Pepi Helm

© Franz Eder

Zwerndorf

3er-Wirt Pepi Helm: „Ich wollte niemals Gastronom werden“

Alles begann 1979 in einer Bauhütte. Nach und nach entpuppte sich daraus das so genannte 3er-Wirtshaus. Es ist kein Wirtshaus im herkömmlichen Sinn.

12/10/2013, 12:29 PM

3er-Wirt Pepi Helm, 64, hat keine Laufkundschaft. Sein – nennen wir es vorerst einmal Lokal – liegt zwischen zwei Badeseen abseits der B49 zwischen Zwerndorf und Baumgarten an der March. Also Grenzland. „Mein Vater pachtete einst von der Gemeinde Zwerndorf zwei Fischteiche und eine Bauhütte. Er wollte mir damit eine Existenz als Gastronom aufbauen, gegen den Widerstand der Familie und vor allem gegen meinen“, erzählt der Pepi, wie ihn alle nennen, der damals bereits ahnte was alles auf ihn zukommen würde.

1979 war es dann so weit: Pepi Helms Vater erlitt einen Magendurchbruch begleitet von einem endgültigen gesundheitlichen Zusammenbruch. Helm: „Ich erbte die Bauhütte, Pachtverträge für zwei Fischteiche und eine böhmische Urgestalt namens ,Frau Machacek’, die Papas Fischer stets zwang, das zu essen, was sie für sie gekocht hatte.“ Weitere Erbschaft: Ein Taubenzüchter und Halbganove aus Wien namens Gustav.

Und Pepi erbte, wie er es wörtlich sagt „Bauern mit Migrationshintergrund“ (kroatische Wurzeln, Anm.), die sich und ihn zu Tode schnapsten.

Um andere Gästeschichten zu erreichen, ließ Pepi Jazzmusik erschallen: „Doch die Bauern gewöhnten sich an den ,Lärm’ und blieben. Und die Schar der Stammgäste wuchs. Ein neuer und erweiterter Freundeskreis entstand. Dazu trugen auch Auftritte von Pepis Band „49/50“ bei, Konzerte und Festln aller Art wurden veranstaltet. Größen wie Brian Auger, Willy DeVille oder The Zawinul Syndicate sowie zahllose andere Musiker und Bands gastierten und gastieren im 3er-Wirtshaus – stets verwöhnt mit Fisch- und Wildgerichten – persönlich zubereitet vom Pepi.

„Ich erinnere mich, wie ich Mitte der 80er-Jahre zu kochen anfing. Bald gab es ein heftiges Medieninteresse. Das schränkte meine Lust zu kochen wieder ein. Heute bin ich über jeden Gast froh, der nicht bei mir isst“, lächelt Pepi.

Das 3er-Wirtshaus (es war das dritte Wirtshaus im Ort) ist ein beliebter Treffpunkt. Helm: „Ich bin davon überzeugt, dass kommende Generationen zu dieser dörflichen Kommunikation nicht mehr fähig sein werden.“

Pepi pflegte in all den Jahren immer einen rücksichtsvollen Umgang mit Gästen, die es mit der Zeche nicht so genau nahmen: „Auch denen muss man ab und zu einen Lebensraum lassen.“ Und wie sieht Pepi Helm sein 3er-Wirtshaus: „Es ist wie alle Religionen, eine Illusion.“

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