ARCHIV - Ausgewilderte junge Großtrappen erkunden in den Belziger Landschaftswiesen bei Baitz (Brandenburg) ihre neue Heimat (Archivfoto vom 15.07.2003). Die Zahl der Großtrappen hat sich in den vergangenen zehn Jahren in Brandenburg - ihrer nahezu einzigen Heimat in Deutschland - fast verdoppelt. Inzwischen gibt es wieder etwa 110 dieser schwersten flugfähigen Vögel der Welt, so der Präsident des Landesumweltamtes. Nur mit massiver Hilfe von Naturschützern konnten die Großtrappen wieder "aufgepäppelt" werden. Foto: Thomas Schulze dpa/lbn (zu Korr.-Bericht "Die Großtrappen balzen wieder - Population erholt" vom 03.04.2008) +++(c) dpa - Bildfunk+++

© APA/Thomas Schulze

Interview
07/07/2013

„Die Großtrappen haben uns vor dem Schlimmsten bewahrt“

Landwirt Franz Stadler aus Goggendorf hat sich vor mehr als 40 Jahren ganz dem Schutz der Trappen verschrieben. Erstmals zieht er Bilanz, übt aber auch Kritik.

KURIER: Herr Stadler, wie fing damals alles an?

Franz Stadler: Es gab Anfang der 70er-Jahre nur noch wenige Trappen. Ein paar alte Hähne, ein paar Hennen. Zudem drohte der Bau einer Schnellstraße. Die hätte unsere bäuerlichen Existenzen und den Trappen ihren Lebensraum zerstört. Da haben wir uns die Trappen zu unseren Partnern gemacht.

Und wie entwickelte sich diese Partnerschaft?

Ich setzte mich damals mit dem Verhaltensforscher Prof. Otto Koenig in Wien in Verbindung. Der kam aber nicht selbst, sondern schickte mir einen seiner Mitarbeiter, einen Jüngling. Dem zeigte ich unsere Trappen und sagte zu ihm, er solle sie sich gut anschauen, denn sie wird es wegen dem Schnellstraßenprojekt nicht mehr lange geben.

Wie man sieht, wurde die Straße nicht gebaut.

Wir haben Mitstreiter entlang der ganzen Trasse gefunden und so viel Druck gemacht, dass die Straße schließlich aus dem Bundesstraßengesetz rausfiel.

Stimmt es, dass Sie als Trappenschützer persönliche Nachteile in Kauf nehmen mussten?

Meine Kinder wurden in der Schule benachteiligt und bei der Bauernkammer in Hollabrunn blitzte ich mit einem Kreditansuchen ab.

Was waren die nächsten Hürden, die zu nehmen waren?

Unter Landeshauptmann Andreas Maurer sollte quer durchs Schmidatal eine Hochspannungsleitung nach Polen gebaut werden. Das wäre das Ende der Trappen gewesen. Mit Hilfe vom damaligen Naturschutzdirektor Harald Schweiger gelang es uns in mühsamen Verhandlungen mit der Verbundgesellschaft, die Trasse so zu verlegen, dass den Vögeln weniger Gefahr drohte, in die Leitungen zu fliegen.

Die Trappenschutzorganisation, die Sie damals gründeten, existiert heute noch.

Ihr gehören heute einige Hundert Landwirte an, die ihre Felder so bewirtschaften, dass die Trappen sich vermehren können. Die Bauern bekommen dafür auch Geld. Ehrenamtlicher Obmann ist der Landwirt Sepp Mann.

Woher kommt das Geld?

Es kommt von der EU und vom nö. Landesjagdverband. Der frühere Landesjägermeister Christian Konrad und Generalsekretär Peter Lebersorger haben uns beim Schutz der Großtrappen immer großzügig unterstützt.

Und wie ist es aktuell um den Trappenschutz bestellt?

Wir haben jahrzehntelang ehrenamtlich und unauffällig die Trappen geschützt und dadurch erreicht, dass sie trotz vieler Rückschläge mehr wurden. Jetzt ist es leider so, dass ein so genannter Trappenfachmann am Werk ist, der durchaus Leistungen für die Trappen erbringt. Nur er macht das für Geld und vermarktet die Tiere derart aggressiv, dass die Vögel dauernd von Hobbyfotografen gejagt werden – also dauernd auf der Flucht sind. Jetzt ließ er sogar einen Aussichtsturm aufstellen. Das macht die Sache noch schlimmer. Ich fürchte, dass die Trappen das nicht mehr lange aushalten.

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