© Koglbauer Claudia

Chronik Burgenland
09/27/2018

Tierischer Ärger um Schutzgebiete

Rote Liste. Zwergohreule und Ziesel stehen unter Schutz – Kritiker sehen diesen aber gefährdet.

Sie ist nach dem Sperlingskauz die kleinste Eule in Europa und und doch erregt die Zwergohreule immer wieder großes Interesse. Otus scops – so ihr wissenschaftlicher Name – hat schon das Höchstgericht beschäftigt. Die Grünen sehen die Vögel in Gefahr.

Grund dafür sind die Rodungs- und Aufschließungsarbeiten für neue Wohnhäuser auf 1,4 Hektar im Streuobstwiesengebiet in Forchtenstein (Bez. Mattersburg). Die Bagger sind bereits aufgefahren, die ersten der 120 Jahre alten Obstbäume werden gefällt. „Ein derartiger Eingriff in ein Natura 2000 Schutzgebiet ist erstaunlich“, sagt der Grüne EU-Abgeordnete Thomas Waitz beim Lokalaugenschein.

2014 hatte der Gemeinderat mit einer Grünen-Gegenstimme das Grünland in Bauland umgewidmet, die Genehmigung der Landesregierung folgte. Ein Antrag auf Aufhebung der Baulandwidmung, die die Umweltorganisation Protect angestrengt hatte, wurde vom Verfassungsgerichtshof abgewiesen. Die Organisation hätte gar keine Parteienstellung. Außerdem, so hieß es in dem Beschluss, sei „durch die gegenständliche Flächenwidmung keine aktuelle Beeinträchtigung von Umweltschutzvorschriften gegeben.“

Screening

Das ist auch Meinung von Bürgermeisterin Friederike Reismüller (SPÖ) und Andreas Ranner vom Naturschutzreferat des Landes. Grundtenor der beiden: auf dem fraglichen Gebiet gebe es keine Brutplätze der Zwergohreule. „Wir haben ein Screening durchgeführt. Das fragliche Gebiet wird von der Zwergohreule gar nicht genutzt“, sagt Ranner. In Forchtenstein sei der Bestand des Vogels mit „drei bis fünf Revieren seit Jahren konstant niedrig“. Im Burgenland verteile sich der Vogel aufgrund des warmen Klimas neuerdings auch in den Bezirken Güssing und Oberpullendorf.

Nicht nachvollziehbar

Für den EU-Abgeordneten Waitz ist diese Begründung nicht nachvollziehbar. „Die Zwergohreule steht unter Schutz, weil es eben wenige der Art gibt. Wenn man den Tieren den Lebensraum wegnimmt, wird das nicht zum Erhalt beitragen.“

Sonja Sieber von der Bürgerinitiative „Wir haben’s eulig“ befürchtet, dass die Verbauung des Gebietes in Forchtenstein erst der Beginn von Baulandumwidmungen ist „Es ist absolut unverständlich, dass hier gebaut wird, wo es in der Gemeinde genug alternative Plätze gibt.“

Wald roden

Im Burgenland spaltet derzeit ein weiteres Tier die Geister. Die mit dem Murmeltier verwandten Ziesel stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten. Auf der Parndorfer Platte soll nun das Schutzgebiet für die kleinen Nagetiere attraktiver gemacht werden. Etwa 100 Ziesel wurden vor rund 10 Jahren gezählt, seither ist der Bestand zurückgegangen. Um den Zieseln das für sie notwendige offene Schutzgebiet bieten zu können, soll ein Robinienwald gerodet werden.

Im Gemeinderat hat das geteilte Meinungen ausgelöst. „Es steht damit Umweltschutz gegen Umweltschutz“, sagt Listen-Bürgermeister Wolfgang Kovacs. Der Entscheid für die Waldrodung sei zu akzeptieren. „Allerdings setzen wir uns für ein umfassendes Umweltschutzpaket ein, das auch eine Ersatzbepflanzung vorsieht.“

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