Werbung einmal anders

In unseren Breitengraden ist Werbung meist langweilig und unkreativ. Aber es geht auch anders. Beispiele gefällig?

Werbung ist überall. Sie verstopft den Briefkasten, plakatiert die Stadt, nervt mit Pop-Ups und unterbricht die spannendsten Filmszenen im Fernsehen. Trotzdem bleiben die wenigsten im Kopf hängen. Doch es geht auch anders. Gibt's nicht? Doch. 

"Sex sells!" Das weiß auch eine weitverbreitete Sandwich-Kette. Deshalb geht bei ihnen auch mehr als die Hälfte des Plakats für dieses einzelne Wort drauf - nur um kurz darauf den verdutzten Leser mit "Jetzt, da wir ihre Aufmerksamkeit haben,..." bloßzustellen. Mit dem Thema Sex kann man auch indirekt umgehen, wie dieses Beispiel zeigt: "Männer sind Schweine" sangen schon "Die Ärzte" und viele Frauen würden ihnen Recht geben. Besonders, wenn sie "am Morgen danach" mit dem falschen Namen angesprochen werden. Ein Post-It schafft auf einfache Weise Abhilfe und sorgt dafür, dass man nicht gleich nach dem Aufstehen eine "Watschn" kassiert. Verwendet Mann Axe, rennen ihm Frauen die Bude ein. Das verspricht zumindest die Werbung. Diese Botschaft verbreitet der Deo-Produzent auch mit Guerilla Marketing. Diese Sticker verleihen Notausgangs-Schildern plötzliche eine ganz andere Bedeutung. Dem "Exit-Männchen" rennen hysterische Frauen nach - kein Wunder, dass er immer flüchtet. Eine wallende Mähne wie ein Löwe auf dem Kopf zu tragen, ist der Traum vieler Menschen. "Timotei" dreht den Spieß um und verpasste einem Löwen eine gepflegt gescheitelte Haarpracht. Ob auch ein gewisser Wiener Schwiegersohn in Spe und selbsternannter Supermanager diese Marke verwendet? Rasieren gehört für die meisten Menschen zur täglichen Hygiene. "Bic"-Rasierer können noch mehr. Mit ihnen lässt sich sogar der Rasenmäher sparen - zumidest wenn man genug Zeit und Geduld hat. Spiderman ist tot! Ein einfacher Insektenspray hilft gegen den Superhelden. Wenn das der "Grüne Kobold" oder der "Sandman" schon damals gewusst hätten, würde der Spinnenmann wohl nicht mehr unbekümmert durch die Stadt schwingen. Auch die Werbung zu dem Tarantino-Film "Kill Bill" erregte einiges Aufsehen. Mit einem Samuraischwert bewaffnet, ließ Uma Thurman Blut über die Gebäudefront, Straße und Autos spritzen. Man sieht gleich, was einen im Film erwartet. Auch "Braun" nimmt sich dem Mord und Totschlag an. Allerdings beschränken sie sich auf Schneemänner. Und was ist das beste Mittel gegen Schnee? Richtig, Wärme. Deshalb wird bei "Braun" auch mit einem Fön und nicht mit einer Pistole gedroht. Kaum hat der Mensch seinen Job erledigt und will endlich den verdienten Feierabend genießen, da braucht er halt etwas zum Essen. Das weiß auch "Burger King". Die werben hier mit dem "Scream"-Mörder, der die längeren Öffnungszeiten genießt - denn sein "Feierabend" beginnt oft erst mitten in der Nacht. Das Kind im Manne freut sich über diese Werbung. Konnte man früher kleine Spielzeugautos durch Loopings und Todeskreisel jagen, ist das mit dem echten Auto quasi unmöglich. "Hot Wheels" schafft es trotzdem, zumindest aus dieser Perspektive. Teure Uhren kann sich nicht jeder leisten, anprobieren hingegen schon. Ob sich jedoch in einem Linienbus die Kunden für die nicht ganz billigen "IWC"-Uhren finden ist fraglich, denn ein Erste Klasse-Abteil sucht man dort meistens vergeblich. Da ... ... passt die Werbung für ein Fitness-Studio schon besser in das Fortbewegungsmittel der Working Class-Heroes. Außerdem sieht es bei jedem Menschen gut aus, wenn er schwere Hanteln mit einer Hand stemmen kann. Ein türkisches Sportwarengeschäft hat sich für seine Einkaufstaschen ebenfalls ein interessantes Design ausgesucht. Seilspringen soll ja bekanntlich gesund sein. 
Auch mit österreichischem ... ... Flair lassen sich Produkte bewerben. Während der EM 2008 benutzte "Adidas" das Wiener Riesenrad als überdimensionale Werbefläche. Der tschechische Team-Golie, Haubenmann Petr Čech, erinnerte dabei ein bisschen an eine indische Gottheit. "Nothing can stop us." Der Werbeslogan von "DHL" wird von der Firma wörtlich genommen. Die Zusteller gehen dabei soweit, dass sie im dichten Schneefall einen Wolkenkratzer erklimmen, nur um das Paket direkt beim Kunden abzuliefern.  Einen Lift kann ja jeder nehmen. Der Konkurrent ... ... "FedEx" macht es sich da schon leichter. Der Pakettransport  von England nach Spanien kostet sie gerade einmal einen Blick aus dem Fenster. "Bic" hilft nicht nur beim Rasieren und Feuer anzünden, sondern auch beim Schummeln. Die Schüler freut's. Und sind wir uns ehrlich, wer sich bis zur Matura erfoglreich durchschummelt, ohne erwischt zu werden, hat es sich auch wieder irgendwie verdient ... Zwischen dem Schummeln und Arbeiten braucht man ab und zu einen Kaffee. Diese Kaffeemarke nutzt die Ausdünstungen eines Kanals, um der aufgeklebten Kaffeetasse den nötigen Dampf zu geben. Ob dieser Nebel aber auch wirklich Kaffeearomen in die Nase zaubert und nicht eher nach Kanalisation stinkt, bleibt die Frage. Hat man sich endlich das Feierabend-Bier verdient, muss man aufpassen, dass es einem nicht vor der Nase weggeklaut wird. Durst der anderen Sorte haben Vampire, die wollen Blut. Damit zählen sie offenbar auch zur Zielgruppe für Tampon-Hersteller. Aber auch die Konkurrenz versteckt sich nicht. "Tampax" wirbt sogar damit, dass ihre Produkte so stark wie der Hoover-Damm in den USA sind. Auch für ernste Themen wird Werbung gemacht. Wenn diese noch dazu kreativ ist, denkt man vielleicht eher über das Problem nach. Die "Save Water"-Kampagne zeigt auf eindringliche Weise, dass unsere Ressourcen knapp sind. Einen besondern Parkplatz gibt es in den USA für betrunkene Autofahrer. In Deutschland ... ... hingegen gibt es Aschenbecher der lungenförmigen Art. Damit auch jeder Raucher sieht, wie sich seine Lunge langsam mit Teer füllt. Zum Abschluß noch einmal weg von den ernsten Themen und hin zu einer Kinowerbung. Die "Utopulis" Kinos in Belgien veralbern in ihren Plakaten Kinofilme. Gemäß ihrem Motto "Reality Sucks".
(kurier.at / moe) Erstellt am
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