Polizist als „rotes Tuch“ für Barbetreiber

Ein Mann steht vor einer hölzernen Wand mit dem österreichischen Bundesadler.
Eisenstadt – „Rotlichtbeamter“ soll Prostituierte missbraucht haben. Der Prozess wurde vertagt.

Der Schöffensenat im Landesgericht Eisenstadt hatte am Dienstag keine einfache Aufgabe zu bewältigen. Zu beurteilen ist, ob der 49-jährige Polizist, der sich seit Montag wegen Amtsmissbrauch und geschlechtlicher Nötigung verantworten muss, schuldig zu sprechen ist oder nicht.

Dem „Rotlichtbeamten“ wird vorgeworfen auf eigene Faust „private Kontrollen“ in den Bars durchgeführt zu haben. Waren die „Papiere“ der Frauen nicht in Ordnung, habe er die Prostituierten begrapscht und Oralsex verlangt.

Nachdem sich der seit 2010 suspendierte Beamte nicht schuldig bekannte, wurden am Dienstag etliche Zeugen einvernommen. Zu Beginn des Verhandlungsmarathons beschrieb ein Vorgesetzter den Angeklagten als „korrekten Beamten, der den Dienst immer gesetzeskonform durchgeführt“ habe. „Er war für die Barbetreiber ein rotes Tuch. Der Kollege hatte ein forsches Auftreten und war wegen seiner strengen Art sicher nicht beliebt“, schildert der Vorgesetzte dem Schöffensenat (Vorsitz: Wolfgang Rauter). Ein Barbetreiber habe auch mehrfach über den Angeklagten geschimpft.

Der Unternehmer gibt vor Gericht auch zu, wenig erfreut über die Kontrollen in seinem Lokal gewesen zu sein. Er habe von den „Mädchen gehört, dass einer außerhalb der Öffnungszeiten kommt und kontrolliert“. „Es hat alles daraufhin gedeutet, dass er (der Angeklagte) es war. Ich glaube aber nicht, dass er der Mann ist“, sagt der Barbetreiber jetzt. Er schildert auch, dass es nach der Suspendierung des Angeklagten vermehrt Polizeikontrollen gegeben habe. „Die haben das Haus auf den Kopf gestellt.“

„Aggressive Kontrollen“

Sein Kollege, eine schillernde Persönlichkeit der Rotlichtszene, wird noch deutlicher. „In meinen Bars in Wien wird nie so oft und aggressiv kontrolliert wie im Burgenland.“

Einmal habe er eine SMS von einem Mädchen bekommen: „Bitte komm schnell, große Probleme mit Polizia“. „Die Mädchen haben mir erzählt, dass sie vom Angeklagten belästigt wurden. Sie hatten Angst, auszusagen“, so der Barbesitzer.

Der Prozess wurde zwecks Befragung weiterer Zeugen vertagt.

Mehr zum Thema

  • Hauptartikel

  • Hintergrund

Kommentare