Installateur als Eurofighter-Pilot: Mit 350 km/h durch die Luft
Patrick Janisch aus Kemeten fliegt ferngesteuerte Düsenjets mit Turbinenantrieb und bis zu 350 km/h. Ein außergewöhnliches Hobby, nicht nur im Burgenland.
Von Gernot Heigl
Bereits im Alter von sechs Jahren entdeckte Patrick Janisch (46) aus Kemeten (Bezirk Oberwart) seine Leidenschaft für Modellflugzeuge. Unterstützt von seinem Vater lenkte er einen ferngesteuerten Segelflieger durch die Lüfte.
„Wenn ich da Pech hatte, endeten manche Manöver in einem Absturz – da hat schon ein kurzer Moment der Unaufmerksamkeit gereicht“, erinnert sich der selbstständige Installateur schmunzelnd zurück. „Früher waren meine Flugzeuge aus Holzbausätzen. Wenn da einer am Boden unsanft aufgekommen ist, gab es ein Trümmermeer und einen Totalschaden. Oft dauerte es ein Jahr, bis ich den nächsten Flieger zusammengebastelt hatte.“
Von Methanol zu Benzin
Rauschten anfänglich seine Kunstflugmodelle als „Methanol-Glühzünder“ über den elterlichen Garten und die benachbarten Felder, folgten im Laufe der Zeit vorgefertigte Maschinen mit leistungsstärkeren Zweitakt-Benzinmotoren. In seiner Ära als Hobbypilot hat der Südburgenländer schon weit über 100 verschiedene Modelle geflogen.
Die Düsenjets müssen regelmäßig gewartet werden.
Doch dann wurde ihm die „normale“ Fliegerei mit den Modellen zu langweilig. „Ich wollte unbedingt einen Jet mit Turbinenantrieb. Monatelang habe ich mich eingelesen, damit ich in der Theorie sattelfest bin und sämtliche Steuerschritte kenne. Vor drei Jahren war es dann so weit.“
Als Mitglied des Modellfliegerklubs (MFC) Kemeten, scherzhaft „Bruchpiloten“ genannt, startete er am dortigen Flugplatz erstmals den Eurofighter-Nachbau. Die Daten: Spannweite 1,7 Meter, Länge 2,3 Meter, 15 Kilo schwer, fünf Liter Kerosin an Bord. Das Modell ist ein Nachbau im Maßstab 1:7, sämtliche Details wie Lichter, Klappen, Ruder, Aufkleber und Bewaffnung gleichen dem Original. „Elektronik und Turbine habe ich selbst eingebaut. Alles in allem hat mich das Abenteuer rund 14.000 Euro gekostet. Klar war ich vor dem ersten Flug nervös und angespannt. Da gab es schon ein paar Schweißperlen. Aber: no risk, no fun.“
Mitglieder des Modellfliegerklubs (MFC) Kemeten, scherzhaft „Bruchpiloten“ genannt.
Unter dem Applaus seiner Vereinskollegen hob der Jet mit einem Schub von 18 Kilo ab und erreichte eine Geschwindigkeit von bis zu 350 km/h. „Das war schon irre, echt ein Wahnsinn, vor allem im Vergleich zu meinen vorherigen Geräten.“ Auch die Landung – der heikelste Moment jeden Fluges – gelang perfekt. „Ein geniales Gefühl, pure Faszination. Deshalb habe ich mir noch drei Düsenjets zugelegt“, lächelt Patrick Janisch.
Neuer Jet im Anflug
Inzwischen steuert der Installateur seine Fluggeräte mit einer derartigen Präzision, dass er österreichweit zu Flugshows eingeladen wird. Besonders sehenswert sind die Manöver, in denen er Rauch freisetzt, um dann den Eurofighter in Bodennähe senkrecht stehenzulassen. Beeindruckend ist auch das Flachtrudeln. Im Rahmen pfeilschneller Flugbewegungen rasen die Jets 150 Meter in die Höhe, um dann kurz danach knapp über dem Boden zu fliegen. „Runter bis auf Ameisenhöhe“, scherzt der Hobbypilot. „Um solche Geräte steuern zu dürfen, benötigt man einen Drohnenführerschein, eine behördliche Flugzeugregistrierung und eine Versicherung.“
Die Modelle sind zu spektakulären Manövern fähig.
Auf der Wunschliste von Patrick Janisch steht nun der zweistrahliger Düsenjet „SU-27“ mit einer Spannweite von 2,2 Metern, einer Länge von 3,2 Metern und einem Schub von 28 Kilo. „Ich spare schon darauf.“ Kostenpunkt: rund 18.000 Euro. Normale Modellmaschinen für Einsteiger sind ab circa 500 Euro zu haben.
Gelagert werden die exklusiven Jet-Modelle des Südburgenländers, die bei voller Betankung rund sechs Minuten in der Luft bleiben können, in einer eigenen Werkstatt. Neben laufenden kleineren Reparaturen müssen die in Österreich erzeugten Frank-Turbinen, die eine Abgastemperatur von 750 Grad erreichen, nach 25 Betriebsstunden gewartet werden. In der Luft bewundern kann man die Düsenflieger unter anderem beim Flugplatz in Kemeten. „Da bin ich beinahe jede Woche, auch im Winter.“
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