Casting als Eintritt in die "Superwelt"

Ein Mann mit Brille und Bart schaut aufmerksam zur Seite.
Karl Markovics sucht Komparsen für seinen neuen Film / Fast 600 haben sich dafür beworben.

"Den Zettel mit der Nummer höher halten, Kapperl runter und bitte lächeln!", der Fotograf der Casting-Agentur gibt kurze Anweisungen fürs Foto und damit ist der erste Schritt in Richtung Hollywood getan – möglicherweise. Jung und Alt, Groß und Klein, ganze Familien und viele Jugendliche stehen Montagabend im Eisenstädter Jugendtreff E-Cube geduldig in einer langen Schlange, um eine Statistenrolle im neuen Projekt von Karl Markovics zu ergattern.

Unter seiner Regie wird diesen Sommer der Film "Superwelt" mit Ulrike Beimpold in der Hauptrolle gedreht. "In Bruck an der Leitha und Umgebung, in Parndorf – viele Drehorte müssen aber erst fixiert werden", erklärt Regieassistentin Alexandra Selikvosky. Außergewöhnlich an dem Filmprojekt ist, dass Markovics die gesamte Komparserie und auch kleinere Sprechrollen mit Bewohnern aus der Region besetzen will. Für Selikvosky eine neue Erfahrung: "In diesem Ausmaß haben wir das noch nie gemacht. Der große Response freut uns extrem."

Bei zwei Castingterminen in Bruck an der Leitha und eben in Eisenstadt haben sich fast 600 Personen beworben. Egal, wen man fragt, erstaunlich viele können schon über – wenn auch kleine – Erfahrungen mit Film und Fernsehen berichten. So auch die Eisenstädterin Heike Galley: "Ich war als Studentin bei einem Film mit Angelica Domröse dabei. Das war toll." Wobei dieses Mal ihre Tochter Stefanie Knebel die treibende Kraft ist. Die Schülerin dreht selbst mit ihren Freundinnen Filme. Sie hofft, im Sommer "den Profis über die Schulter schauen zu können." Es ist egal, welcher Regisseur am Ruder ist: "Das könnte auch ein James Bond sein", meinen Mutter und Tochter.

Komparsen-Profis

Ein Komparsen-Profi ist Miklos Nemeth aus Sopron. Er war schon mit Klaus Maria Brandauer in einem Film von István Szabó zu sehen: "Mein Name stand sogar im Nachspann", berichtet Nemeth stolz. Außerdem hat er in einer Oper und im Theater mitgespielt. Nun versucht der Pensionist mit seiner Frau Kathalin, nach dem Motto "Dabei sein ist alles" beim Markovics-Film eine Statistenrolle zu bekommen. Enttäuscht, wenn es nichts wird? "Nein, wir haben ja nichts zu verlieren", meinen die Nemeths.

Die Bühnenerfahrung, die Kurt Hahofer aufzuweisen hat, beschränkt sich auf seine rechte Hand. "Ich hab bei einer Opernproduktion der Haydn Festspiele als Kulissenschieber gewerkt und war einmal pro Abend die Hand vom Tod", erzählt der Hornsteiner grinsend. Dieses Mal dürften seine Chancen, ganz ins Bild zu kommen, größer sein. Denn er ist mit seinen beiden kleinen Töchtern Johanna und Paula angerückt. Regieassistentin Selikvosky zeigt sich angetan, denn Familien werden gesucht. Ebenso wie Lkw-Fahrer, Bauarbeiter, ältere Damen, die turnen können, und und und.

"Wir brauchen eine bunte Mischung", erklärt Selikvosky. Von allen Bewerbern werden bis zu 300 Leute ausgewählt, das dürfte ein paar Wochen dauern. Wer trifft die Letztentscheidung? "Natürlich Karl Markovics."

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