Chronik | Burgenland
12.07.2018

Die Kirchenglocken haben geläutet

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Die Volksgruppe im Burgenland ist in Feierlaune und freut sich mit den Kickern aus Kroatien

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Mit freudiger Stimme nimmt Stanko Horvath das Telefonat des KURIER entgegen. Der Präsident des Kroatischen Kulturvereins des Burgenlandes (Hrvatsko kulturno društvo u Gradišću) urlaubt mit Frau und Tochter im kroatischen Trogir, wo er Mittwochabend auch das WM-Halbfinalspiel mitverfolgt hat. „Nach dem Match haben hier die Kirchenglocken geläutet und die Schiffssirenen sind ertönt“, schildert Horvath. Auch im Burgenland fiebere man mit den Sportlern mit. Ausschreitungen gibt es hier keine; „Fußball ist eben DER völkerverbindende Sport“, meint Horvath.

Etwa 20.000 bis 25.000 burgenländische Kroaten leben in Pannonien. „Jetzt, wo Kroatien im Finale steht, sind viele stolz auf ihre Wurzeln“, sagt Landtagspräsident und ASKÖ-Präsident im Burgenland, Christian Illedits, und fügt dazu: „Kroatien ist ja das liebste Urlaubsland der Burgenländer.“

Auch Draßburg (Rasporak) ist im Ausnahmezustand: Bürgermeister Christoph Haider (SPÖ), Landtagspräsident  Illedits und  Matea Nikolić  jubeln über den Sieg von Kroatien im Halbfinale. Wer  Fußballweltmeister wird? „Natürlich Kroatien“, sagt das Trio

Die Liste der Prominenten aus der Volksgruppe ist lang. Sie reicht von Ex-Bundeskanzler Fred Sinowatz, über Boxlegende Hans Orsolics bis zu den drei Resetarits-Brüdern. Auch die TV-Talkerin Barbara Karlich hat kroatische Wurzeln. Sie ist sich sicher: „Kroatien ist Fußballweltmeister 2018“, wie sie erklärt: „Es tut mir leid, liebe Franzosen“.

Die Vorfahren der Burgenland-Kroaten waren Migranten, die nach der ersten Türkenbelagerung im Jahr 1529 flohen. 100.000 Kroaten siedelten sich im Grenzgebiet von Österreich, Ungarn und der Slowakei an.

Kerngebiet Burgenland

Kern des Siedlungsgebietes war das heutige Burgenland und der östliche Teil Niederösterreichs. Im Juli 2000 wurden in 47 Gemeinden bzw. Ortsteilen zweisprachige Ortstafeln aufgestellt.

Illedits erinnert sich zurück: Damals war er SPÖ-Bürgermeister in der Gemeinde Draßburg (Rasporak) im Bezirk Mattersburg. „Im Vorfeld gab es schon etliche Diskussionen um die zweisprachigen Ortstafeln.“ Die Schilder seien auch übermalt worden. Damals sei es vielen peinlich gewesen, Mitglied der Volksgruppe zu sein. Das Erlernen der kroatische Sprache sei vernachlässigt worden, sagt auch der derzeitige Bürgermeister Christoph Haider (SPÖ). Das ändere sich nun.

 

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