Pin-Ups: Auch damals wurde nachgeholfen

Gil Elvgrens weltbekannte Pin-Ups hat wohl jeder schon einmal irgendwo zu Gesicht bekommen. Nun hat eine russische Online-Seite die Foto-Vorlagen veröffentlicht.

Der Amerikaner Gil Elvgren ist einer der bekanntesten Werbe- und Plakatzeichner des 20. Jahrhunderts und außerdem ein guter Retuschierer. ... Zwischen 1930 und 1970 hat er hunderte Werbeplakate und Pin-Up-Zeichnungen entworfen. Nun hat eine russische Online-Seite die Foto-Vorlagen den Zeichnungen gegenübergestellt. ... Dabei wird klar, dass Elvgren die Frauensujets mit dem Pinsel im Nachhinein durchaus perfektionierte. Vor Photoshop und Co wurde in der Werbebranche also auch schon gerne und fleißig retuschiert. Manche sprechen von Elvgren als besten Pin-Up-Zeichner überhaupt. Der Illustrator aus Minnesota lehrte selbst Kunst auf Universitäten.

Bild: Selbstporträt von Elvgren Für Coca Cola hat er ebenso erfolgreiche Werbungen gezeichnet wie für General Electric oder die Firma Brown & Bigelow, für die er die meisten seiner Werke schuf. Vor allem durch seine idealisierten Pin-Up-Zeichnungen für Kalender wurde er berühmt (und gut entlohnt). Seine Bilder sind auch für Historiker interessant. Sie spiegeln das ideale (und sich verändernde) Frauenbild in der Zeit zwischen 1930 und 1970 wieder. Über 500 Pin-Ups hat Elvgren gezeichnet.. Fast alle sind mit Öl auf Leinwand entstanden. Unzählige jüngere Künstler hat der angeblich immer bescheiden gebliebene Amerikaner mit seinem Schaffen beeinflußt, so wie den Pop-Artisten Mel Ramos oder den fotorealistischen Maler John Kacere. Durch seine gefragten Bilder hat Elvgren viel Geld verdient. Er konnte sich veschiedene Wohnsitze leisten ... ... und hatte zwischen 1960 und 1970 eine eigene Galerie, in der er ausschließlich Pin-Up-Kunst ausstellte. Janet Rae, die Tochter von Elvgrens Nachbarn, posierte für viele Werke, wie  "Inside Story", "Well Built", "Puppy Love" (Bild), und "Sheer Comfort". Sein Hauptarbeitgeber war Brown & Bigelow, die Firma ist der weltweit größte Hersteller von Werbe-Kalendern. Noch heute macht das Unternehmen mit Neudrucken seiner Werke guten Umsatz. Der Künstler selbst betitelte seine Werke nur von Zeit zu Zeit, meist wurden die Titel von den Verlagen der Bilder bzw. Kalender erfunden. Auch mit der Angabe von Jahreszahlen ging Elvgren spärlich um. Experten sind daher auf die Kleidung, Posen und Frisuren der Models angewiesen, um die Werke datieren zu können. 25 Jahre lang arbeitete er auch für Coca Cola an Illustrationen. Neben hübschen Frauen zeichnete er auch Familien, Teenager und thematisierte auch den Korea- oder Weltkrieg in den Coca Cola Sujets. Nicht nur gezeichnet hat Gil Elvgren, er war auch als professioneller Fotograf tätig. Die Foto-Vorlagen dürften daher mit ziemlicher Sicherheit von ihm selbst geschossen worden sein. Seine Eltern erkannten schon früh das zeichnerische Talent ihres Sohnes und unterstützten ihn bei seinem Vorhaben, Architektur zu studieren. An der University of Minnesota belegte er zunächst Architektur und Design. Er absolvierte aber auch Kurse im Fach Kunst, die ihm mehr zusagten, bis er schließlich das Studium wechselte. Heimlich heiratete er Janet Cummins als er noch studierte. Drei Kinder bekam das Paar, in den Jahren in denen es auch mit Elvgrens Berufsleben bergauf ging. Viele Professoren und Unternehmen erkannten sein Talent, nach seinem Studium war er schnell ein vielbeauftragter Illustrator. Brown & Bigelow zahlten dem Künstler bald 1000 Dollar pro Bild, sehr viel Geld für 1944. Damit wurde Gil Elvgren zu einem der höchstbezahlten Illustratoren seiner Zeit. Die zwei Bücher "The Great American Pin-Up" und "Gil Elvgren and his Great American Pin-Ups" zeigen Elvgrens Schaffen. Einen Druck seiner Bilder bekommt man schon zwischen 10  und 300 Dollar (siehe Link) Die Originale sind heiß begehrt und wahrscheinlich nicht ganz so günstig zu haben. Am 29. Februar 1980 starb Gil Elvgren 65-jährig an Krebs.
(kurier) Erstellt am
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