Eingeschenkt - Wiener Wein

Weinprämierung - KURIER-Weinexperte Ernst Bieber schildert hier seine Eindrücke von der Finalverkostung.


Vom 24. bis 26. Juni können Weinfreunde im Arkadenhof des Wiener Rathauses jeweils zwischen 17 und 24 Uhr die besten Weine der Wiener Winzer genießen. Eine Probe kostet einen Euro, und um 4 Euro können Feinschmecker dazu passende Schmankerl erstehen, die von den drei Starköchen Christian Domschitz, Martina Willmann und Joachim Gradwohl zubereitet werde. 125 der 420 zur heurigen Landesweinkost eingereichten Tropfen wurden mit Gold prämiert, sie alle werden im Arkadenhof präsent sein. Unter ihnen sind auch jene elf Landessieger, die von einer Jury aus den Nominierten in verdeckter Kost ermittelt wurden und bis zum Abend des 23. Juni geheim gehalten werden. Ein KURIER-Weinberichterstatter war bei dieser Finalrunde dabei.

Hier seine Eindrücke

Die rund 20 Tische in einem der noblen Repräsentationssäle des Rathauses sind weiß gedeckt. Auf jedem sind sieben Weingläser, eine gefüllte Wasserkaraffe, ein gläserner Spucknapf und ein Körberl mit Weißbrotschnitten vorbereitet. Wiens Weinbauchef Herbert Schilling begrüßt die Juroren, zwölf sind gekommen, und bedauert, dass keine einzige Weinlady der Einladung gefolgt ist.

Unter uns zwölf "Wein-Aposteln" sind zwei Professoren der Weinbauschule Klosterneuburg, ein Innenstadt-Gastronom, mehrere Weinjournalisten und einige, die sonst wie beruflich mit Wein zu tun haben. Den Vorsitz der Finalrunde führt Klaus Egle, der für die Neulinge unter uns Testern die Regeln erklärt: Gewertet wird nicht, wie bei Weinverkostungen üblich, nach einem Punkteschema, sondern nach der Rangziffer-Methode. Der Wein, der einem Juror am besten mundet, bekommt die Platzziffer 1, der nächst beste die 2, und so weiter. Gleiche Rangziffern dürfen nicht vergeben werden, was oft zu einem Dilemma führt. Denn auch wenn zwei Proben gleich gut scheinen, muss der Juror einem von ihnen eine bessere Note geben, was eigentlich ungerecht ist. Bei Punktewertungen sind gleiche Benotungen hingegen an der Tagesordnung, entscheidend ist der arithmetische Mittelwert aller Jury-Ergebnisse.

Die Weinproben und Favoriten

Elf Weinserien sind angekündigt, gleich die erste hat es in sich: Sieben Grüne Veltliner, alle Jahrgang 2008 und alle sortentypisch pfeffrig-würzig. Im Arkadenhof wird man sich überzeugen können - da hätten einige die Landessieger-Krone verdient.

Beim klassischen Gemischten Satz 2008 sind fünf Finalisten zu bewerten. Ich gebe dem pikanten Wiener Gemischten Satz von Michael Edlmoser aus Mauer den Vorzug und reihe die Probe von Peter Bernreiter (Jedlersdorf) auf den Platz zwei.

Es folgen fünf goldprämierte kräftige Gemischte Sätze. Hier ist die nussige Reserve Ried Obere Schos vom Roten Haus (Grinzing) mein Favorit, gefolgt von dem Riesling-ähnlichen von Richard Zahel (Mauer).

Beim Weißburgunder, der wie immer in Wien allgemein gut geraten ist, platziere ich die Probe von Bernreiter ganz vorne, an zweiter Stelle reihe ich den "Senator" vom Weingut am Cobenzl.

Auch der Chardonnay ist in jedem der fünf Gläser erfreulich animierend, aber der "Classic" von Karl Lentner (Jedlersdorf) bekommt auf meinem Stimmzettel den Spitzenrang, der "Vollmondwein" von Rainer Christ steht ihm kaum nach, aber Platz 2.

Die eingeschenkten fünf Sauvignon blanc sind heute nicht in Hochform, aber das ist bei dieser chamäleon-launigen Sorte nicht außergewöhnlich. An erster Stelle reihe ich den eleganten "Reisberg" von Edlmoser vor den Weinen von Robert Helm (Stammersdorf) und Irene Langes (Bisamberg).

In der Kategorie der "Schmeckerten" sind zwei Muskateller und vier Traminer in die Endrunde gelangt. Platz 1 gehört bei mir dem Bilderbuch-Muskateller von Edlmoser vor dem Gewürztraminer vom Stift Klosterneuburg.

Beim Zweigelt, der meist verbreitete Rotweinsorte Wiens, sind fünf Exemplare im Finale. Note 1 kriegt der runde, zimtige "Hofbreiten 2005" vom Stadtweingut Cobenzl, Platz 2 geht in meiner Wertung an den 2006-er von Hans-Peter Göbel (Stammersdorf).

Grandios munden die meisten Weine in der Sortengruppe "Rote Cuvées". Bei mir siegt der "beerige", endlos lange "XXI 2006" von Rainer Christ vor dem 2006-er vom Feuerwehr-Wagner (Grinzing).

Und in der Kategorie "Internationale Rotweinsorten" hebe ich den charmanten Cabernet Sauvignon 2006 von Hofer (Mauer) aufs höchste Podest, der würzige Shiraz 2007 von Christ und der elegante, beerenfruchtige Pinot Noir 2006 von Fritz Wieninger (Stammersdorf) sind in meiner Wertung ebenfalls auf dem Stockerl.

Übrigens: Wir Juroren erfuhren erst hinterher, wessen Wein wir bewertet haben. Und wer tatsächlich Landessieger geworden ist, erfahren wir auch erst Dienstagabend.

(kurier) Erstellt am
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