Chronik | Niederösterreich
13.07.2018

Bezirk Tulln: Prozess um tödlichen Stoß in einem Lokal

Der Angeklagte bekennt sich nicht schuldig, die Hauptzeugin verwickelt sich in Widersprüche.

Der eine will fünf Minuten lang die Schnapskarten gemischt haben, als es passierte, und kann deshalb zur Wahrheitsfindung nicht viel beitragen. Der andere war gerade auf dem Weg zur Tür und wollte gehen, und die Hauptzeugin, die Stieftochter des Angeklagten, verwickelt sich bei der Befragung durch den Richter in massive Widersprüche.

Der Prozess um einen Streit mit Todesfolge in einem Lokal im Bezirk Tulln zeichnet am ersten Prozesstag ein unklares Bild. Fakt ist, dass es am 3. Jänner in dem Bistro zu einem Streit kam. Der Pächter, der mit Freunden Karten gespielt und getrunken hatte, war von seiner Stieftochter aufgefordert worden, endlich Sperrstunde zu machen. Es entwickelte sich daraufhin eine hitzige Diskussion zwischen den beiden, bis der 44-Jährige sogar handgreiflich wurde und die Frau am Kragen packte. Daraufhin wollte ein 63-jähriger Freund des Angeklagten den Streit schlichten. Dabei stürzte das Opfer zu Boden und zog sich schwere Kopfverletzungen zu. Drei Wochen später starb der 63-Jährige im Krankenhaus.

Zweifel

Bei der Einvernahme durch die Polizei behauptet die Stieftochter noch, dass der 44-Jährige dem Mann einen „zielgerichteten Stoß“ versetzt habe, vor Gericht war davon allerdings nichts mehr zu hören. Ihr Stiefvater habe mit der linken Hand ausgeholt und dabei den Streitschlichter erwischt. Deshalb sei dieser zu Sturz gekommen. Der Angeklagte, dessen Verteidiger einen Freispruch im Zweifel fordert, betonte sogar, dass es nicht einmal zu einer Berührung gekommen sei. Der Richter will nun die Polizisten befragen, die damals die Einvernahme der Frau durchführten. Der Prozess wird deshalb im September fortgesetzt.