Weltenbummler mit Liebe zum Wein

Christoph Hess in seinem alten Weinkeller in Neusiedl © Bild: Natascha Marakovits

Nach einer Zeit im Ausland hat sich Christoph Hess für die Heimat und die Selbstständigkeit entschieden

„Was bedeutet mir Wein? Ich würde sagen, es ist Liebe. Ja, tatsächlich. Weil rational ist das Gefühl nicht erklärbar. Meine Arbeit ist meine Herzenssache.“ Christoph Hess muss bei der Frage nicht lange nachdenken. Wenn der Neusiedler über Wein redet, sprudelt es förmlich aus ihm heraus. Ein schwieriger Interviewpartner ist er demnach nicht. Man braucht dem 29- Jährigen nichts aus der Nase ziehen. Er redet gerne über seine Arbeit als Jungweinbauer.

Begonnen mit Weinbau habe seine Familie „typisch burgenländisch mit ein paar Weinstöcken“. Davon leben wollten seine Eltern nie. „Das Hauptaugenmerk lag schon immer auf dem Elektrofachgeschäft meines Vaters. Den halben Hektar Weingarten, den sie damals besessen haben, wollten sie eigentlich gar nicht mehr bewirtschaften“, erzählt Christoph Hess. Doch soweit kam es nicht, denn Hess Junior hatte seine Liebe zur Arbeit im Weingarten früh entdeckt: „Ich habe von klein auf mitgeholfen, nicht nur bei meinen Eltern, sondern auch bei befreundeten Winzern. Es hat mir schon als kleiner Bub Spaß gemacht und die Lesezeit war mir immer zu kurz.“

Zurück in die Heimat

Daher fiel die Entscheidung, welche schulische Ausbildung es werden soll, nicht schwer: Die Wahl fiel auf die Weinbauschule Klosterneuburg, wo er 2008 seinen Abschluss machte. „Nach der Matura zog es mich dann erst einmal hinaus in die Welt. Ich habe ein halbes Jahr in Neuseeland auf einem Weingut gearbeitet, bin anschließend noch mit einem Around-the-world-Ticket um die Welt gereist.“ Mit dabei damals schon seine damalige Freundin und jetzige Frau Anna. Gemeinsam haben sie viel von der Welt gesehen, letztendlich hat es sie aber zurück in Hess’ Heimat nach Neusiedl am See gezogen.

Zurück in der Heimat hat Christoph Hess begonnen bei einem Winzer in Gols als Kellermeister zu arbeiten. „Ich bin dort jetzt seit acht Jahren. Die vergangenen Jahre habe ich gemerkt: Es muss der nächste Schritt kommen.“ Sein Ziel sei es immer schon gewesen, eigenen Wein zu machen. Der Entschluss stand fest und so bearbeitet Hess heute rund zwölf Hektar an Weingärten. „Natürlich ist es eine Herausforderung. Daher habe ich in Gols auf 30 Stunden reduziert. Demnächst möchte ich ganz aufhören, um mich komplett meiner Arbeit als Jungwinzer widmen zu können. Es bleibt sonst keine Zeit für die Familie.“

Entspannung

Für die Zukunft wünscht sich der 29-Jährige, vom Weinbau leben zu können. „Ich sehe es als Start-up, da meine Eltern Weinbau nie hauptberuflich betrieben haben. Das hat etwas Positives, aber auch Risiken sind damit verbunden. Ich hinterfrage mich ständig. Es gehört viel Mut dazu und ich bin sehr bedacht.“

Dass die Arbeit im Weingarten wirklich nur Arbeit ist, kann man Hess schwer glauben, wenn er darüber redet. „Erst am Sonntag war ich wieder mit dem Traktor in den Weingärten. Das mache ich einfach gerne. Wenn ich am Traktor sitze, mich umschaue und den Neusiedler See vor mir sehe, weiß ich, dass ich in einer sehr lebenswerten Region lebe. Andere kommen her, um hier Urlaub zu machen, wir wohnen da.“

( kurier.at , nma ) Erstellt am 01.04.2018