Chronik | Burgenland
25.04.2018

Ein Pionier bei der Seniorenbetreuung

25 Jahre nach Vision von erstem privaten Heim will Franz Drescher jun. nun alle Bereiche der Pflege unter einem Dach abdecken.

 In einem Kreis sitzen die acht Damen eng beieinander und trinken Kaffee. Es wird geplaudert, gemalt und einige formen aus blauen Dreiecken eine Figur. Statt die vorgedruckten Blumen mit Buntstiften auszumalen, hat Frau Caroline die Farbe, die die Blüten haben sollen, in Worten angeschrieben. Frau Minasch hingegen wandert lieber im Haus herum. „Das Essen nimmt sie während des Gehens ein“, sagt Pflegeleiterin Tamara Dorner.

Bilder aus längst vergangen Tagen, eine alte Kredenz und der Geruch nach Malzkaffee lassen im Haus alte Erinnerungen aufleben. Und das ist gut so. Denn die elf Bewohner des neuen Demenzzentrums sollen sich wie zu Hause fühlen. Das ist Teil des Pflegekonzeptes.

Erstes Privat-Heim

„Gastfreundschaft – das ist schon seit vier Generationen das Motto in unserer Familie“, sagt Juniorchef Franz Drescher. Während seine Urgroßeltern 1918 ein Gasthaus samt Hotel gegründet haben, gelten Franz Drescher junior und sein Vater Franz Drescher senior als Pioniere in der Altenpflege. Und das weit über die Bezirksgrenzen hinaus. Während der Vater 1993 die Idee hatte, das erste private Pflegeheim im Burgenland zu gründen, baut der Junior 25 Jahre später weiter aus. Quasi unter einem Dach befinden sich nun sämtliche Angebote für die ältere Generation. „Ich sehe es als meine Pflicht, alle Bereiche der Pflege abzudecken“, sagt der Juniorchef.

78 langzeitgeriatrische Pflegeplätze gibt es mittlerweile bei Familie Drescher. Die meisten Bewohner haben einen erhöhten Pflegebedarf. Daneben hat der geschäftstüchtige Unternehmer den Trend erkannt und auch zehn Einheiten für das Betreute Wohnen geschaffen. Die Wohnungen werden vor allem von jenen Senioren bezogen, die nicht ins Altersheim ziehen, aber Sicherheit und gewisse Betreuungsleistungen haben möchten.

Seit einigen Wochen bietet Familie Drescher auch elf Heimplätze für demenzkranke Personen an. „Derzeit haben wir ausschließlich Frauen auf der Station“, sagt Leiterin Dorner. Für jene Senioren, die einen erhöhten Betreuungsbedarf haben, wurde ein spezielles Konzept ausgearbeitet, das auf das Hinauszögern des Krankheitsprozesses abzielt.

Rund 5000 Demenzkranke gibt es im Burgenland, die Tendenz ist steigend. Die Nachfrage nach einem Platz im Pflegezentrum von Franz Drescher ist in der letzten Zeit gestiegen. Und das habe nicht nur mit der Abschaffung des Pflegeregresses zu tun, sagt der Chef. „Das hat auch mit der demografischen Entwicklung zu tun, weil die Leute immer älter werden.“

Ende des Jahres will der Unternehmer 14 weitere Wohnungen für das Betreute Wohnen Plus samt Tagesbetreuung schaffen. Von dem umfassenden Angebot in der Altenbetreuung profitiert auch die 850-Seelen-Gemeinde Raiding. Mit dem neuen Angebot wird das Kompetenzzentrum auf 100 zusätzliche Hauptwohnsitzer sowie auf 70 Arbeitsplätze kommen, freut sich Ortschef Markus Landauer.