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Chronik | Burgenland
12/18/2018

„Und jährlich grüßt das Diebestier“

Laden- und Taschendiebstahl. Betrüger werden laut Experten immer frecher und skrupelloser

Es war eine „alte Bekannte“, die Kaufhausdetektivin Yvonne A. am vergangenen Wochenende im Einkaufszentrum in Parndorf (Bezirk Neusiedl am See) wiedertraf. So wie im Vorjahr, als sie mit ihrem Kollegen Andreas Schweitzer unterwegs gewesen war, beobachtete sie die 39-Jährige und deren Komplizin, als sie versuchten, zwei Kunden die Geldbörse zu stehlen. Das Duo wurde geschnappt, die „alte Bekannte“ wurde in die Justizanstalt gebracht, ihre 50-jährige „Begleiterin“ angezeigt.

„Es sind jedes Jahr dieselben Gesichter, die man trifft. Man kann fast sagen ‚und jährlich grüßt das Diebestier’“, sagt Schweitzer. Er kennt beide Seiten – sowohl die der Täter als auch der Opfer gut. Ist er doch nicht nur Sprecher der Berufsdetektive in der Wirtschaftskammer (WKO) Burgenland. Als Anwalt vertritt er auch immer wieder die Täter. „Ich muss sagen, beide Seiten sind beratungsresistent“, sagt Schweitzer in Bezug auf die verübten Laden- und Taschendiebstähle. Ganz nach dem Vorbild des Hollywood-Streifens „Catch me if you can“ würden die Diebe ungeniert immer wieder zu ihrem Tatort zurückkehren. Daran würden auch unbedingte Haftstrafen wenig ändern, berichtet Schweitzer.

Andererseits gäbe es immer wieder Kunden, die ihre Taschen unbeaufsichtigt stehen lassen, oder mit dem Rucksack am Rücken durch Menschenmengen schlendern würden. Beides sei für Diebe quasi eine „Einladung“. Rund 700 Millionen Euro beträgt laut WKO der Schaden durch Ladendiebstahl.

Vor allem in der Vorweihnachtszeit sind vermehrt Betrüger unterwegs, heißt es von der Polizei. Überall, wo große Einkaufszentren sind, müsse man besonders vorsichtig sein, sagt Oberst Ernst Schuch, Leiter des Landeskriminalamtes. Wertsachen sollte man auf mehrere Taschen verteilen und nie viel Bargeld mittragen.

Shoppingtempel in Eisenstadt und Oberwart stünden ebenso im Visier von Betrügern wie etwa das Outletcenter in Parndorf. Erst am Montag mussten sich zwei mutmaßliche Diebe in Eisenstadt vor Gericht verantworten, weil sie in Parndorf und auch in anderen Bundesländern Dutzende Kleidungsstücke entwendet haben sollen.

Technisch versiert

Allgemein könne man sagen, dass es sich bei den Taschendieben meist um Frauen handle, sagt Experte Schweitzer. Die Ladendiebe hingegen seien zu rund 65 Prozent männlich. Für das Präparieren der Einkaufstaschen bzw. das Entfernen der Sicherungen mittels Seitenschneider und Magnet brauche man handwerkliches Geschicke, was meist eher Sache der Männer sei. „Ich habe aber auch schon Ladendiebinnen erwischt, die mit technischer Ausrüstung Sicherheitsvorkehrungen manipuliert haben.“

Generell würden die Diebe skrupelloser und frecher, sagt Schweitzer. Erst im Vorjahr war er von einem Dieb bei der Anhaltung verletzt worden. „Zum Glück ist es nicht alltäglich, dass es zu gefährlichen Situationen kommt.“