Grunge wird 20 - mit Nirvanas "Nevermind"

Kurt Cobain wurde in den frühen Neunzigern zum Idol. Mit "Nevermind" haben Nirvana eine Revolution in den Charts ausgelöst.
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Vor 20 Jahren veränderte Nirvanas "Nevermind" die Rockwelt. Eine üppige Sonderauflage würdigt den Meilenstein der Musikgeschichte.

Sie hat die Musikwelt verändert und die 80er Jahre weggeblasen: die Platte "Nevermind" von Nirvana, die vor 20 Jahren in den Handel gekommen ist. Haarspray-Rockbands und belanglose Pop-Acts sahen sich plötzlich mit vertonter Wut, Depression und Selbstzweifeln konfrontiert. Nirvana verbanden harten Rock mit Punk und durchaus poppige Ansätze mit düsteren Klängen. Mit dem Grunge hielt eine neue Stilrichtung Einzug in die Charts. Drei Jahre später beendete Nirvana-Sänger Kurt Cobain mit einem Schuss in den Kopf sein Leben - und das seiner Band.

Nirvana wurde 1987 von Cobain und Krist Novoselic (Bass) in Aberdeen, US-Staat Washington, gegründet. "Bleach" hieß die erste LP (1989), erschienen auf dem Label Sub Pop. Auftritten mit wechselnden Schlagzeugern folgte ein Vertrag mit Geffen. Der Konzern spekulierte vor Veröffentlichung von "Nevermind" mit 250.000 verkauften Tonträgern - 30 Millionen sollten es bis heute werden. Mit Dave Grohl an den Drums und mit Butch Vig als Produzenten gelang dem Trio der Durchbruch: Die Single "Smells Like Teen Spirit" schlug wie ein Komet ein, schaffte es in Amerika an die Spitze der Charts und etablierte harte Musik im Tagesprogramm von MTV.

Der Grunge-Style kam in Mode

Kurt Cobain wurde in den frühen Neunzigern zum Idol. Mit "Nevermind" haben Nirvana eine Revolution in den Charts ausgelöst. Foto: ap Kurt Cobain wurde in den frühen Neunzigern zum Idol. Mit "Nevermind" haben Nirvana eine Revolution in den Charts ausgelöst.

Plötzlich trugen alle "Schlabbermode" und hörten Nirvana, Pearl Jam, Alice In Chains, Soundgarden oder Stone Temple Pilots. "Ich muss immer lachen, wenn ich an die Journalisten denke, die 'Nevermind' beim Erscheinen niedergemacht haben", sagte Novoselic später in einem Interview. "Heute sagen sie alle, dass sie das Album von Anfang an gemocht haben." Die davor üblichen Texte über Sex, Drogen und Rock' n' Roll wichen Angstthemen, Verweigerung war wichtiger als Stargehabe. Allerdings blieben die Drogen.

Das mitunter brachiale Rockalbum "Nevermind" mit dem ikonischen Cover - ein Baby, das einer Dollarnote nachschwimmt - schaffte es, die Grenzen zum Mainstream einzureißen. "Smells Like Teen Spirit" wurde zur trotzigen Hymne einer ganzen Generation. "Come As You Are" klang trotz seiner Wurzeln im Underground nicht weniger eingängig. Das brutale "Territorial Pissings" war dagegen purer Punk, "Polly" akustisch und düster, "Something In The Way" sogar mit einem Cello verfeinert. Als "zu poliert" urteilte Cobain später die Produktion ab. Der Nachfolger "In Utero" klang dann auch deutlich kantiger.

Cobain wurde zum Rockstar, zum Idol - eine Rolle, die der selbstzerstörerische Musiker nicht leben wollte und konnte. Abgerutscht im Drogensumpf, setzte er sich am 5. April 1994 die Schrottflinte an den Kopf. Nur wenige Gruppen überlebten den Grunge-Hype, etwa Pearl Jam, die irgendwann die Balance zwischen Unabhängigkeit und Erwartungsdruck finden konnten. Doch mit "Nevermind" haben Nirvana eine Revolution in den Charts ausgelöst und einen Klassiker der Popgeschichte geschaffen.

Zum Jahrestag - "Nevermind" kam am 24. September 1991 erstmals in den Handel - bringt Universal mehrere Neuauflagen heraus. So gibt es das Originalalbum remastert, als Doppel-CD mit Studio- und Live-Raritäten und als Set mit vier Vinyl-Platten. Eine Super Deluxe Version enthält vier CDs und eine DVD sowie einen Poster und ein Buch.

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(apa / mich) Erstellt am
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