Platten-Cover: Original oder Kopie?

In der Popmusik werden ständig Lieder gecovert oder zitiert. Aber auch die Platten-Cover vieler Bands ähneln sich frappant.

Dass Songs gecovert werden, gehört zum musikalischen Alltag, aber auch Plattencover sind oft "Opfer" von Nachahmungen. Es gibt unzählige Beispiele für mehr oder weniger gut gelungene "Kopien". Der Grund dahinter liegt oft in einer Huldigung an gewisse wegweisende Bands, einer Parodie, aber zum Teil sicher auch an mangelnder Kreativität der Grafiker.

"Weird Al" Yankovic ist bekannt für seine Song-Parodien. So gut wie jeder Künstler freut sich, wenn er von ihm "gewürdigt" wird. Das schlägt sich auch in seinen Album-Artworks nieder. Hier hat er das legendäre "Nevermind"-Album von Nirvana parodiert.

Nirvana - Nevermind (1991 / Geffen)
"Weird Al" Yankovic - Off the deep End (1992 / Volcano) Nicht weniger bekannt ist seine Parodie auf Michael Jacksons "Bad". Das gesamte Album nennt sich "Even Worse", die bekannte Single, in dem er auch das gesamte "Bad"-Video nachspielt, heißt "Fat".

Michael Jackson - Bad (1990/Sony BMG)
"Weird Al" Yankovic - Even Worst/Fat (1990/Sony) Bei ihrem dritten und bekanntesten Album spielte The Clash auf ein Elvis Presley Cover von 1956 an. Dieses Artwork war gleichzeitig für viele andere Bands eine Vorlage für ihr Album. Elvis ist und bleibt eben der King.

Elvis Presley - Elvis Presley (1956 / Bmg - Elvis)
The Clash - London Calling (1980 / Epic) Eines der am öftesten "kopierten" Artworks ist die des "Sgt. Pepper"-Albums der Beatles. Kein Wunder, gelten die Beatles bis heute als eine der wichtigsten Bands überhaupt. Das Cover selbst ist ebenfalls Grund für viele Verschwörungstheorien. Eine ist zum Beispiel, dass es sich dabei um Paul McCartneys Beerdigung handelt, aber das ist eine andere Geschichte.

Eine der bekanntesten Nachahmung des Artworks  kommt von der Frank ZappaBand The Mothers of Invention und stellt eine Parodie der Originalversion dar.

Beatles - Sgt. Pepper`s Lonely Hearts Club Band (1967 / Parlophone)
The Mothers of Invention - We`re Only in It for the Money (1968 / Verve) Ein nicht weniger oft als Vorlage verwendetes Albumcover ist die des "Abbey Road"-Albums. 1988 nahmen sich die Red Hot Chili Peppers das Cover als Vorlage und gestalteten es auf ihre Weise um. Die war damals vor allem durch Nacktheit geprägt. Auch auf der Bühne trugen sie oft nicht mehr als einen Socken.

Beatles - Abbey Road (1969 / Apple - Parlophone - EMI)
Red Hot Chili Peppers - The Abbey Road E.P. (1988 / EMI) Auch die Jackson 5 sind nicht von einer "Coverabkupferung" gefeit. 2004 wurde ihr "Christmas Album" von der Alternative-Band Pearl Jam verwendet. Wenngleich die fünf Burschen von Pearl Jam nicht so jungenhaft daherkommen wie die Jacksons.

Jackson 5 - Christmas Album (1970 / Motown)
Pearl Jam - Someday at Christmas (2004 / Ten Club) Elvis zum Zweiten. Ähnlich wie die Beatles wurde auch Elvis von vielen Bands mittels Cover-Artwork gehuldigt. Hier zu sehen ist ein Album der deutschen Band Blumfeld, ...

Elvis - 50.000.000 Elvis Fans Can`t Be Wrong (1959 / RCA)
Blumfeld - L`Etat Et Moi (1995 / Big Cat Records) ... aber auch Falco verwendete Bühnen-Foto Elvis` von 1968 als Vorlage für sein "Emotional" Album. In diesem Fall wurde das Artwork allerdings zuerst von Falco verwendet, bevor eine Neuveröffentlichung des Elvis-Klassikers 1991 auf den Markt kam.

Elvis - NBC-TV Special `68 Comeback (1991 - RCA-BMG)
Falco - Emotional (1986 / Warner) Auch Falco selbst wurde schon öfter geehrt. Der Wiener brachte es mit "Amadeus" sogar zu einem Welthit. Der kontroverseste Titel in seiner Karriere war "Jeanny". Von vielen Radiostationen boykottiert, von Frauenverbänden gehasst, wurde es wahrscheinlich gerade deshalb ein Erfolg. Eine Coverversion des Songs kommt von einer Band, die unter "Jeannie singt" firmierte. Der "Antwort" blieb allerdings der Erfolg verwehrt. 

Falco - Falco 3 (1999 / Gig Records)
Jeannie - Freedom (Die Antwort) (-/-) In Wien selbst wird auch ordentlich zitiert. Das DJ-Duo Kruder & Dorfmeister nahm sich unverkennbar ein Simon & Garfunkel-Artwork zum Vorbild. Bis auf das kleinste Detail wurde dass Cover nachgeahmt. 

Simon & Garfunkel - Bookends (1968 / Columbia)
Kruder & Dorfmeister - G-Stoned (1995 / G-Stonded Records (Soulfood)) Eine weitere Band, der oft gehuldigt wird, ist Queen. So diente zum Beispiel The Verve 1995 das "Queen II" Album als Vorlage.

Queen - Queen II (1974 / Hollywood Records)
The Verve - A Northern Soul (1995 / Virgin) Parodien, Huldigungen und Kopien gibt es in jedem Genre. Egal ob im elektronischen Bereich (wie hier zum Beispiel bei Kraftwerk) ...

Kraftwerk - The Man-Machine (1978 / Emd Int`l)
Big Black - The Model (1987 / Touch and Go) ... der härteren Gangart, wie bei Rage Against The Machine ...

Rage Against The Machine - Renegades (2000 / Sony)
Oasis - Little by Little/She is Love (2002 / Big Brother) ... oder im Hip-Hop Bereich, wie zum Beispiel bei den Beastie Boys, Vorlagen gibt es überall. Es hat halt auch noch selten jemand das Rad neu erfunden ...

Beastie Boys - Check Your Head (1992 / Capitol)
(Absolute) Beginner - Gustav Gans Single (2004 / Universal) Eines der am interessantesten Beispiele ist das Artwork der relativ unbekannten Band M. Walking on the Water. Die Krefelder Truppe spielte damit auf das Pink Floyd-Album "Atom Heart Mother" an, das 23 Jahre zuvor veröffentlicht wurde.

Pink Floyd - Atom Heart Mother (1970 / Harvest Records)
M. Walking on the Water - Pictures of an Exhibitionist (1993 / -) Soundtracks sind ebenfalls schon einige Male von diversen Künstlern zur weiteren Verwertung verwendet worden. In diesem Fall von Jennifer Lopez im poppigeren Bereich, ...

Flashdance Soundtrack (1987 / Casablanca)
Jennifer Lopez - I`m Glad (2003 / Sony BMG) ... aber auch im Rock. AFI lieh sich in diesem Fall eine Version des Reservoir Dogs-Artworks aus. Von diesem gibt es allerdings mehrere Ausführungen.

Reservoir Dogs Soundtrack (1992 / MCA Records)
AFI - Answer that and stay Fashionable (1997 / Nitro) Um einer Band wirklich zu huldigen, muss allerdings das Cover 1:1 nachgestellt werden. Mangelnde Kreativität wollen wie hier einmal nicht unterstellen. White Flag ahmten Jefferson Airplane nach, ...

Jefferson Airplane - Surrealistic Pillow (1967 / RCA Victor)
White Flag - White Rabbit (1992 / Sympathy For The Record Industry) ... die amerikanischen Punker NOFX Bad Religion, ...

Bad Religion - Suffer (1988 / Epitaph)
NOFX - Suffer EP (1992 / Fat Wreck Records) ... Adam West hielt sich an Boston, ...

Boston - Boston (1976 / Sony)
Adam West - Trailor Oriented Rock (2003 / Sleazey) ... Die Toten Hosen, unter ihrem Pseudonym Die Roten Rosen, an eines der wichtigsten Punk-Alben, von den Sex Pistols, und ...

Sex Pistols - Never Mind The Bollocks (1977 / Virgin)
Die Roten Rosen - Never Mind The Hosen (1987 / Virgin) ... Muff Potter an die Ramones.

Ramones - Road to Ruin (1978 / Sire Records)
Muff Potter - Allesnurgeklaut/Punkt 9 Single (2007 / Universal) Bootlegs sind prädestiniert dafür, dass das Artwork nicht gerade vor Kreativität strotzt. In diesem Fall verwendete ein Fan der australischen Band Jet das legendäre The Who-Artwork von "Live at Leeds".

The Who - Live at Leeds (1970 / Polydor)
Jet - Live at Leeds (2006 / Bootleg) Ebenfalls ist es öfters der Fall, dass ganze Albumkonzepte wiederverwertet werden. So geschehen bei Kiss und den Melvins. Jedes Kiss-Mitglied veröffentlichte ein Album mit seinem Namen. Dieses Konzept wurde 1992 von den Melvins aufgenommen und ebenfalls so durchgeführt.

Kiss - Paul Stanley (1988 / Island - Mercury)
Melvins - Joe Preston (1992 / Boner Records) Bei diesen beiden Alben ist leider nicht bekannt, welches zuerst das Licht der Welt erblickte, ob sie den gleichen Grafiker oder einfach nur dieselbe Idee hatten.


Faith no More - The Very Best Definitive Ultimate Greatest Hits Collection (2009 / Rhino Records)
Jupiter Jones - Holiday In Catatonia (2009 / Mathildas und Titus Tonträger)
(KURIER.at) Erstellt am
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