Chronik | Burgenland
27.08.2018

Große Ernte mit starkem Preisdruck

Die Apfelbauern freuen sich über eine ertragreiche Saison, doch der Jubel ist etwas getrübt

Gustav Koch aus Wiesen (Bezirk Mattersburg) hat alle Hände voll zu tun – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Um zwei Wochen früher als sonst hat im Burgenland die Apfelernte begonnen. Und das, obwohl die Blüten im Frühjahr später ausgetrieben haben. Cox Orange ist nicht nur eine alte Apfelsorte, sondern auch die erste, die Koch in seinem Obstgarten erntet. An seinen Genuss-Standl’n Stand bietet er die Früchte an.

Vor rund 80 Jahren hat Kochs Großvater den Betrieb mit dem bezeichnenden Namen „Obstbaugarten“ gegründet. Der Enkel setzt nun seit ein paar Jahren auf eine neue Form der Direktvermarktung. „Das Apfelpflücken in unseren Obstgärten wird bei den Konsumenten immer beliebter“, erklärt der Unternehmer. Ein richtiges „Volksfest“ sei das Ernten des Obstes für die Kunden. „Und noch dazu ist es für unsere Kunden die sicherste Herkunftsgarantie.“ Ab 14. September könne die saftigen Vitaminspender in seinen Gärten in Wiesen und Kobersdorf selbst geerntet werden. Den Kilopreis von 60 Cent halte er seit Jahren, versichert der Landwirt. Kunden kämen sogar über die Landesgrenze hinaus. „Wir sind auch der einzige Betrieb im Burgenland, bei dem man die Äpfel selbst ernten kann“, betont Koch (Infos: www.obstgartenkoch.at).

Appell

Für das heurige Jahr erwarte man von Seiten der Landwirtschaftskammer (LK) eine „große Ernte“. „Als Folge muss aber mit einem überaus starken Preisdruck am Markt gerechnet werden“, erklärt LK-Präsident Niki Berlakovich.

Zwischen 50 und 70 Cent – je nach Sorte – sei in den vergangenen Jahren am Markt für ein Kilogramm Äpfel bezahlt worden. Johann Plemenschits, Präsident des burgenländischen Obstbauverbandes, befürchtet heuer aufgrund der ertragreichen Ernte, dass nur die Hälfte des Vorjahrespreises erzielt werden könnte. Der Obstverbands-Präsident verweist zudem auf die extremen Witterungsverhältnisse – wie Spätfroste, Hagel und Trockenheit – mit denen die Landwirte wohl auch zukünftig zu rechnen hätten. „Ich appelliere an die Agrarpolitik, eine Förderungsoptimierung für produktions- und qualitätssichernde Maßnahmen anzubieten.“

Plemenschits selbst habe in seinem Apfelgarten in Klostermarienberg ein Bewässerungssystem installiert, das nicht nur bei Trockenheit sondern auch bei Frost zum Einsatz kommt. Zum Schutz vor Hagel hat er über seinen Apfelgarten ein Hagelnetz gespannt. Doch all diese Maßnahmen zum Schutz vor Extremwetterereignissen kosten Geld und bedeuten enormen Aufwand. Wolle man einen Teich errichten, müsse man alleine für die wasserrechtlichen Gutachten der Ziviltechniker oft tausende Euro berappen. Fällt das Gutachten negativ aus, war auch die Investition vergebens. „Deshalb braucht es eine Vereinfachung von wasserrechtlichen Bewilligungen, die für die Bewässerung - bzw. Frostberegnung notwendig sind“, fordert der Obstbaupräsident.