Chronik | Niederösterreich
01.07.2018

Bauerntag mit Kampfansage Richtung Brüssel und an den Wolf

Geplante Kürzung des EU-Agrarbudgets als Aufreger. Deutsche Überlegungen zum Wolfsabschuss als mögliches Vorbild.

Der traditionelle Bauerntag, selbstbewusstes Lebenszeichen des nö. Bauernbunds im Rahmen der Wieselburger Messe, fand heuer zur gewohnten verbalen Feuerkraft zurück. Im Vorjahr war die große Festhalle am Messegelände für die Polit-Prominenz eher Zwischenstation, drängte doch die ÖVP-Spitze Richtung Bundesparteitag nach Linz, bei dem Sebastian Kurz zum Parteichef gewählt wurde.

Ganz anders heuer: Die Akteure auf der Bühne nahmen sich Zeit – für die rund 1500 Gäste und für kämpferische Ansagen. Angesichts der landwirtschaftlichen Krisen und Auswirkungen des Klimawandels durch massiven Borkenkäferbefall und enorme Trockenheit beschworen Bauernbundobmann Hermann Schultes und Direktorin Klaudia Tanner das Miteinander: „In Zeiten wie diesen heißt es einmal mehr, zusammenstehen und zusammenhalten für unsere rund 40.000 bäuerlichen Familienbetriebe in Niederösterreich. Wir fordern eine aktive Partnerschaft mit Handel und Konsumenten ein.“ Vor allem die verpflichtende Herkunftsbezeichnung für Lebensmittel in Großküchen, Mensen und Kantinen ist Schultes ein Anliegen: „Wenn das Essen in Österreich und herkunftsbewusst eingekauft wird, kostet das vielleicht mehr, zeigt aber den Respekt für die Arbeit unserer Bauern“, so Schultes. Applaus auch von Bauernbundpräsident Georg Strasser und Landwirtschaftskammer-Boss Josef Moosbrugger.

Für Landeshauptfraustellvertreter Stephan Pernkopf dürften am Samstag die PS-Zahlen der auf der Messe ausgestellten Traktoren Vorbild gewesen sein. Der gebürtige Wieselburger legte dementsprechend los: „Wir stehen zu 100 Prozent hinter unseren Bauern. Auch wenn jetzt eine Front in Brüssel aufgemacht wurde. Das EU-Budget wächst um 18 Prozent, aber das Agrarbudget soll gekürzt werden. Das kann nicht sein, dagegen kämpfen wir in den nächsten Monaten“, so Pernkopf.

Wenn uns Experten sagen, dass sie nicht zu hundert Prozent ausschließen können, dass der Wolf in Siedlungen hineingeht, dann müssen wir unsere Verantwortung als Politiker zu hundert Prozent wahrnehmen.

Stephan Pernkopf | über die Gefahr durch den Wolf im Waldviertel

Der für Umweltfragen zuständige Politiker hat derzeit auch mit dem im Waldviertel eingewanderten Wolfsrudel zu kämpfen. Allzu lange will er offenbar nicht mehr zuschauen und erwägt Konsequenzen bis hin zum Abschuss: „Die deutsche Landwirtschaftsministerin spricht im Zusammenhang mit dem Wolf bereits davon, dass es Entnahmen geben muss. Dann muss es auch bei uns soweit sein“, so Pernkopf „Wir lassen uns hier nicht eine Gesundheitsregion zerstören. Wenn uns Experten sagen, dass sie nicht zu hundert Prozent ausschließen können, dass der Wolf in Siedlungen hineingeht, dann müssen wir unsere Verantwortung als Politiker zu hundert Prozent wahrnehmen.“

Mit der Frau Vassilakou bau’ ich keine Brücke, die stellt uns ja gerade eine Mauer auf. Die Maut kann sie sich in die Haare schmieren.

Ludwig Schleritzko | über Wiener City-Maut-Pläne

Finanz- und Verkehrslandesrat Ludwig Schleritzko sparte ebenfalls nicht mit Schärfe. Im Hinblick auf die Vernetzung von Wirtschaftsräumen sei die geplante Europaspange, die Ost-West-Autobahn durchs Waldviertel, wichtig. „Wir bauen mit Oberösterreich Brücken“, so Schleritzko. In Richtung der City-Maut-Pläne der Wiener Vizebürgermeisterin ätzte er: „Mit der Frau Vassilakou bau’ ich keine Brücke, die stellt uns ja gerade eine Mauer auf. Die Maut kann sie sich in die Haare schmieren.“