahs Vater irgendwann gelungen ist, das Tier von seinem Kind loszureißen. Dann ging alles ganz schnell: Er raste mit dem schwer verletzten Mädchen im Auto ins Landesklinikum Horn.
Eine Stunde später war Hannah tot. "Das Kind ist - trotz intensivster Bemühungen und bester medizinischer Betreuung - den schweren Verletzungen erlegen. Die Eltern werden psychologisch betreut", berichtet Paul Bratusch-Marrain, ärztlicher Leiter des Spitals, bestürzt. Der in Krems angeforderte Notarzthubschrauber wurde auf dem Flug nach Horn umdirigiert. "Wir sollten die Patientin ins Wiener AKH
fliegen", sagt Rettungspilot Paul Brunner. Doch dazu sollte es nicht mehr kommen.

Schock in Ortschaft

"Ich versteh' das nicht, ich kannte den Rottweiler, hab' oft mit ihm gespielt. Er war nie aggressiv", erzählt ein Bekannter der Familie. "Die jungen Leute sind unheimlich nett, freundlich und oft mit dem Hund spazieren gegangen. Wir sind am Boden zerstört", sagt eine schockierte Nachbarin.

Marion Macek kennt die Familie. Sie ringt mit der Fassung: "Ich find' keine Worte. Wir haben selber einen Hund. Man kann aber in kein Tier hineinschauen." Hermann Göth wiederum, Vatereiner zehnjährigen Tochter, hatte Angst vor dem Rottweiler: "Hin und wieder soll er sogar Hendln gerissen haben." "Odin" ist nach dem Drama noch am Leben. Über sein Schicksal kann lediglich sein Besitzer entscheiden. Ein von Kollegen als "äußerst zuverlässig" und "exzellenter Hundeführer"beschriebener Polizeibeamter, der vor wenigen Wochen seinen krebskranken Diensthund einschläfern lassen musste. Gestern verlor er sein Kind.