Chronik | Burgenland
13.09.2018

Mehr Freud‘ als Leid bei der Lese

Weinlese:Kaum Ernteausfälle im Norden, aber in der Mitte und im Süden gibt es teilweise geringere Erträge.

Die Weinlese hat im heurigen Jahr so früh wie noch nie begonnen. Begünstigt durch die warmen Temperaturen und den geringen Niederschlag im Sommer konnten die Winzer im Burgenland rund zwei Wochen früher als üblich starten – mit durchaus unterschiedlichen Ergebnissen.

Während die Weinbauern im Nordburgenland sowohl mit Ertrag als auch Qualität durchwegs zufrieden sind, gibt es aus dem Mittel- und teilweise auch aus dem Südburgenland Klagen über Ernteeinbußen aufgrund von Hagelunwettern. „Was die Mengen betrifft, liegen wir heuer zwar über dem Durchschnitt, die erwarteten Übermengen gibt es aber nicht“, gibt der burgenländische Weinbaupräsident Andreas Liegenfeld einen Überblick über das Land.

„100 Prozent Ausfall“

„Wir sind mitten in der Lese, die Weißen sind schon zu 99 Prozent im Keller. Die Trauben sind schön ausgereift, das Wetter in den vergangenen Wochen hat für die Entwicklung gut gepasst“, sagt Thomas Haider aus Neusiedl am See. „Erstaunlich ist, wie viel Saft die Trauben trotz der großen Trockenheit im Sommer hergeben.“ Seine Region wurde im Sommer weitgehend von Unwetterereignissen verschont.

Anders im Mittelburgenland, wo die Weinlese etwa in den Neckenmarkter Weingärten dieser Tage begonnen hat. „Die Weißweinernte ist abgeschlossen, jetzt ist der Zweigelt an der Reihe“, sagt Gerald Wieder, Betriebsleiter und Kellermeister im Winzerkeller Neckenmarkt. Kommende Woche werde mit der Haupternte, der Lese der Blaufränkisch-Trauben, begonnen. „Wir rechnen damit, dass heuer etwa 35 Prozent der Ernte fehlen werden“, sagt Wieder. Grund dafür sei der Hagel im Sommer, der große Schäden in den Weingärten angerichtet habe.

Auch Winzer Albert Gesellmann aus Deutschkreutz hat alle Hände voll zu tun. Es ist die dritte Woche, in der er erntet. Nach dem starken Regen samt Hagel vor rund zwei Wochen habe er sich Sorgen gemacht. Damit die Trauben nicht zu faulen beginnen, habe er sofort mit der Lese begonnen. „Qualitätsmäßig schaut es sehr gut aus“, sagt Gesellmann. Durch den trockenen Sommer sei die Schale der Trauben ziemlich dick, was wiederum auf kräftige, vollmundige Weine mit einer kräftigen Tanninstruktur schließen lässt. Auch von der Gradation seien die Trauben „top“. Von der Menge her schaue es eher nach einer geringeren Ernte aus. „Wir haben einen Zweigelt-Weingarten, da haben wir ein Minus von 70 Prozent“, beklagt der Deutschkreutzer Winzer. Die Ausfälle durch die Hagelschäden seien von Betrieb zu Betrieb verschieden. „Ich habe auch Kollegen, die haben 100 Prozent Ausfall.“

Verzögerte Reife

Auch im Südburgenland gibt es vereinzelt Winzer, die mit Ernteausfällen zu kämpfen haben. Das sei allerdings von Region zu Region unterschiedlich, sagt Markus Faulhammer vom Weingut Schützenhof in Deutsch Schützen: „In unseren Weingärten am Eisenberg haben wir keine Ausfälle. Anders in Deutsch Schützen, wo der Reifeprozess durch lokale Hagelunwetter teilweise stark verzögert wurde. Das hat natürlich auch Auswirkungen auf den Ertrag.“

Was die Qualität betrifft, ist Faulhammer zufrieden: „Bis der Wein in der Flasche ist, gibt es noch viele Variablen. Aber die Werte passen, deshalb erwarten wir uns qualitativ auch ein sehr gutes Jahr.“ Spannend wird für Faulhammer, wie sich sein erster biologisch zertifizierter Jahrgang entwickeln wird: „Da merkt man schon im Keller , wie vital dieser Wein im Gegensatz zu anderen ist.“