Zwischen Kukurikú und Brekeke: "Ich träume in Deutsch und Ungarisch“

Pädagogin Katharina Dowas hält die ungarische Sprache in Oberwart lebendig. Ein Besuch im Kindergarten.
Eine lachende Frau mit lockigem Haar lehnt an bunten Schaumstoffblöcken in einem freundlich eingerichteten Raum.

Von Vanessa Halla

Acht Uhr morgens im Städtischen Kindergarten Oberwart. Jacken halb ausgezogen, Schuhe noch nicht ganz verstaut – und schon schallt ein fröhliches „Jó reggelt!“ durch den Raum. Manche Kinder antworten sofort, andere brauchen einen Moment, wieder andere hören erstmal nur zu. Kein Druck, kein Muss. Sprache passiert hier einfach.

Guten Morgen auf Ungarisch

Die Frau hinter dem ungarischen Morgengruß heißt Katharina Dowas, ist 46 Jahre alt und als Burgenlandungarin in Oberwart aufgewachsen. Seit 1998 ist die quirlige Frau mit dem Lockenkopf als „Kindergarten-Tante“ im Einsatz.

Dass sie einmal dort landen würde, war eigentlich vorprogrammiert. „Meine Oma war Volksschullehrerin und kam aus Ungarn ins Burgenland“, erzählt sie. Ein Vorbild, das Spuren hinterlassen hat. Die Berufswahl war für Kati früh klar – die Liebe zur ungarischen Sprache gab‘s obendrauf.

Zweisprachige Kinder werden weniger

Ungarisch hat im Burgenland Tradition – nicht nur theoretisch. Aber die Realität verändert sich. „Kinder, die heute wirklich noch zweisprachig aufwachsen, werden immer weniger.“ 

Dafür wird die Mischung bunter: Kiddies ohne Vorkenntnisse, die im Kindergarten ihre ersten ungarischen Wörter aufschnappen. Andere, die aus Ungarn kommen und die Sprache von zu Hause mitbringen. Drei Levels, ein Raum – und mittendrin Kati, die versucht, alle abzuholen.

Mehrere Kinder und zwei Erwachsene sitzen lachend in einer gemütlichen Leseecke mit Büchern und einem Stofftier.

Pamela Wiedner und Kati Dowas wird im Job bestimmt nie fad.

„Nebenbei“ als Konzept

Ihr Konzept? „Mit kleinen Kindern sitzen und Vokabeln lernen, das kannst du vergessen. Bewegung, Sprache und Gesang gehören zusammen“, sagt sie. Und das merkt man. 

Ob beim Gummistiefel-Anziehen, beim Jausnen oder im Morgenkreis – Ungarisch läuft bei Kati im Kindergarten einfach mit. Mal als Lied, mal als Reim, mal als kleine Bewegungsgeschichte über den Osterhasen. Ganz nebenbei – und deshalb so effektiv.

Ein Dauerbrenner: ein ungarisches Lied, das verdächtig nach „Bruder Jakob“ klingt. Die Kinder singen begeistert mit, oft ohne zu realisieren, dass sie gerade die Sprache wechseln. Und dann sind da noch die Tiere. 

Auch der Frosch quakt auf Ungarisch

„Der Frosch macht im Ungarischen nicht Quack, sondern Brekeke“, erklärt Kati Dowas. Und der Hahn? „Kukurikú! Genau diese kleinen Unterschiede machen das spielerische Lernen für die Kids spannend – und nehmen die Scheu.“

Ein großer Dinosaurier-Spielzeug steht auf einer Kiste mit weiteren Spielsachen über einer Garderobe mit Jacken.

 Dinosaurier auf Ungarisch? Dinoszaurusz natürlich! 

Alles kann, nichts muss lautet das Motto von Dowas, die in allen zehn Gruppen im Einsatz ist. „Kein Kind muss bei mir Ungarisch sprechen. Wer nicht mag, setzt sich vielleicht erstmal an den Maltisch. 

Eine neue Welt

Die Kinder haben dann einfach große Ohren“, sagt sie augenzwinkernd. Und meistens dauert es nicht lange, bis sie doch einsteigen. Denn entscheidend ist Vertrauen. „Je besser die Beziehung, desto leichter kommt die Sprache.“ Angst? Komplett fehl am Platz.

Dass Kinder ein Gespür für Sprache haben, lange bevor sie sprechen, steht für Kati fest. „Das beginnt schon im Mutterleib.“ Rhythmus, Klang, Melodie – all das wird früh gespeichert. 

Mehrere Kinder gehen eine Treppe mit orange gestrichener Wand hinauf, an der bunte Kinderzeichnungen hängen.

Ungarisch wird den Kleinsten mit Bewegungsspielen vermittelt. 

Und auch wenn Ungarisch kompliziert wirkt: „Für Kinder ist es eine Welt, die sie neugierig erkunden.“ Und manchmal zeigt sich der Erfolg ihrer Arbeit ganz leise. Wenn plötzlich ein „Nyuszi“ durch den Raum fliegt – das ungarische Wort für Hase. Oder ein liebevolles „Hasi Nusi“. „Das sind die Momente, die hängen bleiben“, freut sich Katharina Dowas.

Langweilig wird der 46-Jährigen in ihrem Beruf genau nie. Neben dem Kindergarten ist Kati auch im Ungarischen Medien- und Informationszentrum (UMIZ) aktiv. 

Mehrsprachige Kinderbücher

Dort schreibt und gestaltet sie mehrsprachige Kinderbücher, organisiert Events und veranstaltet Bilderbuchkinos. Rund 50 Bücher hat sie bereits verfasst. Figuren wie „Sigmund, die Schnecke“ oder „Kitti, das kleine Ei“ begleiten Kinder durchs Jahr – immer zweisprachig, immer mit Herz.

Eine Frau befestigt eine bunte, von Kindern bemalte Schmetterlingszeichnung an einer Pinnwand mit ungarischem Sprachthema.

Kati Dowas: „Im Schwimmbad rede ich Deutsch, mit dem Hund Ungarisch.“

Die Burgenlandungarin ist in beiden Welten und Ländern zu Hause. Privat trifft man sie oft in den angrenzenden ungarischen Orten. „Ich gehe einmal die Woche in Ungarn reiten und besuche auch Feste und Freunde regelmäßig.“

Was sich Kati für die zweisprachige Zukunft im Kindergarten wünscht: „Mehr Personal wäre wichtig.“ Denn Sprache braucht Zeit und Präsenz. 

„Sprache ist immer ein Gewinn. Frühe Mehrsprachigkeit stärkt das Gehirn, man lernt später andere Sprachen leichter. Es kann nie zu viel und auch nicht zu früh sein. Wie heißt es so schön? Was Hans nicht lernt, das lernt das Hänschen nimmermehr.“

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