Zum Abspecken motiviert

Fitnesscenter werben mit strahlenden Vorbildern - oder schlechtem Gewissen. Letzteres ist lustiger.

Manchmal bräuchte es keinen Slogan. Dass es höchste Zeit fürs Fitness-Studio ist, wird beim Anblick dieses Plakates jedem klar. Ebenfalls ein untrügliches Zeichen, dass ein baldiger Besuch in der Muckibude empfehlenswert ist. Wer hätte das gedacht: Als Werbung für Fitness-Studios hat auch das berühmte Maurer-Dekolleté seinen Reiz. In diesem Fall fällt es auch gar nicht aus dem Rahmen - sprichwörtlich, eh klar. Wer rastet, der rostet - oder wird fett. Im Fall von Michelangelos "David" gilt das besonders. Immerhin steht der einstmalige Jüngling seit geschlagenen 500 Jahren in Florenz rum. Für die meisten Männer wohl das überzeugendste Argument für einen Besuch im Fitnesscenter. Die ersten Nacktscanner wurden mittlerweile wieder abgebaut. Die Aufregung um die übertriebene Sicherheitsmaßnahme war aber nicht der Grund dafür - die Röntgengeräte hatten einfach zu lange Warteschlangen verursacht. Vielleicht waren sie ja als Motivation, endlich ins Fitness-Studio zu gehen, ganz hilfreich. "Hm, vielleicht bin ich ja schwanger", fragt sich dieser Mann auf dem Werbeplakat einer kanadischen Fitness-Kette. Eigentlich ja unmöglich. Aber um auf Nummer sicher zu gehen, befragt man am besten doch auch gleich mal den Frauenarzt - der muss es ja wissen. Und erst wenn dann auch auf dem Ultraschall nichts zu sehen ist, sollte man sich auf ins Fitness-Studio machen. Aber: "Netter Versuch." Umgekehrt wär's eine Schande. Bitterböse: Die Evolution der dicken Frau im Fitness-Studio. Die simpelsten Ideen sind oft die besten. Ein einfacher Pappständer reicht und aus einem schnöden Strommasten wird ein Kraftprotz von den schottischen Highlands. Man muss nicht immer auf die Couch-Potatoes hinhacken. Im Gegenteil: Wer kräftig trainiert, der kann sich später seiner Couch entledigen - alleine. Erstaunliche Kniepressen an erstaunlichen Orten. Hängen die hier nur so rum? Nein, auch Fitness-Studios haben überlebensgroße Werbebanner im Repertoire. Ebenfalls sehr gelungen: Ein Strohhalm als Werbegeschenk. Sollten Sie sich jemals zu der peinlichen Aktion hinreißen lassen, ihren Allerwertesten zu kopieren und Ihr Chef Ihnen nur einen mitleidigen Blick und ein Gutschein für ein Fitness-Studio zustecken, dann besteht wirklich Handlungsbedarf.

Vitali und Wladimir locken mit makellosen Körpern und breitem Grinsen. Mit strahlendem Vorbild gehen die beiden Paradeboxer in der Werbung für die größte Fitness-Studio-Kette Europas voran – das mag zwar motivieren, ist aber langweilig.

Wer die Fitnesscenter von innen kennt, weiß: Interessant wird’s erst, wenn statt des gestählten Sixpacks ein jahrelang gepflegter Bierbauch vom Plakat prangt und an das schlechte Gewissen appelliert. Damit können sich dort nämlich deutlich mehr Menschen identifizieren. Und für alle anderen gilt: Schadenfreude ist noch immer die schönste Freude. Die frechsten Werbungen im Überblick:

(KURIER / kob) Erstellt am
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