Zweisprachige Ortstafel gestohlen
Mehr als ein halbes Jahrhundert nach der Unterzeichnung des Staatsvertrages bekommen nun gemäß der Einigung, die im Frühjahr mit den Slowenenvertretern ausgehandelt wurde, 165 Orte in Kärnten zweisprachige Tafeln. Im Burgenland hingegen werden in letzter Zeit immer wieder zweisprachige Tafeln demontiert. Erst gestern, Donnerstag, hat ein anonymer Anrufer gemeldet, dass ein Schild im mittelburgenländischen Kleinmutschen/Pervane (Gemeinde Frankenau) abmontiert wurde.
"Die Tafel wurde fachgerecht abgeschraubt, die Täter müssen also Werkzeug dabei gehabt haben. Unser Streifendienst kontrolliert zwei Mal pro Woche, ob alles passt. Am Dienstag war die
Ortstafel noch da, der Vorfall muss sich also am Mittwoch oder in der Nacht auf Donnerstag ereignet haben", sagt Ewald Gugler von der Straßenmeisterei Oberpullendorf, die den Fall auch bei der Polizei zur Anzeige gebracht hat. Der Schaden beträgt rund 200 Euro. Einen Hinweis auf die Täter gibt es bis dato nicht. "Aber bereits im Vorjahr wurde ebenfalls in Kleinmutschen eine Ortstafel abmontiert. Diese haben wir dann nach längerer Suche in einem Gebüsch gefunden", erinnert sich Gugler.
Umgeschnitten
Für Aufsehen hatte Ende April auch eine umgeschnittene Ortstafel in Nikitsch/Filež - im Ortsteil Kroatisch Minihof/Mjenovo lebt Verteidigungsminister Norbert Darabos - gesorgt. In der Nacht auf
Ostersonntag hatten Unbekannte das zweisprachige Schild umgeschnitten. Die Täter wurden bisher nicht gefasst, aber Bürgermeister Johann Balogh glaubt nach wie vor an einen "Lausbubenstreich".
Dass die Demontage der Ortstafel ein Angriff auf die Zweisprachigkeit sein könnte, daran will man auch in Frankenau nicht so recht glauben. "Ich denke nicht, dass es damit zu tun hat. Ich will die Sache nicht bagatellisieren, aber auch nicht als Schwerverbrechen hinstellen", sagt Bürgermeister Anton Blazovich im Gespräch mit dem KURIER. Auch die
Polizei möchte in dieser Causa noch keine voreiligen Schlüsse ziehen: "Momentan lässt sich über den Hintergrund des Delikts noch nichts sagen. Ob es sich tatsächlich um eine politisch motivierte Tat gehandelt hat, wird jetzt Gegenstand der Ermittlungen", erklärt Burgenlands Sicherheitsdirektor Erhard Aminger.
Martin Ivancsics, Obmann des kroatischen Kulturvereins, wittert ebenfalls keinen gezielten Untergriff gegen Burgenlandkroaten. Seine launige Erklärung: "Die Nächte im Burgenland können mitunter sehr lustig sein. Ich messe dem daher keinerlei dramatische Bedeutung zu."
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