Der vergangene milde Winter ließ die Wildschweinpopulation im Burgenland wieder wachsen

© dpa-Zentralbild/Patrick Pleul

Eisenstadt
11/09/2014

"Sauerei" im Garten

Wildschweine machen auf der Suche nach Futter auch vor Hausgärten am Stadtrand nicht Halt

Wochenlang bekam das Ehepaar Kapai in seinem Garten am Buchgrabenweg in Eisenstadt nächtlichen Besuch. Gehört haben die Kapais trotz gekipptem Schlafzimmerfenster nichts, dafür aber am nächsten Morgen die Bescherung gesehen, die eine Rotte Wildschweine in einem Garten anrichten kann. „Die haben regelrecht umgegraben. Ich hab es mittlerweile aufgegeben, die Hügellandschaft zu beseitigen, das mach ich nächstes Frühjahr“, meint Ernst Kapai achselzuckend.
Er ist nicht der einzige, der mit Wildschwein-Besuch im Garten leben muss. Laut einem Bericht von ORF Burgenland bekamen 20 andere Anrainer am Buchgrabenweg, der direkt am Waldrand verläuft, eine unerwünschte Gartenneugestaltung verpasst. Als besonders gefragt bei den Borstentieren erwiesen sich Blumenbeete mit Tulpenzwiebeln.

Suche nach Futter

Dass Wildschweine so weit in bewohntes Gebiet vordringen, sei „schon außergewöhnlich“, zeigt sich selbst Burgenlands Landesjägermeister Peter Prieler erstaunt. Vergleichbares sei ihm bis jetzt nicht untergekommen. Was die Tiere dazu bewegt? „Engerlinge, die sie in Gärten leicht ausgraben können“, erklärt der Experte, „die Tiere sind an sich ja nicht bösartig, sie haben einfach Hunger“.
Vorsicht ist dennoch geboten. Ein einziges Mal ist Ernst Kapai seinen nächtlichen Besuchern – einer Rotte von sieben Tieren – Aug in Aug gegenübergestanden. „Ich bin so in Wut geraten, dass ich ihnen nachgelaufen bin und Äpfel vom Baum nachgeworfen hab“, berichtet der Pensionist. Das sollte man nicht machen, warnt Peter Prieler: „Lärm machen, ja. Aber die Tiere nicht in die Enge treiben, sonst greifen sie an.“ Denn Wildschweine würden zwar „lieb und behäbig“ aussehen, „das sind sie aber nicht“, weiß der Landesjägermeister, „mit Davonlaufen ist da nichts, selbst mit dem Fahrrad würde man es nicht schaffen, ein Wildschwein abzuhängen.“
Mittlerweile herrscht aber wieder Ruhe am Buchgrabenweg. Kapais Nachbarn haben den Maschendrahtzaun – der für die Schweine „kein wirkliches Hindernis“ war – durch einen soliden Stahlgitterzaun ersetzt und die Kapais haben als Abgrenzung zum Wald einen Elektrozaun errichtet.

Intelligente Feinspitze

Wobei so ein Zaun auch nicht hundertprozentigen Schutz vor hungrigen Mäulern bietet, wie man heuer in der Weinbauschule Eisenstadt erfahren musste. Trotz Elektrozaun wurden die am Feiersteig (am Leithagebirge) gelegenen Weingärten der Schule von Wildschweinen heimgesucht, wie Direktor Markus Prenner berichtet. „Einen Wildschaden in dieser Art hatten wir noch nicht“, sagt Prenner, wobei die borstigen Vierbeiner Feinspitze sind: „Die haben sich vor allem Muskat und Traminer rausgepickt, eben die süßesten Trauben.“

Schießen verboten

Wenn Wildschweine, Rehe und Hirsche sich in Gärten oder Feldern im Wohngebiet bedienen, können Jäger nicht viel machen. Schießen ist nämlich in der Nähe von Ortschaften bzw. Häusern – bis 100 Meter – laut Burgenländischem Jagdgesetz verboten. Nicht zu verwechseln mit dem Verbot, auf streunende Haustiere zu schießen. Das erstreckt sich im Burgenland auf eine 200-Meter-Schutzzone.

Die Hauptsaison für die Wildschweinjagd beginnt erst jetzt – nach Abschluss der Ernte, wie Landesjägermeister Peter Prieler sagt: „So lange Wildschweine in den Feldern genug Nahrung finden, haben Jäger keine Chance.“

Während Ernst Kapai auf den Kosten für Elektrozaun und die Arbeiten im Garten sitzen bleibt, wird die Weinbauschule den Schaden zumindest zum Teil ersetzt bekommen. Als landwirtschaftlicher Betrieb kann die Schule vom Jagdpächter Schadenersatz fordern. Wobei Direktor Markus Prenner, selbst Jäger, schon gesagt haben will, „dass wir niemandem die Schuld geben.“ Allerdings sei der Wildschaden so groß wie noch nie in den letzten Jahren. Wie viel genau, werde derzeit erhoben.
In diesem Fall wurde auch der sogenannte „Schlichter“ der Landwirtschaftskammer Burgenland eingeschaltet. Der Schlichter, das ist eine „fachlich befähigte Person, also jemand, der sich mit landwirtschaftlichen Kulturen auskennt“, wie es Wolf Reheis, Leiter der Pflanzenabteilung der Kammer erläutert. Im Schlichtungsverfahren wird geschätzt, wie hoch der Schaden ist und wie viel der Jagdpächter dem Grundbesitzer zu zahlen hat. Wenn beispielsweise der erwartete Ertrag eines Hektars Kukuruz 1000 Euro beträgt und der Wildschaden etwa 20 Prozent ausmacht, zahlt die Jägerschaft 200 Euro pro Hektar.

Schadenersatz

Ob es heuer ein teures Jahr für die Jäger wird, lässt sich noch nicht sagen, meint Reheis: „Vom Gefühl her glaube ich, dass es mehr sein wird als im Vorjahr.“ Aus einem einfachen Grund: Der lange kalte Winter 2013 hatte der Wildschweinpopulation ziemlich zugesetzt, im vergangenen, milden Winter konnte sich der Bestand wieder erholen – und somit mehr Schaden anrichten. Denn Wildschweine verursachen mit Abstand am meisten Schäden. Wobei Landesjägermeister Peter Prieler heuer dennoch keine Unsummen erwartet.

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