Virtuelle Stars: Gorillaz vs. Hologramm-Girl

Die Comic-Band Gorillaz befindet sich gerade auf ihrer möglicherweise letzten Tour. In Japan begeistert die virtuelle Sängerin Hatsune Miku als Hologramm ihre Fans.

Die Gorillaz – Damon Albarns virtuelle Comic-Band – befinden sich gerade auf Tour und begeisterten am vergangenen Wochenende in Berlin. Während Albarn längst an weiteren avancierten Musikprojekten bastelt, verfolgen andere weiterhin das Prinzip des Cyber-Stars zum Nichtangreifen – und bauen es sogar aus. Wie man an Hatsune Miku aus Japan sieht (rechts). … Der Ex-Blur-Sänger Damon Albarn hat sich die Gorillaz vor gut zehn Jahren gemeinsam mit "Tank Girl"-Zeichner Jamie Hewlett ausgedacht - eine virtuelle Band, die den Kult um Musiker unterwandern sollte. ... Mit Hits wie "Clint Eastwood" und "Feel Good Inc." zeigten sie, dass sich auch abseits des klassischen Starprinzips Millionen Platten (bisher an die 20 Mio.) verkaufen lassen.

Bild: Gorillaz-Figuren 2D und Murdoc (rechts) im Video zu "Clint Eastwood". In Form von Comic-Videos ließen sich die Figuren 2D, Murdoc Niccals, Noodle und Russel Hobbs ja gut darstellen. An Grenzen stieß das Konzept allerdings bei den Live-Konzerten: ... Anfänglich spielten die Gorillaz-Musiker hinter Vorhängen, während darüber auf Leinwänden Videos von den virtuellen Comic-Figuren liefen. Ihre Fans hätten sie damit verärgert, sagte Albarn im Rahmen seines Deutschland-Aufenthalts. 2006 experimentierten die Gorillaz mit holographischen Einspielungen, als Madonna (die Echte) bei den Grammy Awards zu "Feel Good Inc." zwischen den 3D-Abbildern der Gorillaz-Figuren herumstakste. 

Link zum Video siehe unten. Im Berliner Velodrom spielten die Gorillaz am Sonntagabend neben ihren älteren Hits auch Songs aus dem aktuellen Album "Plastic Beach", wie den schnulzig-schönen Popfetzen "On Melancholy Hill". Im Video zu "Stylo" zückt Gast-Videostar Bruce Willis die Knarre und zielt auf die Comic-Helden. Die Reizüberflutung ist weiterhin Thema und Stilmittel der auch kommerziell erfolgreichen Konzeptband. Die Show beginnt mit einem Flug zu einer Pazifik-Insel, die auf einem Müllberg aus dem Meer ragt. Tanzende Derwische, abgeschossene Flugzeuge, Revolver und Fast Food flimmern über die Leinwand. Es geht um Gewalt, Krieg und Überfluss. Längst verstecken sich die realen Musiker aber nicht mehr hinter Vorhängen. So großartige Gastmusiker wie Neneh Cherry, De La Soul, Bobby Womack sowie die Clash-Veteranen Mick Jones und Paul Simonon (Bild) wollen schließlich auch hergezeigt werden. Das strenge Konzept der virtuellen Stars scheint Damon Albarn also aufgegeben zu haben. Die Musik dringt wieder mehr in den Vordergrund. Überhaupt hat Albarn bereits neue internationale Musikprojekte in Vorbereitung, die aktuelle Gorillaz-Tour könnte auch die letzte sein. Während die Gorillaz-Figuren also bald nicht mehr über die Bildschirme huschen werden, scheint in Japan das Interesse an virtuellen Stars hingegen nicht abzureißen (rechts im Bild: Cartoon-Figur Hatsune Miku). Da sieht man auf etwa auf YouTube-Videos ein Schulmädchen mit langen, türkisen Zöpfen auf einer Bühne herumspringen und tausende japanische Fans johlen und feuern die Sängerin mit leuchtenden Stäben in der Hand an. Eine Sängerin? Bei genauerem Hinsehen ist es nur ein Hologramm ….. Es ist Hatsune Miku, ein Popstar, an dem nichts echt ist - von den Bewegungen bis zur Stimme komplett in Digital-Studios hergestellt. Vocaloid heißt die Technik, mit der die Stimme von Miku generiert wird. Der gespenstisch anmutende Name der Firma, die hinter diesem post-postmodernen Cyber-Wesen steckt, lautet "Crypton Future Media". Ob es wirklich die Zukunft ist, was in japanischen Konzerthallen als rockiges Live-Erlebnis abgefeiert wird (siehe Videolink unten)? Das Album "Exit Tunes presents Vocalogenesis feat. Hatsune Miku" erreichte in Japan heuer sogar Platz 1. Das ist dem 2007 zum ersten Mal vorgestellten virtuellen Star davor noch nicht gelungen. Neben der Adaptationsfähigkeit für Computerspiele und Animationsfilme bietet das Konzept von Hatsune Miku einen weiteren unschätzbaren Vorteil: Computerwesen sind eben berechenbar, haben keine Skandale wie Lindsay Lohan und werden nicht älter – wie Miley Cyrus. Miku bleibt stets 16 Jahre alt.
(KURIER.at) Erstellt am
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