Chronik
20.03.2018

KAV-Direktor zu Esoterik-Affäre: "Völlig abstrus"

KURIER-Herausgeber Helmut Brandstätter im Talk mit KAV-Direktor Herwig Wetzlinger zum KH Nord.

KURIER: Bei den Summen, die beim Krankenhaus Nord schon verloren gegangen sind, sind 95.000 Euro für einen Energetiker ja relativ wenig. Aber wie kann so etwas passieren?

Herwig Wetzlinger: Es ist passiert, aber es hätte nie passieren dürfen. Es gibt keine Norm oder standardisierte Vorgabe, die vorschreibt, dass es beim Errichten eines Krankenhauses einer derartigen Leistung bedarf. Noch dazu bestehen Zweifel, ob der Anbieter über geeignete Genehmigungen für derartige Leistungen verfügt. Alles in allem muss man sagen: Was passiert ist, ist völlig abstrus und wir sind bemüht, lückenlos aufzuklären.

Haben Sie auch eine Chance, das Geld zurück zu bekommen?

Es gibt zwei Rechtstitel: Ist der Anbieter überhaupt in der Lage, eine derartige Leistung zu erbringen? Und gibt es einen Nachweis dass das, was er angeboten hat, tatsächlich als Leistung erbracht wurde? Da gibt es doch einige Zweifel.

Aber den Auftrag hat die zuständige Programmleiterin unterschrieben?

Ja. Sie ist jetzt nun freigestellt. Unsere Untersuchungen werden zeigen, welche Rolle sie wirklich inne hatte.

Können Sie das Geld auch von ihr zurück bekommen?

Dazu müsste nachgewiesen werden, welchen Schaden sie persönlich durch diese Unterschrift geleistet hat. Letztlich ist sie ja nicht alleine, ihr Stellvertreter hat den Auftrag mit unterzeichnet.

Gab es eine Notwendigkeit, den Krankenhaus-Standort, ein ehemaliges ÖBB-Gelände mit möglicherweise verseuchtem Boden, energetisch zu überprüfen?

Mit der Technischen Universität Graz wurde eine elektromagnetische Entstörung des Areals durchgeführt – vor allem vor dem Hintergrund, dass rundherum Schienen gelegt werden. Das ist aber etwas gänzlich anderes, als die „energetische Reinigung“, von der man jetzt spricht.

2005 wurde das Krankenhaus Nord beschlossen. Bereits 2009 empfahl eine Gruppe von Experten, einen Generalunternehmer einzusetzen. War es ein Fehler, das nicht zu machen?

Die Diskussion, ob man einen Total- oder Generalunternehmer nimmt oder – wie es jetzt gemacht wurde – Einzelgewerke ausschreibt, hängt immer von der eigenen Professionalität und Leistungsfähigkeit ab. Noch wichtiger als ein Generalunternehmer ist meiner Meinung nach ein Generalplaner – den gab es nicht.

Glaubte der Wiener Krankenanstaltenverbund, alles besser zu wissen?

Nein, das war in der Geschichte des Projekts begründet, das als Totalunternehmer-Modell – mit Planung und Ausführung in einer Hand – gestartet wurde. Dieses Modell wurde verlassen. Dann stellte sich die vergaberechtliche Frage, völlig neu auszuschreiben oder auf eine Gewerke-Ausschreibung überzugehen.