Chronik | Niederösterreich
02.07.2018

Betriebsversammlungen sorgten für Zugausfälle im Frühverkehr

Laut ÖBB 250 von 5.000 Zügen ausgefallen, Bahnverkehr soll sich bis zum Nachmittag normalisieren.

Die Betriebsversammlungen bei den ÖBB haben am Montag im Frühverkehr zu beträchtlichen Einschränkungen für Reisende geführt. Insgesamt sind in Österreich 250 von täglich rund 5.000 Zügen ausgefallen, berichtete ein Konzernsprecher der APA. Betroffen waren vor allem Linz, Graz und die Schnellbahn in und rund um Wien.

Wie sehr die Fahrgäste die zwischen 6.00 und 9.00 Uhr angesetzten Versammlungen merken würden, war im Vorfeld unklar gewesen. Nun zogen die ÖBB eine erste Bilanz. Ergebnis: "Es ist doch zu massiven Ausfällen gekommen." Auswirkungen zeigten sich vor allem in Linz und Graz, wobei es dort auch bei den Verkehrsbetrieben Einschränkungen gab. In Wien sind laut ÖBB zahlreiche S-Bahn-Passagiere auf die Wiener Linien ausgewichen: "Das hat gut funktioniert."

Auch im überregionalen Verkehr wurden laut den Bundesbahnen einige Ausfälle verzeichnet. Der internationale Verkehr sei hingegen kaum beeinträchtigt gewesen, betonte der Sprecher. Auch in den Bundesländern Tirol, Vorarlberg und Kärnten lief der Betrieb ohne Einschränkungen weiter.

Der Bahnverkehr soll sich bis zum frühen Nachmittag normalisieren, wobei es noch zu kleineren Verspätungen kommen kann, wie es hieß. Am späteren Nachmittag bzw. am Abend können Pendler dann wieder regulären Betrieb erwarten.

ÖBB-Vorstandschef Andreas Matthä entschuldigte sich mittels Aussendung bei den Kunden für die "entstandenen Unannehmlichkeiten": "Mein Dank gilt den Kolleginnen und Kollegen, die trotz Betriebsversammlung den Betrieb aufrechterhalten und unsere Fahrgäste sicher ans Ziel gebracht haben. Wir werden uns in den kommenden Wochen um weitere Gespräche mit dem Betriebsrat bemühen." Denn man habe in gelebter Sozialpartnerschaft immer eine gute Lösung für die Mitarbeiter gefunden: "Diesen konstruktiven Dialog im Unternehmen wollen wir auch in Zukunft fortsetzen."

Niederösterreich

Im Zusammenhang mit den Betriebsversammlungen bei den ÖBB am Montag in der Früh hat es zumindest in St. Pölten "keine Gestrandeten" gegeben. Gute Information habe zu entsprechender Kundenlenkung geführt, resümierte Bundesbahnen-Sprecherin Juliane Pamme auf APA-Anfrage. Österreichweit seien 250 bis 300 von 5.000 täglichen Zügen ausgefallen. Nach den Betriebsversammlungen sei der Regelbetrieb wieder hochgefahren worden, teilte Pamme mit. Am Montagvormittag musste noch mit einigen Verspätungen gerechnet werden.

Es sei "bisher nichts anders als sonst", teilte Pamme kurz nach Beginn der von 6.00 bis 9.00 Uhr angesetzten Betriebsversammlungen auf Anfrage aus der niederösterreichischen Landeshauptstadt mit. Der Betriebsrat informiert die Mitarbeiter über die Auswirkungen der geplanten Änderungen im Arbeitszeitgesetz.

Die Sprecherin berichtete u.a., dass ein REX aus St. Pölten nach Scheibbs nicht verkehrt sei. Bis 9.00 Uhr fielen nach ihren Angaben auf der Strecke Salzburg - Wien zudem alle "langsamen" RJ-Verbindungen (jene mit Stopps nicht nur in den Landeshauptstädten, Anm.) aus.

In Bad Vöslau (NÖ, Bezirk Baden), wo sonst zahlreiche Pendler allmorgendlich mit dem Zug nach Wien fahren, herrschte Montagfrüh auf den Bahnsteigen weitgehend Leere. Anscheinend waren viele angesichts des angekündigten Chaos auf das Auto umgestiegen. Die Behinderungen hielten sich dann aber sehr in Grenzen. Nur wenige Züge fielen komplett aus, die meisten waren pünktlich oder hatten nur wenige Minuten Verspätung. Pendler Klaus Weissenböck aus Kottingbrunn: Betriebsversammlungen schön und gut, dafür habe ich Verständnis. Etwas ärgerlich ist die Information. 15 Minuten vor der planmäßigen Abfahrt ist online nicht ersichtlich, ob der Zug nun Verspätung hat oder nicht. Kurz vor Abfahrt kommt dann am Bahnsteig die Durchsage, dass er zehn Minuten verspätet ist. Das müsste doch besser zu organisieren sein.

Am Bahnhof in Hollabrunn ist es um kurz vor 8 Uhr ruhig. Die meisten Pendler sind mit dem Regionalzug um 7.45 Uhr nach Wien gefahren. Für die Menschen die mit der S-Bahn fahren müssen, um ihr Ziel zu erreichen, bleibt nur das Abwarten. Eine Stunde später soll wieder ein Zug fahren.

Vereinzelt gibt es aber doch gestrandete Pendler am Bahnhof. Eine Dame, die gerade in die Arbeit fahren wollte, ist verärgert: „Ich finde das ist wirklich eine Frechheit. Ich mag die Bahn und ich verstehe auch, dass sie eine Betriebsversammlung machen. Aber dann müssen sie auch kommunizieren, welche Züge ausfallen. So stehe ich jetzt da und muss eine Stunde warten.“

Ein weiterer Pendler der vor der Anzeigetafel steht und über Optionen nachdenkt, ist ebenfalls ungehalten ob der Maßnahme: „Ich habe keine andere Möglichkeit, als mit dem Zug in die Arbeit zu fahren. Dementsprechende ärgert mich das. Es gab nur die Information, dass es eine Betriebsversammlung gibt aber kein Mensch wusste, welcher Zug ausfällt.

Oberösterreich

Das befürchtete Verkehrschaos durch Betriebsversammlungen im Zusammenhang mit geplanten Änderungen im Arbeitszeitgesetz ist Montagfrüh in Oberösterreich ausgeblieben. Vorgewarnt durch die Berichterstattung in den Medien hatten sich offenbar etliche Benützer rechtzeitig Alternativen gesucht. Außerdem wurden ausgefallene Züge teilweise durch Autobusse ersetzt.

Laut der Gewerkschaft vida gab es in Oberösterreich 20 Betriebsversammlungen, darunter eine große in Linz. Sie fanden in einem Zeitfenster zwischen 6 und 9 Uhr statt. ÖBB-Sprecher Karl Leitner berichtete, dass deswegen 44 von planmäßigen 190 Zügen nicht gefahren seien. Für etwa die Hälfte davon wurde ein Schienenersatzverkehr angeboten. Am Linzer Hauptbahnhof wurde das Info-Personal verdoppelt.

Etliche Reisende waren mit Verspätung unterwegs oder sind überhaupt gestrandet. Darunter befanden sich einige Schülergruppen, die in der letzten Woche vor den Ferien noch Ausflüge unternehmen wollten. Allerdings hatten nicht alle an den Bahnhöfen vor, mit dem Zug zu fahren. Das war nur der Treffpunkt für eine Fahrt mit einem privaten Busunternehmen. Auch 200 von etwa 450 ÖBB/Postbus-Verbindungen fielen aus. Nach 8 Uhr nahmen wieder alle Fahrt auf. Es dürfte bis Mittag dauern bis alles wieder planmäßig verkehrt, schätzte man bei den ÖBB. Die Linz Linien berichteten, dass es keine Verspätungen durch Betriebsversammlungen gegeben habe.

Durch den Umstieg auf Pkw nahm Montagmorgen das Verkehrsaufkommen auf Oberösterreichs Straßen vor allem im Zentralraum zu. Allerdings brachen viele vorsichtshalber früher als sonst auf, dadurch verteilten sich die Fahrzeuge über einen längeren Zeitraum und die Staus waren nicht größer als sonst zu Wochenbeginn.

 

Steiermark

Das erwartete große Verkehrschaos am Montag in der Früh in Graz wegen der Betriebsversammlungen bei den ÖBB und der Holding Graz ist ausgeblieben. Zwar kam es laut ÖAMTC zu zähem Verkehr an den Knotenpunkten um die Innenstadt und einigen Einfallsstraßen wie der Kärntnerstraße, doch hatten sich viele Verkehrsteilnehmer offenbar auf die Situation eingestellt und waren früher losgefahren.

In der Innenstadt herrschte dafür am frühen Vormittag ein verstärktes Aufkommen von Radfahrern - diese kamen wegen der ausgefallenen Bims etwa in der Annenstraße sogar schneller als sonst voran. An den Haltestellen der Graz Linien war auf den elektronischen Anzeigetafeln um Verständnis für den Ausfall der öffentlichen Verkehrsmittel wegen der Betriebsversammlung in der Remise Steyrergasse geworben worden. Ausfälle von 7.30 bis 12.30 waren auf den Tafeln angekündigt. Auch die zahlreichen Schülergruppen, die gegen Ende des Schuljahres den obligatorischen Graz-Ausflug am Programm haben, waren mit früheren Zügen und Bussen gekommen.

Am Grazer Hauptbahnhof war zumindest ein Intercity aus Prag für den frühen Vormittag angekündigt, auch einzelne S-Bahnen sollten ab 9.00 Uhr wieder verkehren - u. a. solche der Steiermärkischen Landesbahnen. Viele Menschen hatten allerdings die seit einer Woche angekündigten Ausfälle der Öffis nicht mitbekommen. Gegen 7.30 Uhr warteten etliche Menschen am Bahnhof vergeblich auf Züge oder Busse und Trams. Manche standen im Stadtbereich hektisch telefonierend an den Haltestellen: "Wo bist du? Die Bim fährt nicht. Hast du das gewusst?" war der Tenor.

Einige Mitarbeiter der Holding Graz gingen trotz Betriebsversammlungen in aller Herrgottsfrühe noch ihrer Arbeit nach - die Restmüllabfuhr lief in den Randbezirken der Landeshauptstadt am Montag in der Früh wie gewohnt. In einigen großen Grazer Betrieben gab es ebenfalls Versammlungen der Belegschaft. Dabei informierten Gewerkschafter und Belegschaftsvertreter die Beschäftigten über die Auswirkungen des geplanten Zwölfstundentages und der 60-Stunden-Woche sowie der Auswirkungen.

Eine Betroffene in Graz berichtet: „Ich bin in Fortbildung und fahre jeden Tag mit der Straßenbahn. Ich habe das nicht mitbekommen, dass jetzt am Vormittag keine öffentlichen Verkehrsmittel fahren. Jetzt muss ich mir ein Taxi nehmen, anders geht es nicht. Das wird teuer, weil ich weit fahren muss.“

Hofer: Wenig Verständnis

Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ) hat für die heutigen Betriebsversammlungen bei den ÖBB "nur bedingt Verständnis", wie er in einer Aussendung erklärte. Er habe den Eindruck, dass die große Mehrheit der Mitarbeiter dort bei der per Betriebsvereinbarung bestehenden 12-Stunden-Regelung bleiben wolle.

Bei den Österreichischen Bundesbahnen gebe es in vielen Bereichen bereits seit Jahren Betriebsvereinbarungen über 12-Stunden-Dienste. Der aktuelle Gesetzesentwurf zur Arbeitszeitflexibilisierung sehe vor, dass sich an diesen Vereinbarungen auch nichts ändere. Sollte es aber innerhalb der Belegschaft den Wunsch geben, auf einen Dreischichtbetrieb zu je 8 Stunden umsteigen zu wollen, dann stehe es dem Betriebsrat frei, entsprechende Vereinbarungen mit dem Management zu treffen.