Trackshittaz: "Wir san hoit Proleten"

"Helden von morgen"-Partykanone Lukas Plöchl und Manuel Hoffelner im KURIER.at-Interview über ihr neues Album "Prolettn feian längaah".

Bei "Helden von Morgen" wurde Lukas Plöchl Zweiter, ebenso bei der Österreich-Vorausscheidung zum Song Contest. Aber: Er ist mit Abstand jener Absolvent der ORF-Castingshow, der den längsten Atem hat. Und nun veröffentlicht er am 1. Juli mit seinem Kompagnon Manuel Hoffelner (links im Bild) das zweite Trackshittaz-Album. Die Mühlviertler Traktor-Gangsta-Rapper (laut Eigendefinition) geben sich darauf noch eine Stufe erdiger und rufen das Motto aus: "Prolettn feian längaah"
KURIER.at bat Manix und G-Neila (Plöchl) an einem Ort mit ausreichendem Erdigkeitsfaktor zum Interview und erfuhr unter anderem, was Musik mit Sport zu tun hat. Zum Weiterklicken... KURIER.at: Bei euch ist ja in den letzten Monaten ziemlich viel passiert. Warum kam das zweite Album so derart schnell (fünf Monate) nach dem ersten heraus?
Lukas: Da steckt a Strategie dahinter ... (lacht) 
Manuel: Wir san nämlich ausgefuchste Typen. (lacht)
Lukas: I glaub', man sollte weggehen vom typischen Album-Denken. Es is' ned g‘scheid und sinnvoll, alle zwei Jahre ein Album mit 20 Tracks rauszubringen. Da entwickelt sich die Nachfrage einfach nicht hin, vor allem mit den neuen Medien, das geht alles schneller. Regelmäßig rausbringen ist einfach viel g‘scheider. Mit weniger Tracks, aber in kürzeren Zeitabständen. Die Fans sollen öfter was haben, aber ned ganz so viel, dafür aber auch billiger (ihre CD kostet 9,90 Euro, Anm.)
Manuel: Ich kenne das von mir selbst, i schau' ja auch im Internet nach, ob's neue Tracks von Lil' Wayne gibt. Sobald es etwas im Netz gibt, will man es haben.

Bild: Manuel Hoffelner (links) und Lukas Plöchl im "Perchtenbräu" in Wien-Margarethen Bei anderen Musikern dauert der ganze Prozess aber meist länger. Ihr habt ja angeblich 80 Songs fertig in der Schublade liegen ... 
Lukas: Ja, das stimmt. Hm, warum brauchen andere länger, um Lieder zum schreiben? (denkt nach) Ich sehe mich selbst nicht als Künstler. Ich seh mich auch nicht als den klassischen Musiker. Ich sehe das Musikmachen eher als Sport. Man trainiert, macht Einheiten und lässt einfach alles raus. Und auch wenn's ned ganz selbstverständlich kummt, schreib i trotzdem was. Deswegen sind wir schneller.

Bild: Manuel Hoffelner (links) und Lukas Plöchl im "Perchtenbräu" in Wien-Margarethen Manuel: Beim ersten Album war's anders. Da haben wir müssen. Das war mehr Stress.
Lukas: Ja, um die Popularität durch 'Helden von Morgen' zu nutzen. Effektiv haben wir damals neun Tage gemeinsam am Album gearbeitet. Davor hatten wir gerade mal drei Lieder oder so fertig. Wie ist bei euch die Aufteilung? Was ist deine Rolle bei Trackshittaz, Manuel?
Manuel: I geb' dem Ganzen erst an' Pfiff (lacht laut los).
Lukas: Ich mach einmal den Beat. Da sind dann meist schon Teile vom Refrain mit drin. Und mit einem halbfertigen Beat und Refrain kommt's dann zum Manuel. Und er schreibt dann parallel zu mir. Und nachher tua' ma's z'samm.
Manuel: Und dann hob ma a fetziges Liad. (lacht) Und ihr schreibt eure Texte wirklich nüchtern?
Lukas: Ja sicher, das is ja auch alles so g'meint, wie's g'sogt is.
Manuel: Prinzipiell schon, aber "Alloa bam Fraunz" hat a Restfett'n g'hobt.
 
Wie oft macht ihr selbst Party, von der ihr in den Songs oft singt?
Manuel: Nach den Auftritten gehen wir meistens schon noch a bissl feiern, wenn's sich ausgeht.
Lukas: Ja, wir haben das Partymachen zum Teil unseres Berufs gemacht. Wir gehen jetzt weniger 'einfach so' fort. Früher waren wir öfter im Empire in Linz. Ihr geht also gern in sogenannte Prolohütten?
Lukas: Ja sicher, wir kumman ja von dort. Wir sind da stolz drauf und finden es nicht abwertend, wenn du 'Prolohittn' sogst. Für mich ist das eine Definition, welche Leute dort sind und für mich ist das nix Negatives. Ich zeig auch gern her, was i hob und moch gern an drauf und deswegen bin i hoit a Prolet! (lacht)

Aber Manuel ist ja eher Hiphopper ...
Manuel: Na ja, Hiphop und prolettig ist jetzt ned so weit entfernt. I hab' ja auch "nice" Schuhe an... (lacht)

Bei eurem neuen Album habt ihr das ja ganz stark nach außen getragen. Die CD nennt sich "Prolettn feian längaah", die erste Single heißt auch so. Wie ist die Idee entstanden, zu sagen, wir stehen dazu und machen das zum Leitmotto?
Manuel: Das war eine Phrase von mir in einem Lied vom alten Album. Hmmm, und wie war das dann eigentlich?
Lukas: Wir wollten an die alte CD anschließen, wo ma scho mit'm Presslufthammer vorg'fahren sind. 'Oidaah, pumpn muass's 2' wäre aber ein wenig zu fad g‘wesn. Wir sind eben in die Verlängerung gegangen, wir gehen halt in Clubs und sind Proleten. Daher: 'Prolettn feian längaah'. Aus, Amen. Länger als wer feiert ihr eigentlich? Wir haben gelesen, ihr seid gegen Spaßbremsen. Wer ist zum Beispiel eine Spaßbremse?
Lukas: A Spaßbremse ist einer, der fortgeht und nur meckert. Da is's g'scheider, er legt sich ins Bett. Das sind Leute, die Probleme haben zu feiern.
Manuel: Es gibt eben Leut', die gehen fort, stellen sich in eine Ecke und schauen Leut' schief an, die a Gaude haben. Ihr seid ja jetzt beim Donauinselfest vor Sido aufgetreten. Der hat dir als "Helden von Morgen"-Juror ja quasi die Lizenz zum Rappen entzogen …
Lukas:  Für mi war das eine Feststellung von ihm, die ich gar nicht so schlecht g’funden hab‘. I wü nämlich gar ned, dass man Trackshittaz zuviel im Hiphop sieht, weil wir uns in kein Genre hineingedrängt sehen wollen. Wir woll’n des mach’n und so red’n, wie uns der Mund g’wachsen ist. I hob mi außerdem recht guat verstand‘n mit’m Sido. Er ist hinter dem ganzen Rappen ein guter, bodenständiger, ehrlicher Kerl. Manuel, hast du Sido auch kennengelernt?
Manuel: Eigentlich nicht so, nur bei einer "Helden von Morgen"-After Show Party haben wir kurz gesprochen, was aber eher keine Party war, sondern eher ein After Show-Einschlafen …

Waren zuwenig "Prolettn" dort?
Lukas: Ja, des aa. Aber wenn so ‚Aff’n‘ wie wir vom Land zu so etwas kommen, dann is’ma des ned g’wohnt, dass man bei einer Party nur herumsitzt. Ihr bekennt euch in euren Texten ja eindeutig zum Landleben …
Manuel: Es gibt ja auch viele bei uns im Dörfl, die richtig stolz san drauf, und sagen: "Na und, bin i hoit a Bauer".
Lukas: Was heißt "Na und"? - Jawohl! Man darf auch stolz sein. Genauso wie auch ein VOESTler stolz drauf sein kann, dass er Eisen verbiegt, kann auch ein Bauer stolz auf seine Ernte sein.

Eure Texte sind teilweise wie bei "Gugarutz" oder jetzt bei "Grüllarei" voll von sexuellen Anspielungen, da braucht man keine große Fantasie dafür …
Manuel: Wie kommt's ihr denn jetzt auf des? (lacht)

Wie kommt das eigentlich bei Frauen an?
Lukas: Super! Was sagt eigentlich deine Freundin dazu, wenn du wie in "Gugarutz" über deine Qualitäten singst und über Frauen, die davon begeistert sind?
Lukas: Das hat ihr prinzipiell vom Text her schon getaugt. Sie hat bei "Gugarutz" eher die Kopfstimme und den Refrain kritisiert. Aber: Jeder Mann, der behauptet, dass er andere Frauen nicht attraktiv findet, der lügt. Ich hab halt hier die Sprache verwendet, wie ma sich beim Fortgehen unter Männern so ausdrückt.

Ihr habt ja das Wort "Fruttn" in den Pop-Sprachgebrauch eingebracht.
Lukas: Da sind wir auch stolz drauf …
Manuel: Das gibt’s nämlich auch im Deutschen. Eine Mischung aus Frau und Frucht, mit dem Synonym: Tussi. Es ist afoch a cooles Wort. Und "Fruttn" klingt im Text oft besser als zum Beispiel "Bitch".
Lukas: Und da sind wir beim springenden Punkt: Sprache hat immer eine Energie dahinter. Wenn jetzt ein amerikanischer Rapper, den's im Radio rauf und runter spielen, irgendwas von "Lollypop, Lollypop" singt, und das noch mehr anpreist als wir, dann wird den in Österreich kein Interviewer fragen, warum er über seinen Schwanz singt. 

Aber ihr verwendet im Lied "De Würfin san g’foin" sogar uncodiert das Wort "Schwanz"…
Lukas: Da wollten wir einfach das Brachiale, Aggressive zeigen, wie's am Land halt so ist. Das sind Erlebnisse aus einer kleineren Welt. Deswegen hab ich mir gedacht, da sag ich jetzt "Schwaunz". Attwenger wurden im APA-Interview gefragt, was sie von euch halten. Einerseits meinte Markus Binder, ihr habt offenbar mitbekommen, dass man mit Dialekt und 'Quetschnsound' auch lässige Musik machen kann, andererseits hat er aber auch folgendes über Lukas gesagt: "Der Bursch ist lustig und vif, keine Frage. Aber er steht mit einem Fuß im Schihütten-Hundsbemmal. Was nicht gut riecht…"
Lukas: Tja, wenn er dort nicht spielen will... Das glaub ich schon, dass ich mit einem Fuß drinsteh. Dieses Jahr isses sich nicht ausgegangen, aber sonst nehm ich Schihütten auf jeden Fall. Wir nehmen Schihütten, oder?
Manuel: Sicher, da gibt's erdige Leut. (lacht)
Lukas: I glaub', wir gehören überall hin, wo Party am Start ist. Wir machen ja Party-Musik. Aber: Schlager machen wir nicht. (überlegt kurz) Waaßt wos? Das soll'n die Leut' entscheiden, wo wir hingehören. Genauso lassen wir Attwenger entscheiden, ob wir im Skihütten-Gackerl oder so stehen. Oder, Manuel?
Manuel: Ich kenn die gar nicht ... Mit dem neuen Song "Schnitzi" steht ihr aber mit beiden Beinen im Schihütten-Bemmerl...
(beide lachen)
Lukas: Jaaa. Aber wir haben noch ein "drittes Bein" (Credit an Christoph Daum) und das steht in den Discos. Wer glaubt, dass Schnitzi ernst gemeint ist, der soll sich einmal fragen, ob er zwischen ernst und lustig nicht unterscheiden kann. Dass wir hauptsächlich ned solche Sachen machen, ist leicht zu erkennen. "Schnitzi" is' so oag, dass es schon wieder 'kredibel' ist. (lacht)
Manuel: Einem Mittagessen kann man ja auch mal ein Lied widmen. Das gehört doch zur Kultur von Österreich ... Was sind die weiteren Pläne mit oder ohne Trackshittaz?
Lukas: Ich möchte solo etwas machen, aber ich will nicht, dass Trackshittaz daran kaputt gehen. Weil ich einfach gern mit ihm Musik mach, es kommen ja immer wieder lustige Lieder dabei heraus. ... Lukas (setzt fort): Solo wär's auch nicht so einfach gewesen, vom Castingshow-Image wegzukommen. Weil, wenn du’s bis zur nächsten Castingshow, wo die "Nachfolger" gesucht werden, ned geschafft hast, dich am Musikmarkt zu positionieren, bist du relativ schnell wieder weg. Weil diesen Castingshow-Hype hast du spätestens dann an jemand anderen abgegeben. Die Solo-Karriere brennt zwar schon irgendwie in mir, als G-Neila sehe ich mich noch stärker in den Clubs drinnen, sprich housiger und elektronischer. Aber das soll parallel neben Trackshittaz funktionieren. Welche Chancen hättet ihr euch für den Songcontest ausgerechnet - wenn's hingehaut hätte?
Lukas: Wir wär'n garantiert aufgefallen!  Beim Songcontest geht’s einfach nur ums Auffallen und ums im Kopf bleiben. Genauso wie bei "Helden von morgen". Wenn du einmal im Kopf bist, dann fragen die Leute nach. Ob sie schimpfen oder es mögen, es gibt wenigstens eine Reaktion. Das wäre natürlich eine Chance gewesen, und der zweite Platz in der Vorausscheidung tut uns sicher ein bisserl weh. Aber wir vergönnen’s auch der Nadine. Sie hat so was auch gebraucht. Sie hat Starmania vor ein paar Jahren gewonnen, nur ist dann irgendwann das passiert, was gefährlich ist, nach so einer Castingshow: Das nämlich genau nix funktioniert. Das ist bei uns gottseidank, zumindest jetzt, ned gegeben. Wir arbeiten auch daran, dass es ned so sein wird. Weil wir wissen, dass man mit einer Castingshow nix erreicht hat, sondern ein Sprungbrett hat, damit man eventuell einmal etwas erreicht... Und der Songcontest ist ja jedes Jahr …
Lukas:  (scherzt) Genau, 2012 sind wir dann mit "Schnitzi" dabei …

Außerdem warst du stattdessen auf Promo-Tour in China...  
Lukas: Das war mein Ersatz-Songcontest! Das war lustig. INFO: 
Die Trackshittaz wurden im Frühjahr 2010 von Lukas Plöchl ( G-Neila) aus Freistadt und Manuel Hoffelner (Manix), einem aus Leopoldschlag (OÖ) stammenden HTL-Schüler, gegründet. Bekannt wurden sie zunächst 2010 über YouTube: Mit ihrer Persiflage auf "Alors on danse" von Stromae, die sie "Alloa bam Fraunz" nannten, erreichten sie binnen kurzer Zeit mehr als 100.000 Klicks.

Castingshow
Von Oktober 2010 bis Jänner 2011 nahm Plöchl an der ORF-Castingshow "Helden von morgen" teil. Nach der Auftaktshow wurden die beiden mit dem Titel "Oida taunz!" von Sony Music unter Vertrag genommen. Das Lied erreichte Anfang November Platz 1 der österreichischen Singlecharts. Es war auch der erste österreichischen Titel, der download only veröffentlicht wurde und sofort auf Platz 1 in die österreichischen Charts eingestiegen ist. Mit "Guuugarutz", das im Jänner 2011 erschien, erreichten die Trackshittaz ebenfalls Platz 1.

Football-WM und neue CD
Für die American Football WM, die von 8. bis 16. Juli in Österreich stattfindet, haben die Trackshittaz die offizielle Hymne "Touchdown" eingespielt.
Am 1. Juli ist die zweite Trackshittaz-CD: "Prolettn feian längaah" (Sony) erschienen

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(KURIER.at / Peter Temel, Christina Michlits) Erstellt am
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