Arzt baut Haus aus alten Grabsteinen

Seit drei Jahrzehnten arbeitet ein Wiener in seiner Freizeit an seinem Lebenswerk, einem Gebäude aus Marmor und Stein.

Säulen aus feinstem Carrara-Marmor, die Wände aus alten Grabsteinen, an der Front zwei Herkules-Statuen. Willkommen im alten Griechenland oder dem St. Marxer Friedhof. Nicht ganz. Das Haus steht mitten im Siedlungsgebiet von Korneuburg und ist das Reich von Rudolf Pusch, einem Kinderarzt aus Wien. Seit nunmehr 30 Jahren arbeitet, vielmehr schuftet der Doktor an der Realisierung seines Lebenswerkes.

"Verreißen'S mich nicht, ich hab' eh schon so viele Probleme mit der Behörde gehabt", sagt der Arzt. Einmal sollte er, wegen seiner außergewöhnlichen Art, ein Haus zu bauen, sogar enteignet und besachwaltert werden. Das konnte der Sohn eines Juristen der nö. Landesregierung gerade noch abwenden.

Baustil

Eigentlich wollte der Arzt ein "ganz normales Haus" für eine Praxis in der Franz Wirrer von Rettenbach-Straße in Korneuburg bauen. Der zugesagte Kassenvertrag platzte. Das Grundstück war aber schon da und so begann Pusch zu bauen. Zu dem außergewöhnlichen Baustil kam der Mediziner wie die Jungfrau zum Kind. Die alte Rudolfsstiftung in Wien wurde abgerissen. Pusch: "Ich habe versucht, das zu verhindern. Die Säulenhalle war so eindrucksvoll." Der Abriss des Spitals war nicht abzuwenden, stattdessen kaufte er Säulen und Marmor auf.

Schon der Bau des Kellers war eine Lebensaufgabe. "Es wurde tief gebaggert", erinnert sich ein Nachbar. Dazwischen gab es immer wieder Baustopps, denn die Behörde war mit den eigenwilligen Gestaltungsplänen des Kinderarztes nicht immer zufrieden. Und 1989 fühlte sich der Arzt, der familiäre Wurzeln in Berlin hat, der deutschen Wiedervereinigung verpflichtet. "Ich habe Hunderttausende Flugzettel drucken lassen und die ersten Demos in Leipzig organisiert", sagt der rüstige Endsechziger. Die Mauer fiel schneller als erwartet und Pusch blieb auf den Stimmzetteln und einem Berg Schulden sitzen.

Grabsteinhaus

Die Nachbarn bezeichnen den Bau gerne zynisch als "Grabsteinhaus", was der Besitzer gar nicht gerne hört. "Ich verwende nicht nur Grabsteine", sagt Pusch. "Auch Monster-Haus war schon zu hören. Meine Frau und ich sagen aber Tempel dazu, wegen der Statuen", meint ein Nachbar, der anonym bleiben will.

Die Nachbarn haben mit dem morbiden Bau jedenfalls leben gelernt. "Es ist sein Hobby, ein anderer spielt Golf oder sitzt in dem Alter im Häfen. Ich bewundere seine Energie", meint Wilfried Grohmann. Derzeit arbeitet der Arzt verbissen an der Decke über dem ersten Stock. "Die Schalung kostet viel Geld", sagt Pusch. Und irgendwann will er fertig werden.

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( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011