2023 ist in NÖ Schluss mit Gatter-Hetzjagden

NÖ will von der Gatterjagd zur Wildhege. © Bild: APA/BARBARA GINDL

Jagdgatter sind in NÖ ab 2029 verboten. Freiwillig können umzäunte Reviere schon vorher in Wildgehege umgewandelt werden.

Einen Entwurf für ein neues Jagdgesetz hat Niederösterreich bereits im Vorjahr vorgelegt. Aufgrund einer Vielzahl an Stellungnahmen wurden die Bestimmungen nun erweitert. Wichtigste Neuerung: Ab 2023 sind Hetzjagden mit Hunden in umzäunten Eigenjagden streng verboten. Beschlossen werden soll die neue Regelung am 28. Juni.

Aufrecht bleibt das Aus für Jagdgatter im Jahr 2029. Jagdbesitzer können sich aber auf freiwilliger Basis bereits ab 2023 dazu entschließen, ihre umfriedeten Eigenjagden in Wild- oder Forschungsgehege umzuwandeln. Gejagt werden darf aber innerhalb von eingezäunten Revieren auch weiterhin. Wenn auch nach anderen Regeln.

Aus für Gatterjagd
Pernkopf, Hackländer und Schulz © Bild: NLK/Burchhart

Professor Klaus Hackländer vom Institut Wildbiologie und Jagdwirtschaft an der Universität für Bodenkultur hat das Land wissenschaftlich beraten. "Jagdgatter hatten immer nur den Zweck der Jagd, nicht immer im Einklang mit dem Tierwohl." Durch längere Schusszeiten als in freien Revieren, seien Jagdgatter für viele ein lukratives Geschäftsmodell gewesen. "Das ist ausgeartet, wie in einem Wildbordell mit unschönen Bildern von Hetzjagden. Das hat mit Jagd nicht viel zu tun."

Mit einem solchen "Geschäftsmodell, das Gewinne auf Kosten des Tierschutzes lukriert" soll nun Schluss sein. "Die Jagdgatter werden umgewandelt zum Zweck der Wildhege und nicht mehr der Jagd", sagt Hackländer. In diesen Gehegen soll es der Bevölkerung dann möglich sein, das Wild ohne Stressfaktoren zu erleben." Die Treibjagd mit Hunden ist dort verboten, damit seien die Auflagen in Wildgehegen strenger als außerhalb.

Ausgesetzt werden dürfen Tiere in den Gattern künftig nur mehr zur so genannten Blutauffrischung. Gefüttert werden darf das Wild nur noch in Ausnahmefällen wie Frost oder Dürre. Gejagt werden wird dort aber weiterhin, präzisiert Hackländer. "Es wäre irreal in umzäunten Gebieten nicht mehr zu jagen. "Tiere vermehren sich, man muss die Population einpendeln, damit der Lebensraum sie auch ernähren kann." Dass das funktioniert, zeige das Beispiel des Lainzer Tiergartens in der Bundeshauptstadt, im Prinzip ebenfalls ein umfriedetes Revier. "Mit seiner Jagdgesetznovelle hat Wien vielleicht Jagdgatter abgeschafft, die Jagd in einem Gatter aber nicht."

Das ist ausgeartet, wie in einem Wildbordell mit unschönen Bildern von Hetzjagden. Das hat mit Jagd nicht viel zu tun.

Klaus Hackländer | Universitätsprofessor

Die Strafen in Niederösterreich werden drastisch erhöht (bis zu 20.000 Euro, Anm.) und reichen bis zur Zangsauflösung der Wildgehege. Der zuständige Landeshauptmannstellvertreter Stephan Pernkopf ist überzeugt: "Es ist kein Kavaliersdelikt mehr, wenn die neuen Gebote nicht eingehalten werden."

Allein die Ankündigung strengerer Bestimmungen hat Niederösterreich bereits zur Auflösung von zwei umfriedeten Eigenjagden geführt - eine im Bezirk Mistelbach, eine im Bezirk Korneuburg. Damit sind noch 69 Jagdgatter in Land registriert. Heuer müssen ihre Besitzer um eine Verlängerung für die Jagdperiode 2020 bsi 2029 ansuchen. Wie viele das aufgrund der Gesetzesnovelle noch tun werden, bleibt abzuwarten.

Professor Hackländer sieht für viele Jagdbesitzer aber auch eine Chance: "Die Guten unter denen, die umfriedete Eigenjagden haben, können jetzt zu Best-Practice-Beispielen werden." Ein Vorbild könne etwa der Naturpark Sparbach im Waldviertel werden. "Das ist eine umfriedete Eigenjagd, die öffentlich zugänglich ist." Dass durch die Maßnahme des Landes die Zahl der Naturparks steigt, sei nicht ausgeschlossen. Hackländer ist überzeugt: "Der Tierschutz müsste eigentlich jubeln."

Drei Parteien haben sich auf den neuen Entwurf zum Jagdgesetz geeinigt, sagt ÖVP-Mandatar Manfred Schulz. SPÖ-Landesvize Franz Schnabl und FPÖ-Landesrat Gottfried Waldhäusl hätten Pernkopfs Vorschlag bereits unterzeichnet. "Das zeigt, dass wir in dieser Frage eine breite politische Basis haben. Es ist eine moderne Lösung mit Hausverstand im Sinne der Waidgerechtigkeit."

( kurier.at ) Erstellt am 14.06.2018