Fall Wastl: In den Schuhen des Täters
Es ist einer der rätselhaftesten Kriminalfälle der vergangenen Jahre: Das Verschwinden von Heidi Wastl am 28. September 2001. Die gebürtige Burgenländerin und Mutter eines damals sechsjährigen Sohnes verließ an diesem Tag vermutlich gegen 10.30 Uhr ihr Haus in Wr. Neustadt und ist seither wie vom Erdboden verschluckt. Zum zehnten Jahrestag ihres Verschwindens übten Angehörige im KURIER heftige Kritik an den Ermittlungen von damals und hofften auf die Neuaufnahme des Falls.
Cold Case
Nun ist tatsächlich Bewegung in die Sache gekommen. Der Fall Wastl wurde ein Cold-Case-Fall light. Das bedeutet, dass der Akt zwar weiterhin bei den Wiener Neustädter Kriminalisten liegt, die Leitung jedoch im
Bundeskriminalamt (BKA) angesiedelt wurde. Experten des BKA sollen die Ermittler jetzt unterstützen. "Wir wenden in diesem Fall erstmals die Operative Fallanalyse an. Das heißt, dass speziell ausgebildete Profiler den Fall aufgrund von Tatort-Örtlichkeiten, Tathergang und forensischen Spuren neu untersuchen", sagt BKA-Sprecher Helmut Greiner.
Alles, was von Heidi Wastl von ihrer Jugend bis zum Tag ihres Verschwindens bekannt sei, werde in die Arbeit einfließen. Dadurch versuche man eine möglichst genaue Rekonstruktion des Tatherganges. Es werde versucht, die Verhaltensmerkmale, Motivstruktur und Persönlichkeitscharakteristika des Täters zu treffen. "Wir ziehen uns sozusagen die Schuhe des Täters an und versuchen seinen nächsten Schritt zu erahnen", skizziert Greiner die Arbeit.
Der Ehemann der Verschwundenen, Paul Wastl, sucht seit Jahren vergeblich eine Antwort auf die quälende Frage, was mit seiner Frau geschehen ist. Bei einem Anruf des KURIER zeigt er sich von der Botschaft, dass die Ermittlungen neu aufgenommen werden, völlig überrascht, aber heilfroh. "Das Wichtigste für mich ist, vielleicht doch noch zu erfahren, was geschehen ist. Die Ungewissheit ist furchtbar", sagt Wastl, der den nun 16-jährigen Sohn des Paares alleine großgezogen hat.
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