Chronik | Niederösterreich
20.07.2018

Die Bundesliga hat wieder einen NÖ-Trainer

Karl Daxbacher ist nach dem Aufstieg mit dem FC Wacker der einzige Bundesliga-Trainer aus Niederösterreich.

KURIER: Herr Daxbacher, Sie haben den Aufstieg in die höchste Fußball-Spielklasse Österreichs mit dem LASK, dem SKN St. Pölten und zuletzt mit dem FC Wacker Innsbruck geschafft. Sind solche Meistertitel in der zweiten Liga eigentlich noch etwas Besonderes?

Karl Daxbacher: Natürlich, denn ich bin ja vom Erfolg nicht abgestumpft. Ich freue mich immer noch über diese Titel. Aber es ist auch so, dass die Erwartungshaltung enorm hoch ist. Gerade bei Traditionsvereinen wie dem LASK oder Wacker Innsbruck. Da will man Erfolge sehen und dementsprechend ist auch der Druck da. Wenn man dann den Titel feiert, ist das eine enorme Befreiung.

Heuer steigen Sie aber erstmals in eine Bundesliga mit zwölf Vereinen auf. Auch für Sie also eine neue Situation. Was sagen Sie zum neuen System?

Den Versuch ist es auf jeden Fall wert. Man wird dann sehen, wie diese Teilung der Liga bei den Fans ankommt, aber ich glaube, so bleibt die Liga länger spannend.

Und welche Chancen rechnen Sie sich mit Wacker Innsbruck als Aufsteiger in der neuen Bundesliga aus?

Das ist schwer zu sagen, denn wir sind vom Budget her sehr limitiert und müssen schon schauen, dass der Kader wirklich passt. Aber wir hoffen, dass wir die Euphorie vom Aufstieg mitnehmen können und mit unserem Teamgeist und den Fans im Rücken vielleicht für eine Überraschung sorgen können.

Mit der Rückkehr in die Bundesliga gibt es auch ein Wiedersehen mit ihrem letzten Arbeitgeber vor dem FC Wacker. Der Abgang aus St. Pölten war einer mit vielen Unstimmigkeiten. Fiebern Sie der sportlichen Begegnung mit dem SKN besonders entgegen?

Ich habe eigentlich damals gesagt, dass ich mich nicht weiter zu der Causa St. Pölten äußern werde. Klar ist aber, dass St. Pölten meine Heimat ist und mich dort sehr viele Zuschauer kennen. Allerdings kreisen meine Gedanken nur rund um Wacker Innsbruck und da ist es egal, ob ich es mit der Austria, dem LASK oder eben St. Pölten zu tun habe.

Der SC Wiener Neustadt und auch der SKN St. Pölten haben die Bundesliga und Fußball-Fans in den letzten Wochen auf Trab gehalten. Erst am vergangenen Montag ist schlussendlich die Entscheidung gefallen, dass Wiener Neustadt nicht aufsteigen darf und die Liga somit bei zwölf Teams bleibt. Hat Sie und Ihre Mannschaft das irgendwie beeinflusst?

Nein, denn mit uns hatte das zum Glück ja nichts zu tun. Unsere Vorbereitung hat das gar nicht gestört und das ist auch gut so. Aber für die beiden betroffenen Mannschaften ist es gut, dass endlich Klarheit herrscht. Das war sicher keine angenehme Situation für sie und durch die Entscheidung tun sich beide Teams jetzt bestimmt leichter.

Es gibt immer wieder Kritiker, die ihre Trainingsmethoden als antiquiert betiteln. Jetzt haben Sie zum dritten Mal den Aufstieg mit einer Mannschaft in die Bundesliga geschafft. Ist das für Sie eine gewisse Selbstbestätigung?

Ich bin überzeugt vom ganzheitlichen Fußball. Das bedeutet, dass wir viel mit dem Ball trainieren und nicht einfach nur stupide Runden laufen. Ich habe meine Vorstellungen und die haben in den letzten Jahren doch einige gute Kicker hervorgebracht. Ich denke da an Spieler wie Aleksandar Dragovic, Julian Baumgartlinger oder Zlatko Junuzovic.

Am kommenden Freitag werden Sie ihr erstes Bundesliga-Spiel als Wacker-Trainer in Angriff nehmen. Just gegen ihren Herzensverein, die Wiener Austria. Wird das ein besonderes Spiel?

Bei der Austria habe ich mein Leben als Profi-Fußballer verbracht. Da ist die Verbundenheit natürlich groß. Das ist rückblickend mein Klub. Ich freue mich auf das neue Stadion und die Atmosphäre. Der Reiz gegen die Austria zu spielen ist also enorm groß. Aber eines ist für mich auch klar: Für 90 Minuten zählt da für mich nur Wacker Innsbruck und sonst keine Mannschaft.

Von Statzendorf zur Wiener Austria

Karl Daxbacher wurde 1953 in St. Pölten geboren. Seine ersten Spuren im Fußball hinterließ er beim ASV Statzendorf im Bezirk St. Pölten-Land. Damals kickte Daxbacher  in der 1. Klasse West-Mitte und wurde 1969  Meister mit seinem Team.  Es folgte der Aufstieg in die Unterliga West-Waldviertel.

1970 wechselte Daxbacher zum SC Krems in die Regionalliga Ost. Dort blieb er jedoch nur eine Saison, ehe er im zarten Alter von 18 Jahren zur Wiener Austria wechselte.
14 Jahre lang kickte der Niederösterreicher im violetten Dress. Dabei kam der heute 65-Jährige auf 345 Bundesliga-Spiele. Dabei erzielte er 37 Treffer für die Violetten. „Rückblickend betrachtet muss man sagen, dass die Austria wirklich mein Verein war und wohl auch immer bleiben wird“, beschreibt Daxbacher seine Beziehung zur Austria.

Der St. Pöltner blieb Zeit seiner Profi-Karriere immer in Österreich. Nach der Zeit bei der Austria ging es zurück zum SC Krems, wo er noch ein Jahr als Spieler aktiv war.  1988 übernahm er dort  sein erstes Traineramt. Es folgten Horn, Würmla und  2000 erstmals der SKN St. Pölten. Über die Austria Amateure ging es zu seinem ersten Highlight als Trainer. Mit dem LASK schaffte der UEFA-Pro-Lizenz-Trainer 2007 den Aufstieg in die Bundesliga.

Danach landete er aber wieder bei der Austria und wurde  mit den Violetten 2009 österreichischer Cup-Sieger. Nach 176 Spielen für die Wiener ging Daxbacher zum SKN, um dort 2016 ebenfalls den Aufstieg zu schaffen. Nach einem unrühmlichen Abgang heuerte der Niederösterreicher beim FC Wacker Innsbruck an. In der abgelaufenen Saison feierte er dort erneut den Aufstieg in die Bundesliga.