QOTSA: Stürmische Zeitreise in Graz

Queens Of The Stone Age, die kalifornische Wüstenrock-Band um Josh Homme, spielte in Graz ihr komplettes Debütalbum von 1998.

Am Donnerstag spielten Queens Of The Stone Age ihr einziges Österreich-Konzert in diesem Jahr. Und dafür hat sich die Band um Josh Homme die Grazer Kasematten als Location ausgesucht. Binnen weniger Tage war die Show ausverkauft. ... Josh Homme und die Queens Of The Stone Age sind spätestens seit "Songs For the Deaf" nicht mehr nur Stoner Rock- und Kyuss-Fans der ersten Stunde ein Begriff. Das mit Dave Grohl am Schlagzeug 2002 aufgenommene Album war der erste große kommerzielle Erfolg der Band, brachte den Wüstenrockern aber auch hymnische Kritiken. Auf der aktuellen Tour spielen QOTSA allerdings vor allem ihr allererstes Album "Queens Of The Stone Age", das 1998 noch auf einem Independent Label veröffentlicht worden ist. Von der damaligen Besetzung ist allerdings nur noch Gitarrengott Josh Homme dabei. Ein gehöriger Adrenalinschub setzt ein, wenn Josh Homme gleich mit "Regular John" als Opener loslegt - im besonderen, wenn man 1998 beim ersten Konzert der "Queens" in Österreich dabei gewesen ist, und das ist beim Gestalter dieser Bildstrecke der Fall. Die infernalisch quietschenden Akkorde zu Beginn und der alsbald einsetzende Gitarren-Donner zünden auch dreizehn Jahre später noch. Und fegen einen förmlich weg wie ein heißer Wüstensturm, wenn man sich zu nahe heranwagt ... Stimmlich hat sich Homme seit damals enorm verbessert. Davor, in Zeiten der Stoner Rock-Kultband Kyuss, hatte den Gesang ja ohnehin noch John Garcia übernommen. Das Publikum war von Beginn an voll da - auch wenn nicht jedem das ganze Debüt-Album ein Begriff gewesen sein sollte. Heuer wurde "Queens Of The Stone Age" aber neu aufgelegt und digital remastert.

Bild: Rund 1300 Fans waren in den Grazer Kasematten - ideal für die kleiner angelegte aktuelle QOTSA-Tour. Das Album wurde, wie angekündigt, komplett durchgespielt (u.a. "Avon", "Mexicola"). Zwei Veränderungen gab es allerdings: Als letztes Lied wurde "You Can't Quit Me Baby" (eigentlich Track 9) gespielt. Und: "The Bronze", dass nur auf einer EP veröffentlicht wurde, rutschte in die Setlist. Mit Beginn des Konzerts wurde es auch draußen stürmisch. Heftiger Regen setzte ein, und man merkte, dass die Grazer Schlossberg-Kasematten eben eine Semi-Open-Air-Bühne sind. Das Dach war zwar geschlossen, aber immer wieder besprühten von der Seite eindringende Regentropfen das Publikum. Erfrischendes Nass trifft Wüstenrock.

Am Bass: Mike Shuman Manche Dinge ändern sich nicht: Wodka war auch in Graz reichlich auf der Bühne vorhanden. 1998 hat Josh Homme vor dem Konzert in der Wiener Arena noch von der Kombination Red Bull & Wodka geschwärmt, das er damals scherzhaft als "Legal Speed" bezeichnete. In seinen Botschaften gab es immer wieder Lob fürs Publikum. Dieses bedankte sich mit ausgiebigem Jubel, und: einem auf die Bühne geworfenen Slip.
Zwischendurch wurde der Zwei-Meter-Mann aus Palm Desert aber auch richtig emotional: "Wie wundervoll das Leben ist ..." 2010 hatte der Gitarrist eine schlimme Nahtod-Erfahrung. Bei einer Knie-Operation war etwas schief gegangen, und Homme musste am Operationstisch wiederbelebt werden. Danach war er nach eigenen Angaben drei Monate lang im Bett gelegen. Nach dem mit beeindruckender Intensität gespielten "Live-Album" gab es in Graz eine kurze Pause und nach der bejubelten Rückkehr auf die Bühne machten Queens Of The Stone Age mit neuerem Material weiter - und wie! Wer später in der Diskografie Josh Hommes als Fan eingestiegen ist, kam jetzt voll auf seine Rechnung. Los ging es mit "Turnin' on the Screw" von "Era Vulgaris" (bisher letztes Album von 2007). Die LED-Röhren, die von der Decke hingen, wurden dann auch effektvoll eingesetzt. Magisch-monströse Rocksongs, aber doch feingliedrig gespielt: Am Keyboard Dean Fertita, Schlagzeuger Joey Castillo und rechts: Michael "Mikey Shoes" Shuman. Weitere Songs waren "Go with the Flow", "Little Sister" "Make it wit Chu". Irgendwie wähnte man sich nun in einer Art Best-Of-Programm mit hohem Wiedererkennungsfaktor. ... Die Kombination mit den älteren Nummern zuvor machte aber umso mehr deutlich, dass Josh Homme einer der besten Songwriter im harten Rock-Fach ist. Hier wird nicht bloß drauf los gebolzt ... Dazwischen setzte die Band auch improvisatorische Sequenzen, halsbrecherische Tempo-Wechsel und natürlich immer wieder die donnernden Riffs, die eine einzigartige Sogwirkung erzielen.


Links: Gitarrist Troy Van Leeuwen Oft kopiert - nie erreicht: Josh Hommes unverwechselbarer Gitarrensound. Knapp zwei Stunden dauerte das intensive Konzert. Zwei Feierstunden in einer Location, die auch der Band sichtlich Spaß machte. Der Bühnenhintergrund fügte sich perfekt in die Gewölbe der Kasematten ein. Aber es soll auch einmal gesagt sein: Dass man bei einem Rockkonzert schlecht eingeschenktes, holländisches Bier aus 0,3-Bechern trinken muss, das in der Sonne von Palm Desert binnen einer Minute verdunsten würde, ist nicht gerade fanfreundlich. Zum Glück wurde aber in Graz ein spannungsgeladenes Konzert-Erlebnis serviert, das viele wohl den Durst vergessen ließ. Zum Abschluss zogen QOTSA noch einmal alle Register - schweißtreibende Tempo-Wechsel, noch ein paar Adrenalin-Stöße und ein abschließendes Gitarren-Gewitter ließen keinen Wunsch mehr offen ... Außer vielleicht, dass Josh Homme möglichst bald, vielleicht auch mich brandneuem Material, zurückkehrt. Ein neues Album wurde für heuer in Aussicht gestellt. Im Vorjahr ... ... sagte der Kalifornier dazu: "Ich habe schon Ideen, absolut. Es wird sich alles um wackelnde Hüften drehen. Die Musik wird weiter den seltsam liebevollen Weg von 'Era Vulgaris' gehen."

"Liebevoll" war auch so mancher Moment in Graz angelegt, "seltsam" aber keinesfalls. Denn falsches Pathos kommt bei diesem Herrn so oft vor wie Schneefall in der kalifornischen Wüste.
(KURIER.at) Erstellt am
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