Chronik | Burgenland
01.06.2018

Der Direktor lässt die Puppen tanzen

Lorenz Janeschitz war weltweit auf Tournee, jetzt hat er im Burgenland auf kleiner Bühne Großes vor

Hinter einer unscheinbaren Fassade im verschlafenen Ort Kroatisch Geresdorf im Mittelburgenland würde man das nicht vermuten. Hier wohnt Lorenz Janeschitz – und mit ihm mehr als 1000 seiner „engsten Freunde“. Seit 40 Jahren ist Janeschitz Theaterdirektor. Und er war, wie er versichert, Direktor im kleinsten Theater der Welt. In Kroatisch Geresdorf baut er sich nun eine neue Kleinkunstbühne mit 35 Sitzplätzen auf. Seine Protagonisten erweckt er persönlich zum Leben.

Janeschitz blickt auf ein bewegtes Leben zurück. Schon der Start war beeindruckend: 1950 erblickte er in Neunkirchen, NÖ, das Licht der Welt, und zwar bei einer Freilandgeburt, „als die Achse des Ochsengespanns brach“.

„Prager Frühling“

Schon als Kind habe er seine Liebe zum Puppenspiel entdeckt. Als er mit seiner Familie nach Wien zog, hat er dort jede Woche den Kasperl besucht. Das hat ihm so gefallen, dass er mit 18 Jahren beschloss, seine Träume zu verwirklichen. Er ging nach Prag, um dort Theaterwissenschaften zu studieren und eine Ausbildung zum Kostüm- und Bühnenbildner zu absolvieren. 1968 wurde er während seines Studiums auch Zeitzeuge beim „Prager Frühling“ und dem Einmarsch der Russen.

Den in Prag erworbenen Magister-Titel durfte Janeschitz in Österreich nicht führen. „Meine Mutter hat darauf bestanden, dass ich was gescheites lerne.“ Deshalb habe er eine Ausbildung zum Koch und Konditor gemacht. Seine Leidenschaft zum Puppenspiel hat Janeschitz trotzdem nie verloren. „Ich habe in der Nacht gekocht und untertags war ich als Puppenspieler in Kindergärten unterwegs.“

In den 1980er Jahren sei er am Höhepunkt seiner künstlerischen Karriere angelangt. In einer Halle bei der Alserkirche richtete sich Janeschitz das kleineste Theater der Welt, das „La Petite“, ein. Achtzehn Sitze und ein außergewöhnliches Programm waren das Erfolgsrezept. Künstler wie Muckenstrunz und Bamschabl, Adi Hirschal und Cissy Kraner sind hier aufgetreten.

Und was war sein größter Erfolg? „Die Aufführung der Oper ’Das Nachtlager von Granada’.“ 146 Puppen hat er dafür selbst gefertigt, die Oper wurde von zwölf Puppenspielern bei den Wiener Festwochen aufgeführt. „Wir waren damit sogar auf Tournee in Taiwan, Japan, Korea und Australien. Mein Gott, war das aufregend.“

1300 Puppen hat Lorenz Janeschitz in seiner Karriere aus Pappmaschee gemacht. Die Kleider näht ihm die Kremserin Maria Pospisil. Und seit elf Jahren bildet er mit der Güssingerin Sylvia Hanzl ein künstlerisches Team. Derzeit werkt Janeschitz am Feinschliff für seine neue Kleinkunstbühne in Kroatisch Geresdorf. Hier werden künftig nicht nur Kasperltheater für Kinder, sondern auch Kleinkunstabende für die Erwachsenen am Programm stehen.

Am Samstag, 2. Juni (15 Uhr), geben sich „Kasperl und die Zauberkiste“ bereits im neuen Theater die Ehre. Was sich Janeschitz noch wünscht? „Ich bräuchte einen Sponsor für ein Auto. Denn ich hätte Aufträge bis nach Vorarlberg.“

Info: 0676/469 10 63