Popfest-Auftakt: Kaum was zu "motschkern"

Skero und Gustav eröffneten am Donnerstag das zweite Wiener Popfest. Der Karlsplatz wurde dabei zur gesitteten Partyzone.

Am Karlsplatz ging am Donnerstag die Eröffnung der zweiten Ausgabe des Wiener Popfests über die Bühne. Hiphopper Skero weihte die Seebühne ein, die im Gegensatz zum Vorjahr wesentlich höher aufgebaut wurde und ein transparentes Dach bekam. ...

Bild: Skero hatte neben einer Funkband auch einen Leierkastenmann auf der Bühne Das Gratiskonzert lockte ab 19 Uhr nach Einschätzung der Initiatoren mindestens 10.000 Besucher an, die sich auch um den künstlichen "See" vor der Karlskirche platzierten und sich ein Happening gaben. Alles war angerichtet für die inoffizielle Eröffnung der Freiluft-Festivalsaison, nur die Temperaturen zeigten sich ganz und gar nicht sommerlich. Der Linzer Hiphopper Skero kam mit der feinen Big Band SK Invitational nach Wien und präsentierte sein Solo-Schaffen abseits seiner Stammband Texta in neuem, groovigem Gewand. Das Mastermind und der Namensgeber für die Funk und Ska-Formation SK Invitational ist Stefan Kondert. Skero, der den frühen Abend immer wieder mit launigen Ansprachen auflockerte, schwärmte von der "leiwaunden" Stadt Wien, und plädierte für eine Image-Aufbesserung für den Karlsplatz. Sein chilliges Motto: "Nur ned hudl'n!" Die letzten Sonnenstrahlen schienen Skeros Aussagen zu unterstreichen. Die Stimmung war für ein Massen-Event äußerst friedlich. Lediglich über den geeigneten Standort für die Seebühne lässt sich diskutieren. Der Resselpark bietet nicht allzu viel Platz für die Musikfans, links und rechts der Bühne bildeten sich immer wieder Nadelöhre. Im Bereich hinter der Bühne ist zwar viel Platz, was die Menge zum Chillen vor der Karlskirche nutzte. Aber der Blick auf die Bühne und der optimale Sound ist hier nicht zu bekommen. Eine Videowall könnte hier, zumindest was die Optik betrifft, Abhilfe schaffen. Aber wie sagte Skero zu den Fans hinter der Bühne: "Tuat's ned motschkern, wenn der Sound dort ned so passt..." Alles in allem konnte der Sound im Vergleich zum Vorjahr ohnehin verbessert werden. Zwischendurch eroberte Lylit die Bühne und präsentierte ihre gut geölte "blue-eyed" Soul-Stimme. Danach gab's einen gemeinsam gesungenen Song mit Skero, ... ... der zum Finale die heiß erwartete "Kabinenparty" einläutete:  "Seid's bereit für den Scheiß?!" Und es ist dem Linzer mit Hilfe von S.K. Invitational gelungen, den bereits etwas abgespielten Sommerhit 2010 in ein neues Sound-Kleid zu stecken. Den Refrain ließ er sicherheitshalber vom Publikum anstimmen, das bereitwillig "Geht scho, geb'ma Vollgas!" brüllte. Nach dem Stimmungshöhepunkt gab es noch ein smootheres Stück, mit dem er das Zepter an Gustav übergab. ... Die Pop-Chanteuse Eva Jantschitsch a.k.a. Gustav lieferte danach ein routiniertes Set, das sie sinnigerweise mit "Abgesang" eröffnete. Mit ihren angriffigen Elektro-Pop-Stücken bildete sie einen doch starken Kontrast zu Skero. Wenngleich ihre Musik nicht unbedingt für ein großes Freiluft-Setting gemacht ist, und sich Gustav auch vorab für angebliche Stimm-Probleme entschuldigte, brachte sie den Gig doch sehr gut über die Bühne. Stellenweise wurde es sogar etwas rockiger. Und zwischen den sozialkritischen Liedern blieb auch Zeit für simplere Botschaften: "Markus möge bitte seine Mama anrufen!" Die Pop-Künstlerin brachte Songs aus ihren beiden Alben "Rettet die Wale" (2004) und "Verlass' die Stadt" (2008), aber auch ein Rage Against The Machine-Cover. Ihr Abschluss-Song mit der Botschaft "Rettet die Wale und stürzt das System" erwies sich als bereits zeitlos ironische Protesthymne. Und wer den Karlsplatz nach dem Abzug der Fans gesehen hat, erinnerte sich auch an die Textzeile: "Und trennt euren Müll, denn viel Mist ist nicht schön." Aber da die Bierdosen bis zum nächsten Tag sicher wieder weggeräumt sind, bleiben wir doch lieber bei der Schlusszeile des Konzerts hängen: "Und nehmt euch an den Händen und macht Liebe jeden Tag!" Doch zunächst hieß es noch, aus der Kälte in Richtung wärmende Indoor-Bereiche zu schlendern, wo sieben weitere Acts warteten. Auf dem Weg gab es beim Wien Museum ein Balkon-Konzert zu hören. Die allzu große Distanz zu den Musikern machte dies aber eher zu einem netten Gag als zu einem ernsthaften Konzert-Erlebnis. Ach ja, so haben sie ausgesehen, die am Balkon aufspielenden Mika Vember. Im Inneren des Wien Museums zog dann Meaghan Burke mit dem Cello ihre Melodiebögen auf. Vor dem brut, einem weiteren Spielort, hatte sich derweil bereits eine riesige Schlange gebildet. Wir wollen das einmal als gutes Zeichen dafür werten, dass der Hunger nach feiner Musik Made in Austria noch lange nicht gestillt war. Die Kälte tat wohl ihr übriges. ... Ab Freitag kommt dann der TU Prechtlsaal als Location hinzu, was die Menschenströme hoffentlich etwas verteilt und Wartezeiten reduziert. Alles in allem hat das Popfest, Teil zwei einen gelungenen Start hingelegt.

Tipps zum weiteren Programm findet ihr in der "Ich muss gar nichts, außer ...."-Galerie (siehe unten).
(KURIER.at) Erstellt am
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