Christian Tschidas Himmel auf Erden

Frivoles Etikett von Alfred Hrdlicka charakterisiert seinen neuen Wein hervorragend: Sinnlich, ausgelassen und lebenslustig.


Stur verfolgt Christian Tschida aus Illmitz im burgenländischen Seewinkel seinen unkonventionellen Weg der Weinbereitung. Konsequenter Purismus im Weingarten und im Keller ist sein Credo und die Weinqualität ist mehr als bemerkenswert. Tschida will nur echte Charakterweine machen, eine durchschnittliche Klassik-Linie interessiert ihm nicht. Auf schnellen wirtschaftlichen Erfolg ausgerichtete Kollegen würden bei seinem Arbeitsstil ziemlich nervös werden. Der Aufwand und das Risiko sind enorm. Wenn die Qualität der Trauben nicht passt, dann macht er lieber gar keinen Wein und verkauft das Rohmaterial. Sämtliche Weine werden mit wilden Hefen aus den Weingärten spontan vergoren und bekommen dann viel Zeit. Die Gärung dauert oft bis zwei Jahre, dann werden die Weine unfiltriert in Flaschen gefüllt.

Tief verwurzelt

Christian Tschida schwört auf seine Rebanlagen aus dem Pflanzjahr 1972. Durch das Alter der Reben und die tiefe Verwurzelung kann er auf künstliche Bewässerung verzichten und die Pflanzen saugen viel individuellen Bodencharakter auf. Obwohl die Trauben durch ausgeklügelte Ausdünnung und Geduld enorm hohe Reifegrade erzielen, achtet Tschida darauf, dass die Weine nicht zu alkoholstark werden. Es ist die höchste Kunst, derart subtile Weine mit mächtigem Körper zu erschaffen, ohne dass der Alkoholgehalt 12,5 Prozent überschreitet.

Irdisches Paradies

Die neueste Kreation des Winzers heißt "Himmel auf Erden" und ist eine lebenslustige Cuvée aus Weißburgunder, Muskat Ottonell und Traminer. Perfekt zu diesem Wein passt das Etikett mit einer frivolen Radierung von Alfred Hrdlicka - auch eine Interpretation vom Himmel auf Erden (siehe großes Foto oben). Der Wein selbst bietet eine enorme Bandbreite und wird Einsteigern genauso gefallen wie anspruchsvollen Weinfreunden. Die Aromenvielfalt reicht von Rosenblüten, Mandarine, Muskatnuss über Weingartenpfirsiche bis zu Zitrusfrüchten. Am Gaumen schöner Schmelz, fast schon cremig mit Noten von Trockenfrüchten und reifen Nektarinen. Sehr reif, aber auch nicht mehr als 12,5 Prozent Alkohol. Ein schwer zuordenbarer Wein, was durchaus positiv zu werten ist. 15 Euro ab Hof.

Zweigelt pur

Ein Klassiker des Hauses ist der "Tschida Illmitz". Zweigelt in Reinkultur, viel Frucht, viel Gehalt und Tiefe beim 2006er. Aromen nach Weichsel, schwarzer Johannisbeere und etwas balsamischen Nuancen. Am Gaumen klar strukturiert, fruchtig, maskuline Würze. Ein perfekt gemachter, sortentypischer Zweigelt, der viel Freude macht, aber nicht gerade billig ist: 30 Euro ab Hof.

(kurier) Erstellt am
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